Kathleen Ferrier (Politikerin)
Kathleen Gertrud Ferrier (* 8. März 1957 in Paramaribo, Suriname) ist eine niederländische Politikerin des Christen-Democratisch Appèl (CDA) und Menschenrechtsaktivistin. Sie war von 2002 bis 2012 Abgeordnete in der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments. Seit 2019 ist sie Vorsitzende der niederländischen UNESCO-Kommission.
Herkunft
Kathleen Ferrier ist eine Tochter des surinamischen Politikers Johan Ferrier, der Premierminister, später Gouverneur und schließlich erster Staatspräsident seines Landes war. Ihre Mutter Edmé Vas war Lehrerin für Mathematik und Deutsch. Die Schriftstellerin Cynthia McLeod ist ihre ältere Halbschwester. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in den Niederlanden, wo ihr Vater damals im Wissenschaftsministerium arbeitete. Suriname war bis 1975 ein Teil des Königreichs der Niederlande, weshalb es starke Verbindungen zwischen den beiden Ländern gibt.
Ausbildung, Beruf und Ehrenämter
Nach dem Schulbesuch in Paramaribo kam Ferrier 1973 erneut in die Niederlande, um am Atheneum in Leiden das Abitur abzuschließen. Anschließend studierte sie ab 1976 spanische Sprache und Literatur, Portugiesisch sowie Entwicklungszusammenarbeit an der Reichsuniversität Leiden. Von 1981 bis 1984 flog sie jeweils in den Sommerferien als Stewardess bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM. Nach ihrem Doctoraalexamen (entspricht einem Magisterabschluss) in moderner hispano-amerikanischer Literatur 1984 betätigte sie sich bis 1991 als Entwicklungshelferin in Chile und anschließend bis 1994 in São Paulo, Brasilien.[1]
Nach der Rückkehr in die Niederlande arbeitete sie von 1994 bis 2002 als Generalsekretärin von Samen Kerk in Nederland (SKIN), einem Zusammenschluss von Migrantenkirchen in den Niederlanden. Daneben war sie von 1996 bis 1999 Lateinamerika-Sekretärin der Gereformeerde Kerken in Nederland.[1] Sie befasste sich auch ehrenamtlich mit Problemen von Einwanderern hauptsächlich aus Lateinamerika. Durch ihr Engagement und Einsatz war sie in vielen Organisationen an verantwortlicher Stelle tätig, so als
- Sprecherin der Habitat Platform Suriname
- Sprecherin der Jury Projectvoorstellen van Migranten
- Mitglied der Ratskammer MDO der protestantischen Kirche der Niederlande
- Vize-Vorsitzende der CDA
- Mitglied der ZMV (Zwarte Migranten- en Vluchtelingenvrouwen)
Abgeordnete
Ferrier wurde 1999 Parteimitglied des Christen-Democratisch Appèl (CDA). Bei der Parlamentswahl im Mai 2002 stand sie auf Platz 8 der CDA-Kandidatenliste und zog als Abgeordnete in die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments ein. Bei den Parlamentswahlen 2003, 2006 und 2010 wurde ihr Mandat bestätigt. Von 2003 bis 2007 war Ferrier stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Sozial- und Arbeitsangelegenheiten, anschließend bis 2010 stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Volksgesundheit, Wohlfahrt und Sport in der Zweiten Kammer. Als Vertreterin des niederländischen Parlaments gehörte sie von 2007 bis 2012 der Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum und der Parlamentarischen Versammlung der OSZE an. 2012 trat sie nicht mehr zur Wiederwahl an.
Lehrtätigkeit und NGO-Arbeit seit 2014
Nach ihrer politischen Karriere zog Ferrier für fünf Jahre nach Hongkong, wo sie ab 2014 als Dozentin für spanische Sprache und Kultur, ab 2016 auch für Gender and Politics an der Hong Kong Baptist University lehrte. Ab 2016 lehrte sie außerdem als Dozentin für Menschenrechte an der Asian University for Women in Chittagong (Bangladesch).
Zurück in den Niederlanden wurde Ferrier 2019 Mitglied des Helsinki-Komitees der Niederlande, Vorsitzende der nationalen UNESCO-Kommission sowie Mitglied des Beirats des College voor de Rechten van de Mens (Kollegiums für Menschenrechte). Seit Oktober 2022 gehört sie außerdem der unabhängigen Untersuchungskommission zur Rolle des Hauses Oranien-Nassau in der Kolonialgeschichte an.
Familie
Ferrier ist verheiratet mit dem evangelischen Theologen und Pfarrer Tjeerd de Boer und hat zwei erwachsene Söhne.
Weblinks
- Persönliche Website von Kathleen Ferrier
- Drs. K.G. (Kathleen) Ferrier, Parlement & Politiek
- CDA-Webseite von Kathleen Ferrier (archivierte Version vom 1. Juli 2012)
Einzelnachweise
- ↑ a b Kathleen Ferrier, in: Elus d'origine non-européenne aux Pays-Bas, suffrage-universel.be