Katholische Kapelle Oberbärenburg
Die ehemalige römisch-katholische Herz-Jesu-Kapelle in Oberbärenburg (im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nordwestlich von Altenberg) steht nahe der Bundesstraße 170. Sie wurde als Privatkapelle gebaut und mehrere Jahrzehnte von den Grauen Schwestern der heiligen Elisabeth aus dem Dresdner St.-Joseph-Stift betreut. Bis zu ihrer Profanierung 2019 gehörte sie zur katholischen Pfarrei Osterzgebirge.[1]
Geschichte
Um 1902 zog Auguste von Borries geborene von Cerrini nach Oberbärenburg, um hier gemeinsam mit ihrer Tochter, dem Hoffräulein Marie von Borries, ihren Lebensabend zu verbringen. Sie war Katholikin und richtete in ihrem Haus eine private Kapelle (Oratorium) ein, in der regelmäßig die heilige Messe gefeiert und die Sakramente gespendet wurden. Ab 1904 wohnte eine weitere katholische Familie in Oberbärenburg, die des Geheimen Justizrats Dr. Mayer. Eine Erlaubnis, weitere Gäste und Personen in ihren Hause an Gottesdiensten teilnehmen zu lassen, wurde vom Sächsischen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts in Dresden am 24. Dezember 1908 erteilt.
Auguste von Borries hegte bis zu ihrem Tod im Jahr 1909 den Wunsch, eine katholische Kapelle in Oberbärenburg errichten zu lassen. Die Pläne der Mutter führte später die Tochter gemeinsam mit Dr. Mayer aus. Sie gründeten eine Stiftung und sammelten bei Gläubigen und Freunden Geld für den Bau einer Kapelle mit 30 Sitzplätzen.[2]
Seit dem Jahr 2006 steht die katholische Kapelle unter Denkmalschutz. Anfang des 21. Jahrhunderts gaben die Schwestern altersbedingt das Gebäude als Erholungsheim auf. Die Kapelle ist seitdem nicht mehr regelmäßig geöffnet.[2] 2019 wurde die Herz-Jesu-Kapelle durch Bischof Heinrich Timmerevers profaniert, sie ist somit kein sakrales Gebäude mehr. Seit 2019 gehört die Kapelle der Familie Püschel. In dieser können Trauungen über das Standesamt Altenberg vorgenommen werden. Sie wurde renoviert und kann nach Anmeldung besucht und gemietet werden.
Kapelle
Am 12. Juli 1912 genehmigte das Kultusministerium den Bauantrag. Die Pläne für diese Kapelle stammten vom Dresdener Architekten Alexander Tandler (* 1875[3]). Die Bauausführung übernahm der Baumeister I. R. Fritsch in Dippoldiswalde. Die Grundsteinlegung fand am 13. August 1912 statt und wurde von Monsignore Klein vollzogen. Bereits am 21. Juni 1913 konnte Tandler die Fertigstellung des Bauwerks der Amtshauptmannschaft Dresden melden und beantragte eine Benutzungsgenehmigung. Die feierliche Weihe der Kapelle vollzog am 27. Juli 1913 Bischof Aloys Schäfer, der Leiter der beiden katholischen Jurisdiktionsbezirke in Sachsen. Die Kapelle erhielt das Patrozinium vom Heiligsten Herz Jesu.
Als am 1. Februar 1920 Marie von Borries im Katholischen Krankenstift St. Joseph in Dresden starb, vermachte sie die Kapelle und das Haus den Ordensschwestern. Diese richteten dort ein Erholungsheim ein und nutzten das Waldhütte genannte Haus ab dem 4. Juni 1920. Ihr soziales Wirken in der ambulanten Krankenpflege, Altenpflege und Sterbebegleitung ist untrennbar mit der Ortsgeschichte verbunden. Die Nutzung erfolgte jedoch nur in der warmen Jahreszeit.
Im Jahr 1938 erfuhr die Kapelle eine Renovierung.[4] Dabei wurde sie innen gelblich und außen weiß angestrichen und erhielt Elektroanschluss. Die Weihe erfolgte am 31. Juli 1938 mit der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Kapelle. In den Wintermonaten blieben die beiden Gebäude geschlossen. Das wirkte sich auf die Bausubstanz ungünstig aus. Die Folge war unter anderem die Bildung von Hausschwamm. So musste im Jahr 1951 die hölzerne Wandverkleidung entfernt und erneuert werden, weil diese verfault war. Durch die nur saisonale Nutzung des Gebäudes entstanden weitere Schäden, und 1969 wurde die Dacheindeckung erneuert. Weitere Arbeiten erfolgten mit dem Innenanstrich im Jahr 1970 und später mit dem Außenanstrich sowie im Jahr 1972 mit der Erneuerung des hölzernen Bodenbelags. Eine erneute Konsekration erfolgte nach den Sanierungsarbeiten am 27. Juli 1978 anlässlich des 65-jährigen Bestehens der Kapelle. Im Jahr 1985 wurde eine erneute Sanierung notwendig; dabei erfolgte unter anderen eine gründliche Hausschwamm-Bekämpfung an Fußboden und Mauerwerk. Im Dezember 1985 weihte Gerhard Schaffran, Bischof des Bistums Dresden-Meißen erneut die Kapelle und den vom Domstift Bautzen gestifteten Altar. Auch das Dach musste erneuert werden und wurde im Jahr 1987 mit Kunstschiefer gedeckt. Dabei wurde das Turmkreuz neu vergoldet. Im Jahr 1992 wurde eine Ölheizung installiert.
Literatur
- Michael Seifert, Martin Hentschel: Mein Bärenburg, Oberbärenburg – Waldbärenburg. Ein historischer Streifzug durch ein halbes Jahrtausend 1510–2010. Druck & Media, Pobershau 2010.
- Werte der Deutschen Heimat. Akademie-Verlag der DDR, Berlin 1964, Band 7, 8 und 10.
- Richard Porzig: Illustrierter Führer der Höhenluftkurorte Kipsdorf, Bärenfels und Bärenburg. 1907.
- Otto Eduard Schmidt: Kursächsische Streifzüge einst und jetzt. Band 5 (1922).
Weblinks
- Katholische Kapelle Oberbärenburg auf der Website cosmotourist
- 100 Jahre katholische Kapelle Oberbärenburg auf der Website des Bistums Dresden-Meißen
Einzelnachweise
- ↑ kirche-osterzgebirge.de
- ↑ a b Michael Seifert, Martin Hentschel: Mein Bärenburg, Oberbärenburg – Waldbärenburg. Druck & Media, Pobershau 2010.
- ↑ Alexander Tandler. In: archINFORM.
- ↑ Werte der Deutschen Heimat. Akademie-Verlag der DDR, Berlin 1964.
Koordinaten: 50° 47′ 42,6″ N, 13° 42′ 54,2″ O