Kathleen M. Eisenhardt
Kathleen Marie Eisenhardt (* 1947) ist eine US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie hat eine Professur für Managementlehre und Ingenieurwesen an der Stanford University inne und gehört mit über 270.000 Zitationen zu den meistrezipierten Forscherinnen in den Bereichen Strategisches Management und Organisationstheorie weltweit.[1] Eisenhardt ist besonders bekannt für ihre Methodologie zur induktiven Theoriebildung aus Fallstudien („Eisenhardt-Methode“).
Leben und Wirken
Eisenhardt erhielt einen Bachelor in Maschinenbau von der Brown University, einen Master in Informatik von der Naval Postgraduate School und wurde 1982 mit einer Arbeit zur Organisationstheorie von der Stanford Graduate School of Business zum Ph. D. promoviert. Sie lehrt und forscht am Bereich Ingenieurwissenschaften der Stanford University.
Eisenhardt beschäftigt sich mit den Themengebieten der Organisation und Strategie von sich schnell ändernden Märkten und Technologiefirmen aus dem Bereich der Telekommunikation, Software, Computer, Biotechnologie, Internet und der Halbleiterindustrie. Weitere Themen ihrer Forschung sind Mergers & Acquisitions, Synergie, Unternehmertum, Zusammenarbeit und Wettbewerb unter besonderer Berücksichtigung der Komplexitäts-, Evolutions- und Spieltheorie.
Besondere Bekanntheit erlangte Eisenhardt in der betriebswirtschaftlichen Forschung durch ihren Beitrag Building Theories from Case Study Research aus dem Jahr 1989. Der in der Fachzeitschrift Academy of Management Review erschienene Beitrag wurde zum Standard für Fallstudienforschung in der Betriebswirtschaftslehre, bei der das Ziel die Erzeugung von Theorie ist. Rückblickend resümierte sie dazu:
„Als ich „Building Theories from Case Study Research“ schrieb, war ich ein Assistenzprofessorin ohne Festanstellung mit wenigen Veröffentlichungen und ohne Vorstellung davon, was aus diesem Artikel einmal werden würde. Umso erfreulicher ist es nun zu sehen, wie wichtig „Building Theories“ für viele Forscher geworden ist, die ihre eigene Karriere starteten oder ihr Methodenrepertoire erweiterten. Im Laufe der Zeit wurden jedoch Aspekte der Methode missverstanden oder in unpassende Typologien gezwängt. Zugegebenermaßen kann es schwierig sein, von außen zu unterscheiden, was die Methode ist, was die Gutachter wollen und was Forschungsentscheidungen sind. Gleichzeitig hat sich das Verständnis und die Anwendung der Methode mit Hilfe von Herausgebern, Gutachtern und den vielen Wissenschaftlern, die sie anwenden und weiterentwickeln, vertieft und erweitert. Bei der Methode ging es nie um Datentypen, Fallzahlen, Leistung, Varianz (im Gegensatz zum Prozess) und Ähnliches. Vielmehr war ihr Ziel immer die Theoriebildung. Ihre Kernmerkmale sind die Implikationen dieses Ziels, wie offene Forschungsfragen, theoretische Stichproben von Fällen, klar identifizierte Konstrukte und Beziehungen sowie zugrunde liegende theoretische Argumente. Die Eisenhardt-Methode war schon immer ein Ansatz zur Theoriebildung, der gegenüber Alternativen wie theoretischen Überlegungen vom Schreibtisch aus und analytischen Modellen Vorteile bietet und den Theoriebildner in engen und sogar intimen Kontakt mit Phänomenen bringen kann.“
Schriften
- Bücher
- Organisational Control from the Perspective of Agency Theory. A Field Setting Example. Dissertation. Stanford University 1982 (unveröffentlicht).
- mit Shona L. Brown: Competing on the Edge. Strategy as Structured Chaos. Harvard Business School Press, Boston 1998, ISBN 978-0-87584-754-2.
- The Case Study Research Method. Selected Articles by Kathllen M. Eisenhardt. Herausgegeben von der International Association for Chinese Management Research. Peking University Press, Peking 2012, ISBN 978-7-301-20697-3 (chinesisch).
- Donald Sull: Simple Rules. How to Thrive in a Complex World. Houghton Mifflin Harcourt, Boston 2015, ISBN 978-0-544-70520-3.
- Artikel
- Agency Theory. An Assessment and Review. In: Academy of Management Review. Band 14, Nr. 1, Januar 1989, S. 57–74, doi:10.2307/258191.
- Building Theories from Case Study Research. In: Academy of Management Review. Band 14, Nr. 4, Oktober, S. 532–550, doi:10.2307/258557.
- mit Shona L. Brown: The Art of Continuous Change. Linking Complexity Theory and Time-Paced Evolution in Relentlessly Shifting Organizations. In: Administrative Science Quarterly. Band 42, Nr. 1, März 1997, S. 1–34, doi:10.2307/2393807.
- mit Jeffrey A. Martin: Dynamic Capabilities. What Are They? In: Strategic Management Journal. Band 21, Nr. 10–11, Oktober 2000, S. 1105–1121, JSTOR:3094429.
- mit Melissa E. Graebner: Theory Building From Cases. Opportunities And Challenges. In: Academy of Management Journal. Band 50, Nr. 1, Februar 2007, S. 25–32, doi:10.5465/amj.2007.24160888.
Auszeichnungen und Ehrungen
- Gewähltes Mitglied der Academy of Management (1997)
- Eingeladenes Mitglied des World Economic Forum (2001, 2002)
- Ehrendoktor der Hasselt University (2003)
- Gewähltes Mitglied der Strategic Management Society (2007)
- Ehrendoktor der Chalmers University of Technology (2008)
- Ehrendoktor der Aalto University (2010)
- Ehrendoktor der London Business School (2014)
- Korrespondierendes Mitglied der British Academy (2016)
- Ehrendoktor der ESSEC Business School (2018)
- Ehrendoktor der BI Norwegian Business School (2019)
Weblinks
- Persönliche Website von Kathleen M. Eisenhardt auf den Seiten der Stanford University
- Akademischer Lebenslauf von Kathleen M. Eisenhardt auf den Seiten der Stanford University
Einzelnachweise
- ↑ Publikationen von Kathleen M. Eisenhardt bei Google Scholar (Stand: Oktober 2025).
- ↑ Kathleen M. Eisenhardt: What is the Eisenhardt Method, really? In: Strategic Organization. Band 19, Nr. 1, Februar 2021, S. 147–160, hier 156 f., doi:10.1177/1476127020982866 (übersetzt mit DeepL).