Kathedrale des Heiligen Geistes (Warschau)

Die Kathedrale des Heiligen Geistes (polnisch: Katedra Świętego Ducha) in Warschau ist seit 1945 die Hauptkirche des Bistums Warschau der Polnisch-Katholischen Kirche. Das im Bezirksstadtteil Ujazdów zum Bezirk Śródmieście gehörende Kirchengebäude liegt an der hier von der Czerniakowska-Straße abzweigenden Szwoleżerów-Straße 2. Das Gebäude diente ursprünglich als Garnisonkirche.

Geschichte

Die Baugeschichte der Kirche war lange umstritten. Einige Fachautoren datierten die Fertigstellung auf das Jahr 1867, als Architekt wird im Architekturatlas von Warschau Teodor Witkowski genannt.[1] Mehrheitlich wird heute ein Bauzeitraum von 1903 bis 1906 und eine Gestaltung nach Plänen von Leonti Nikolajewitsch Benois und Piotr Fedders angenommen. Der Grund für die unterschiedlichen Einschätzungen lag in der Verwechslung mit zwei nahegelegenen und zu einer zaristischen Kasernenanlage gehörenden, russisch-orthodoxen St.-Olga-Kirchen, von denen die erste um die Jahrhundertwende, die zweite 1935 abgerissen wurde.[2][3]

Russische Garnisonkirche

Die Kirche wurde in den Jahren 1903 bis 1906 auf einem Grundstück neben der Kaserne der Kaiserlich Russischen Armee am Łazienki-Park errichtet. Am 4. November 1906 erfolgte die Weihe als russisch-orthodoxe Militärkirche. Sie wurde dem Heiligen Martinian (polnisch: Cerkiew św. Martyniana) gewidmet, dessen Gedenktag auf den 13. Februar (25. Februar nach dem Gregorianischen Kalender) fällt – ein wichtiges Datum in der Geschichte des in der Kaserne stationierten Leibgarde-Ulanenregiments Seiner Majestät (polnisch: Pułk Ułanów Lejb Gwardii Jego Wysokości) – damals Zar Nikolaus II.[4]

Polnische Garnisonkirche

Die Kirche diente der russischen Garnison bis 1915, als sich die Truppen während des Ersten Weltkriegs aus der Stadt zurückzogen. In Folge stand das Gebäude einige Jahre leer.[3] Nach einem Umbau in den 1920er Jahren, bei dem im Wesentlichen eine Kuppel entfernt wurde und der Großteil der ursprünglichen byzantinisch-romanischen Architektur erhalten blieb,[3] wurde das Gebäude der Römisch-Katholischen Kirche übergeben und diente als Garnisonkirche des nach Józef Piłsudski benannten 1. Lanzenregiments (polnisch: 1. Pułk Szwoleżerów Józefa Piłsudskiego), eines leichten Kavallerieregiments der Streitkräfte der Zweiten Polnischen Republik.

Kathedrale der polnisch-katholischen Kirche

Im Jahr 1945 erhielt die Polnisch-Katholische Kirche das Gebäude; seitdem ist es dem Heiligen Geist gewidmet (Katedra Świętego Ducha). Die Kirche dient der Warschauer Diözese der Polnisch-Katholischen Kirche als Kathedrale. Außerdem ist sie die Pfarrkirche der Warschauer Pfarrei zum Heiligen Geist.[3]

In der Kirche wird den Angehörigen des polnischen Lanzenregiments sowie weiterer Gefallener der polnischen Armee gedacht.[5] So findet jährlich am 10. Dezember ein Gedenkgottesdienst für die in verschiedenen Kriegen und bei militärischen Auseinandersetzungen gefallenen Kavalleristen statt.

Im Juni 1981 wurde der Kirche als kulturelles Erbe in das Denkmalregister der Stadt Warschau aufgenommen (Eintrag Nr 1000).[6]

Architektur und Innenausstattung

Das Kirchengebäude wurde in Kreuzform errichtet und ist nach orthodoxer Tradition gen Osten ausgerichtet. Die Architektur des Gebäudes ahmte griechische Tempel aus den ersten Jahrhunderten des Christentums nach. Der Hauptaltar und sein Altarbild stammen aus der Barockzeit. Das Gemälde zeigt Muttergottes von der immerwährenden Hilfe. Die Figuren auf dem Altarbild symbolisieren das Alte und das Neue Testament. Weitere barocke Elemente sind die Figur des auferstandenen Jesus, das Kruzifix und die Kanzel. Von der ursprünglichen Innenausstattung ist der Schmuck an Bögen und Fenstern erhalten. Auf Tafeln in der Kapelle des nationalen Gedenkens (polnisch: Kaplica Pamięci Narodowej) wird der Gefallenen des 1. Lanzenregiments, des Warschauer Aufstands und des Massakers von Katyn im Jahr 1940 gedacht.[5]

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Einzelnachweise

  1. Juliusz A. Chrościcki und Andrzej Rottermund, Architekturatlas von Warschau. Arkay-Verlag, Warschau 1978, S. 207.
  2. Cerkiew pw. św. Olgi, Fundacja Warszawa1939.pl (polnisch, abgerufen am 6. Dezember 2025)
  3. a b c d Ryszard Mączewski: Historia cerkwi bł. Martyniana i św. Olgi na terenie koszar ułańskich i huzarskich przy Łazienkach w Warszawie, Warschau, 2007 (polnisch, warszawa1939.pl PDF), abgerufen am 6. Dezember 2025.
  4. Poświęcenie cerkwi bł. Martyniana, ekartkazwarszawy.pl (polnisch, abgerufen am 6. Dezember 2025)
  5. a b Historia świątyni, Website der Kirchengemeinde - Kathedralpfarrei der Polnisch-Katholischen Kirche, (polnisch, abgerufen am 6. Dezember 2025)
  6. Dziedzictwo Kulturowe, Wykaz Nr 2 - Obiekty indywidualne wpisane do rejestru zabytków, Denkmalschutzregister, 2005 (polnisch, siskom.waw.pl PDF), abgerufen am 6. Dezember 2025.

Koordinaten: 52° 12′ 59″ N, 21° 2′ 42″ O