Katholisch-Soziales Institut
Das Katholisch-Soziale Institut (KSI) der Erzdiözese Köln wurde am 18. Oktober 1947 von Joseph Kardinal Frings als „Stätte der Erwachsenen-/Weiterbildung auf der Grundlage der katholischen Soziallehre“ gegründet. Träger ist das Erzbistum Köln. Seit 1952 befand es sich in Bad Honnef und wurde Anfang 2017 nach Siegburg verlegt. Beachtenswert waren in Bad Honnef die von Ewald Mataré gestaltete Kapelle sowie die vielfältigen Kunstobjekte auf dem Grundstück und im Haus mit dem Fokus der „Kunstoase“.
Im Oktober 2025 hatte das Institut 84 Mitarbeitende (darunter 14 Auszubildende) und jährlich rund 21.000 Gäste.
Gründungsgeschichte
Die Ursprünge des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI) reichen bis in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Am 29. September 1945 verfasste Hermann Joseph Schmitt im Krankenhaus Köln-Hohenlind einen Brief an den Kölner Erzbischof Josef Frings, in dem er den „Planentwurf eines im Kettelerhaus zu errichtenden Katholisch-sozialen Instituts“ vorlegte. Der Entwurf war zuvor bereits von Oswald von Nell-Breuning weitgehend gebilligt worden.[1]
Das Institut wurde später nicht im kriegszerstörten Kettelerhaus, sondern ab 1952 im ehemaligen Priestererholungsheim in Bad Honnef eingerichtet. Schmitts Konzept sah ein Bildungs- und Forschungszentrum vor, das sich mit Fragen der katholischen Soziallehre und ihrer Anwendung im gesellschaftlichen Leben befassen sollte. Er betrachtete insbesondere den westdeutschen Raum, vor allem das Rheinische Revier, als sozialen Brennpunkt, in dem Industrie, Landwirtschaft und Handel aufeinandertrafen und zu Spannungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen führten.[2] Während der Zeit des Nationalsozialismus waren diese Konflikte durch staatliche Repressionen überdeckt worden; die katholische Soziallehre und der politisch engagierte Katholizismus waren weitgehend unterdrückt.[3]
Nach dem Ende des Krieges sah Schmitt die Möglichkeit, diese Traditionen wiederzubeleben. Das geplante Institut sollte dabei nicht nur regional, sondern auch über nationale Grenzen hinweg wirken und zur Verständigung zwischen den Völkern beitragen. Als Symbolort erschien ihm das Kettelerhaus geeignet, da dort während der NS-Zeit katholische Widerstandskämpfer wie Otto Müller, Nikolaus Groß und Bernhard Letterhaus tätig gewesen waren.[4]
Für das Lehrpersonal waren unter anderem Oswald von Nell-Breuning, Theodor Steinbüchel, Alois Dempf, Hans Berger, Franz Mariaux, Eberhard Welty, Hermann Mosler und Heinrich Lützeler vorgesehen.[⁶] Viele von ihnen hatten sich während der NS-Zeit gegen das Regime gestellt oder waren von Berufsverboten betroffen. Die vorgesehene Beteiligung des Arbeitsrechtlers Wilhelm Herschel, der Mitglied nationalsozialistischer Organisationen gewesen war, wird in der Forschung teilweise als Ausdruck der schwierigen personellen und gesellschaftlichen Übergangsphase der Nachkriegszeit interpretiert.[5]
Schmitts Ziel war es, mit dem KSI den Rückzug der Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verhindern und durch die Vermittlung der Katholischen Soziallehre zum gesellschaftlichen Wiederaufbau beizutragen.[6]
Die Entwicklung des KSI am Standort Bad Honnef
Das früher genutzte Ursprungsgebäude des KSI in Bad Honnef, gelegen auf dem sogenannten Fuckenberg oder Olligsberg am nördlichen Rande des Stadtteils Selhof, wurde bereits 1896 vom Erzbistum Köln angekauft. Es hat seitdem vielfache Erweiterungen erfahren und veränderte Aufgaben übertragen bekommen. 1906 wurde der – erstmals 1720 erwähnte und auf eine frühere, ab 1678 nachgewiesene Besitzung zurückgehende sowie ab 1844 im Besitz der Freiherren von Proff zu Irnich befindliche – Hof durch den Diözesanbaumeister Franz Statz erweitert, wobei auch eine Kapelle entstand. Zunächst war es Erholungsheim für Priester, 1920 wurde es in St. Antoniusstift umbenannt und im folgenden Jahrzehnt mehrfach ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde von 1942 bis 1945 ein Priesterseminar nach hier hin ausgelagert – dort erreichte den Regens Joseph Frings die Nachricht von seiner Wahl zum Kölner Erzbischof –. Bis 1952 diente es als Altenheim. Seitdem war das KSI in Bad Honnef ansässig.
Die Hauptaufgabe des KSI lautete „Arbeitnehmerbildung“. Dazu gehörte:
- Menschen zu einem christlichen, wertbezogenen Handeln zu befähigen,
- an der Erarbeitung von Leitbildern mitzuwirken sowie
- Ort des Dialogs zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Kräften zu sein.
Es führte bis in die 1990er-Jahre Kurse für Arbeitnehmer vornehmlich in Verbindung mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung durch. 1954 wurden die „Jahreslehrgänge für Arbeitnehmer/innen“ ins Leben gerufen, die später als „Fortbildung zum/zur Sozialsekretär/in“ weitergeführt wurden. Seit 2004 ist diese Ausbildungsform zu einer Art Baukasten „berufsbegleitender Weiterbildungen“ modifiziert worden und beinhaltet heute unterschiedliche Qualifikationen wie z. B. „Ethik“, „Berufsbetreuung“, „Medienkompetenz“ oder gesellschaftspolitische Bildung.
Nach drei Neu- bzw. Erweiterungsbauten – 1954, 1965 und 1996 – führte das Institut jährlich rund 400 Bildungsmaßnahmen durch. Im Zentrum stehen Kurse zu Gesellschaft, Politik und Kultur, für Mitarbeitende und Führungskräfte der Caritas- und der Sozialverbände, Rechtsschutzsekretäre, Migrations- und Sozialberater, Senioren, Betriebsräte, Priester und Bedienstete der kirchlichen Verwaltung.
Einen besonderen Schwerpunkt der Arbeit des Hauses sind die Tagungen und Seminare für Mitarbeitervertreter im kirchlich-caritativen Dienst. In diesen Kursen fand seit 1975 eine Auseinandersetzung mit den Zielen, Problemen und Handlungsmaximen der MAV-Arbeit statt. Zentrale Themen waren zudem Arbeits-, Sozial- und MAV-Recht sowie methodische Hilfen für die konkrete Arbeit.
In den 1990er-Jahren wurde das KSI zum Medien-Kompetenz-Zentrum des Erzbistums Köln ausgebaut und bekam zwei EDV-Schulungsräume sowie ein Rundfunk- und Fernsehstudio. In Seminaren und Trainings werden seitdem Medientechnik, -Kommunikation und Mediengestaltung eingeübt und diskutiert.
Im Zuge einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des KSI-Konzeptes wurden in den letzten Jahren Sommerakademien, Zyklen zu bedeutenden kirchlichen Feiertagen sowie künstlerische und kulturelle Rahmenprogramme entwickelt. Die Vernissagen, Filmfrühstücke, Kulturreisen und „Vivents“ sind inzwischen einem breiten Publikum bekannt.
Umzug des KSI nach Siegburg
Am 23. Januar 2012 gab das Erzbistum Köln bekannt, dass das Katholisch-Soziale Institut seinen Standort in die Gebäude der aufgehobenen Benediktiner-Abtei auf dem Michaelsberg in Siegburg verlegen werde.[7] Die letzte Veranstaltung in Bad Honnef war am 8. Januar 2017.[8]
Bereits seit Sommer 2014 wurden die Gebäude der ehemaligen Benediktinerabtei in Siegburg entkernt und umfangreich saniert. Das historische Gebäude wurde durch einen modernen Anbau ergänzt. Rund um den ehemaligen Kreuzgang wurden Seminar- und Pausenräume sowie das Video- und Audiostudio platziert. In den vormaligen Zellen der Mönche entstanden Gästezimmer. Im Anbau befinden sich Tagungssäle, Restaurant, Küche, Verwaltungsbüros sowie Parkgaragen.[9] Wie auch am Bad Honnefer Standort präsentiert das KSI eine Kunstsammlung. Das Gebäudekonzept wurde mehrfach mit Architekturpreisen ausgezeichnet.[10] Der Umzug nach Umbaumaßnahmen in den Abteigebäuden fand Anfang 2017 statt, die Eröffnung nahmen am 4. Mai 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel und Erzbischof Rainer Kardinal Woelki vor.[11] Die Gebäude in Bad Honnef wurden an eine Investorengruppe aus der Hotel- und Gesundheitsbranche verkauft; dort soll eine psychosomatische Klinik untergebracht werden.[12]
Mit dem Umzug des KSI nach Siegburg erfolgte auch eine Neuausrichtung der inhaltlichen Arbeit der Weiterbildungseinrichtung. So erfolgte eine Schwerpunktsetzung in den Bereichen „Sozialethik“, „Theologische Bildung“, „interreligiöser Dialog“. Weiterhin veranstaltet das KSI in Kooperation mit der „diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen“ Fortbildungsseminare. Weitere Bildungsbereiche sind „Kulturelle Bildung“ sowie „Medienpädagogik“ und „Medienkompetenzvermittlung“[13]
Im Frühsommer 2024 kam es zu einem massiven Streit um die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden Direktors Ralph Bergold, in dessen Verlauf Anfang Juni 2024 fünf Mitglieder des Kuratorium des Instituts aus Protest gegen die Personalpolitik Erzbischof Woelkis zurücktraten. Woelki hatte mithilfe seines Generalvikars Guido Assmann versucht, seinen Wunschkandidaten Elmar Nass, den Prorektor der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT), ohne reguläre Ausschreibung an dem Gremium vorbei durchzusetzen. Nach weiteren Protesten versprach der Kuratoriumsvorsitzende Markus Hofmann, selbst ein früherer Generalvikar Woelkis, die Vorstellungen der Professoren bei der Bistumsleitung vorzulegen.[14] Zum kommissarischen Leiter des Instituts wurde daraufhin André Schröder eingesetzt.[15]
Kardinal-Frings-Medaille
Seit 1990 verleiht das KSI die Kardinal-Frings-Medaille an Personen, die im politischen und gesellschaftlichen Leben engagiert sind und überzeugend christliche Werte vertreten. Preisträger sind bislang unter anderem Erwin Teufel, der Köln-Vingster Pfarrer Franz Meurer, Schwester Karoline Mayer (2008), die Gründerin des „Casa Angela“ in Bad Münstereifel, Marlene Büchel (2012), der Verein „Kunst hilft geben für Arme und Wohnungslose in Köln e. V.“ (2022) sowie Bärbel Ackerschott, Gründerin des „Notel“ in Köln (Notschlafstelle für obdachlose Drogenabhängige) (2024).
Sonstige Aktivitäten
Als Kooperationspartner und technischer Dienstleister unterstützte das KSI die offiziellen TV-Lehrredaktionen der Universität Bonn und der Internationalen Hochschule Bad Honnef - Bonn. Die dabei entstandenen Fernsehbeiträge strahlte das Institut über den landesweiten TV-Lernsender nrwision aus.[16]
Das Institut verlieh außerdem die Honnefer Zündkerze, den ersten deutschen Kirchenkabarettpreis für Einzelpersonen oder Gruppen, der mit 2500 Euro (aus Sponsorengeldern) ausgestattet war und 2012 zum dritten und letzten Mal ausgelobt wurde. Das Publikum verlieh darüber hinaus einen Publikumspreis.
Bisherige Preisträger
- 2008: Klüngelbeutel
- 2010: Duo Camillo
- 2012: Ulrike Böhmer
Literatur
- Adolf Nekum: Tausend Jahre Selhof, 100 Jahre Bürgerverein. Chronik eines Dorfes und seines Bürgervereins. Bürgerverein Bad Honnef-Selhof 1988, S. 80–87.
- Verein der Freunde und Förderer des Michaelsberges e. V.: Der Michaelsberg. In der Veränderung eine Chance. Das Katholisch-Soziale Institut schreibt Zukunft. (= Siegburger Studien Neue Folge, Band 5). Siegburg 2017.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Oliver Schütz: Begegnung von Kirche und Welt. Die Gründung Katholischer Akademien in der Bundesrepublik Deutschland 1945-1975. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 978-3-506-70251-7, S. 24.
- ↑ Norbert Trippen: Josef Kardinal Frings (1887-1978). Sein Wirken für das Erzbistum Köln und für die Kirche in Deutschland. Band 1. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-79999-1, S. 405–406.
- ↑ Katholisch-Soziales Institut (Hrsg.): Der Herausforderung gestellt. Zur Geschichte des Katholisch-Sozialen Instituts. 1. Auflage. Bad Honnef 1997, ISBN 3-927566-14-4, S. 115.
- ↑ Katholisch-Soziales Institut (Hrsg.): Der Herausforderung gestellt. Zur Geschichte des Katholisch-Sozialen Instituts. Bad Honnef 1997, ISBN 3-927566-14-4, S. 116–117.
- ↑ Katholisch-Soziales Institut (Hrsg.): Der Herausforderung gestellt. Zur Geschichte des Katholisch-Sozialen Instituts. Bad Honnef 1997, ISBN 3-927566-14-4, S. 121.
- ↑ Oliver Schütz: Begegnung von Kirche und Welt. Die Gründung Katholischer Akademien in Deutschland 1945-1975. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70251-3, S. 62.
- ↑ Pressemeldung des Erzbistums Köln vom 23. Januar 2012 Archivierte Kopie ( vom 22. Januar 2013 im Internet Archive)
- ↑ Artikel in der Wochenzeitung "Die Bad Honnefer" über den Umzug [1]
- ↑ BauNetz: Katholisch-Soziales Institut Abtei Michaelsberg, Siegburg | holger meyer architektur, Frankfurt am Main. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ 180316_mipim-2018. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ domradio.de: Mit Kanzlerin und Kardinal. Eröffnung des Katholisch-Sozialen Instituts in Siegburg, 4. Mai 2017.
- ↑ tagen.erzbistum-koeln.de: Über uns, 26. Februar 2019 ( des vom 15. Juli 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 16. Juli 2019.
- ↑ Home KSI Siegburg. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Konflikt um Direktorenposten am Katholisch-Sozialen Institut Siegburg eskaliert. Prorektor der „Kölner Hochschule für Katholische Theologie“ ist möglicher Kandidat für die Stelle. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 16. Juni 2024, abgerufen am 27. August 2025.
- ↑ Andreas Kaul: Langjähriger Direktor Prof. Dr. Ralph Bergold geht in den Ruhestand. André Schröder übernimmt kommissarische Leitung des Katholisch-Sozialen Instituts, 11. September 2024, abgerufen am 27. August 2025.
- ↑ KSI-Beiträge in der nrwision-Mediathek ( des vom 4. März 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Koordinaten: 50° 47′ 44,7″ N, 7° 12′ 37″ O