Katherine Mary Clutterbuck
Katherine Mary Clutterbuck, MBE (* Oktober 1860 in Wiltshire, Australien; † 31. Juli 1946 in Perth, Australien), auch bekannt als Sister Kate, war eine anglikanische Nonne. Sie gründete 1934 in Westaustralien das erste Kinderheim für Kinder mit indigener Abstammung.[1][2]
Leben und Werk
Clutterbuck war die Tochter von Captain Clutterbuck und seiner Frau. Mit 22 Jahren trat sie in den anglikanischen Orden der Kilburn-Schwestern ein und arbeitete 17 Jahre lang in Londoner Suppenküchen und Obdachlosenheimen. Auf ein Hilfegesuch von Bischof Parry hin brachte Sister Kate 1901 eine Gruppe der Kilburn-Schwestern der anglikanischen Kirche zusammen mit 22 englischen Waisenkindern nach Perth. 1903 wurde das Waisenhaus Parkerville in Perth gegründet. Bis 1905 lebten dort 45 Kinder, hauptsächlich obdachlose Säuglinge, in der Obhut der Schwestern. Der Philanthrop Walter Padbury spendete ein neues Steingebäude für die Kinderkrippe, 120 Morgen Land, einen Obstgarten sowie eine Pferdekutsche. Die Kinder wohnten in separaten Häusern, jedes unter der Obhut einer Hausmutter, um ihnen ein familiäres Umfeld zu bieten.[3]
Während ihrer Zeit im Kinderheim Parkerville war Sister Kate für über 800 Mädchen und Jungen wie eine Mutter. Als der Verwaltungsrat 1933 beschloss, dass es Zeit für ihren Ruhestand war, gründete die damals 72-jährige Sister Kate in der Stadt ein Heim für Kinder mit indigener Abstammung. Das Heim, bekannt als „Sister Kates Heim“, bot mit großzügiger Unterstützung von außen über 100 Kindern, darunter auch Angehörigen der Gestohlene Generationen, die von der Regierung gewaltsam aus ihren Familien geholt worden waren, ein Zuhause in kleinen Häusern und Schulbildung. Sister Kate arbeitete weitere 13 Jahre in dem Heim, bis kurz vor ihrem Tod. 1934 wurde sie mit dem MBE ausgezeichnet.[4]
Sister Kate starb 1946 im Alter von 85 Jahren.
Clutterbuck gilt als Pionierin des Cottage-Systems in Westaustralien. Sie leitete eine Gruppe von vier Schwestern, die sich um bis zu 100 Kinder kümmerten. Sie errichtete ein Kinderdorf, das zu einem Vorbild seiner Art wurde. Danach gründete sie ein Heim unabhängig von der Kirche. Ein Großteil der Unterstützung für ihr neues Projekt kam von ehemaligen Bewohnern und Förderern von Parkerville. Auf Anraten des Ministeriums für Angelegenheiten der Aborigines wuchs das Heim von ihrem kleinen Cottage zu einem Kinderheim heran, das eine zentrale Rolle im Assimilationsprogramm des Ministeriums spielte. Obwohl sie maßgeblich an der Wegnahme indigener Kinder beteiligt war, äußerte Clutterbuck nie Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihres Handelns. Spätere Historiker neigten dazu, ihre Mitschuld kritisch zu beurteilen, während diejenigen, die mit ihr lebten oder arbeiteten, ihr gegenüber eher wohlwollend eingestellt waren. Nach ihrem Tod 1946 veröffentlichten viele der Kinder, die unter ihrer Obhut aufgewachsen waren, in der Lokalpresse Nachrufe auf die Frau, die sie als „Mama“ oder „Oma“ kannten.[5][6][7][8]
Literatur
- Margaet Jacobs: White Mother to a Black Race: Settler Colonialism, Maternalism, and the Removal of Indigenous Children in the American West and Australia, 1880–1940. University of Nebraska Press, 2009.
- Vera Whittington: Sister Kate: a life dedicated to children in need of care. University of Western Australia (UWA). Publishing, Nedlands, Western Australia, 1999.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ The University of Melbourne: Clutterbuck, Katherine Mary - Woman - The Encyclopedia of Women and Leadership in Twentieth-Century Australia. Abgerufen am 4. Dezember 2025 (britisches Englisch).
- ↑ MOTHER TO A THOUSAND CHILDREN. In: Sunday Times. Perth, Western Australia 29. September 1935, S. 17 (gov.au [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
- ↑ Karrakatta Historical Walk Trail Three Walking with Western Australian Women. 13. August 2025, abgerufen am 4. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ The University of Melbourne: Clutterbuck, Katherine Mary - Woman - The Encyclopedia of Women and Leadership in Twentieth-Century Australia. Abgerufen am 4. Dezember 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Noël Stewart: Katherine Mary (Kate) Clutterbuck (1861–1946). In: Australian Dictionary of Biography. National Centre of Biography, Australian National University, Canberra (edu.au [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
- ↑ https://slwa.wa.gov.au/pdf/mn/mn501_1000/mn0957srk.pdf
- ↑ Wayback Machine. Archiviert vom am 8. August 2007; abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ inHerit - State Heritage Office. Abgerufen am 4. Dezember 2025.