Kathedrale Sweta Nedelja
Die Kathedrale »Sweta Nedelja« (bulgarisch Катедрален храм »Св. великомъченица Неделя«) ist die Kathedrale des Metropoliten (Erzbischofs) von Sofia der bulgarisch-orthodoxen Kirche in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.
Lage
Die Kathedrale »Sweta Nedelja« befindet sich in der Nähe des Largo-Architekturkomplexes im Zentrum von Sofia auf dem gleichnamigen Platz. Unmittelbar östlich der Kathedrale schließen sich das Sheraton Hotel Sofia, die Kirche »Sweta Petka Samardschijska«, das Zentralkaufhaus Sofia, die Banja-Baschi-Moschee und das Zentrale Mineralbad Sofia (erbaut 1913) mit dem Bad-Platz (площад Бански/Ploschtad Banski) an. Westlich der Kathedrale befindet sich das Theologische Institut der St. Kliment Ohridski-Universität Sofia. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes liegt das Zentralgebäude der Bulbank.
Geschichte und Architektur
Anfänge
Laut dem bulgarischen Kirchenhistoriker Christo Temelski lassen sich die Anfänge der heutigen Kathedrale bis zu einer Familienkapelle zurückverfolgen, die bereits Anfang des 4. Jahrhunderts angelegt wurde.[1][2] Sie war der Hl. Erzmärtyrin Nedelja (bulgarisch Света великомъченица Неделя, griechisch Αγία Κυριακή, deutsch Heilige Dominica) geweiht.[3] Ende des 4. Jahrhunderts erfolgte die Umwandlung der Kapelle in eine allgemein zugängliche Stadtkirche. Während der Regierungszeit der Asseniden (1187–1280) erfuhr der Bau eine Erweiterung.[1]
14. bis 18. Jahrhundert
Ob die Kirche bei der Invasion der Osmanen Ende des 14. Jahrhunderts Schaden nahm oder sogar der Zerstörung anheim fiel, ist nicht bekannt. Quellen belegen hingegen, dass das Gotteshaus nach dem Aufstand von Tschiprowzi (1688) niedergebrannt wurde. Durch Initiative zweier Mönche vom Berg Athos sowie der Sofioter Zünfte konnte der Wiederaufbau 1698 abgeschlossen werden. Gleichzeitig wurde die Kirche zur Kathedrale der Diözese Sofia erhoben. Auch die Reliquien des heiliggesprochenen serbischen Königs Stefan Uroš II. Milutin fanden hier Anfang des 18. Jahrhunderts ihre Ruhestätte.[3][4] Wie in der damaligen Zeit üblich, war das Kirchengebäude als Holzkonstruktion über einem steinernen Fundament ausgeführt.[1] Der Innenraum war teilweise in den Boden eingelassen. Der Grund dafür liegt darin, dass zur Bauzeit eine Kirche einen osmanischen Soldaten zu Pferde nicht überragen durfte.
19. Jahrhundert
Der Verfall der Bausubstanz machte mehrfach Reparaturen erforderlich. So wurde zwischen dem 3. August und Ende November 1820 eine Neugestaltung des Gebäudes vorgenommen.[1] 25 Jahre später befand sich die Kirche, nach Aussagen des russischen Slawisten und Reisenden Wiktor Iwanowitsch Grigorowitsch, jedoch wieder in einen beklagenswerten Zustand.[3]
In den frühen 1850er Jahren entschieden das Bistum Sofia und die Kirchgemeinde, ein neues und würdiges Gotteshaus errichten zu lassen. Nach dem Krimkrieg wurde von Sultan Abdülmecid I. das Hatt-ı humayun von 1856 erlassen, ein Reformgesetz, das der christlichen Bevölkerung erweiterte Rechte und Freiheiten zubilligte. Dies schloss auch das Recht zur Errichtung neuer Kirchen ein.
Als Baumeister konnte Petăr Kazow (bulgarisch Петър Казов, vormals türkisch Peter Kazooğlu[5]) aus Peschtera gewonnen werden.[3] Am 25. April 1856 begann der Abriss der alten Kirche. Im Sommer desselben Jahres wurde mit dem Bau einer dreischiffigen Kirche mit drei Apsidien angefangen. Noch vor der Fertigstellung trug das Gebäude 1858 bei einem Erdbeben schwere Schäden davon. Nachdem 1860 Vorwürfe der Veruntreuung von Spendengeldern aufkamen und die Mittel aufgebraucht waren, musste Meister Petăr Kazow die Arbeiten einstellen und den Rohbau mit einem temporären Satteldach sichern.[3]
Im Frühjahr 1863 beschloss der Kirchenvorstand die Fertigstellung der Kathedrale. Vermutlich war Petăr Kazow an einer weiteren Zusammenarbeit nicht mehr interessiert, so dass ein Vertrag mit dem Baumeister Iwan Ch. Bojanin (Иван Хр. Боянин) aus Brazigowo geschlossen wurde.[3] Nach Rückbau des provisorischen Dachs erhöhte Meister Iwan die Wände um einige Meter und gestaltete ein Dach mit drei gleichhohen Kuppeln, die auf durchfensterten Tambouren ruhten. Auf der Westseite fügte er zwei kleine Glockentürme hinzu. Außerdem ließ er eine äußere Vorhalle (Exonarthex) anlegen. Der Ikonostas wurde zwischen 1863 und 1865 durch Anton Stanischew (Антон Станишев) geschnitzt. Ein Teil der Ikonen stammt vom bekannten Künstler der Bulgarischen Wiedergeburt, Stanislaw Dospewski. Die Weihe der Kirche konnte am 11. Mai 1867, dem Gedenktag des Hl. Demetrius, gefeiert werden.[1][3][4]
Während der Zeit der russischen provisorischen Verwaltung für Bulgarien (1877–1879) stiftete Fürst Alexander Michailowitsch Dondukow-Korsakow der Kathedrale acht Glocken unterschiedlicher Größe. Da die Glockentürme diese nicht aufnehmen konnten, wurde im südlichen Teil des Hofs ein Glockenstuhl errichtet.[6] Dessen Weihe erfolgte am 9. Mai 1879.[3]
20. Jahrhundert
Am 4. Mai 1878 erhielt Václav Kolář die Ernennung zum Chefarchitekten der Stadt Sofia.[7] Seine Aufgabe war es, Sofia von einer orientalischen Kleinstadt in eine moderne europäische Hauptstadt umzugestalten.[8] Im Zusammenhang mit den zu erwartenden tiefgreifenden Veränderungen im Stadtbild traf der Kirchenvorstand die Entscheidung, der Kathedrale ein repräsentativeres Gepräge zu verleihen. Er vergab 1898 den Auftrag zur Umgestaltung des Kirchengebäudes an das neu gegründete Architekturbüro von Nikola Lazarow. Lazarow legte einen Entwurf vor, in dem Elemente der Nationalromantik und der Neobyzantinik kombiniert wurden.[9] Er ließ die weißen Fassaden optisch mit Längsstreifen aus roten Ziegelsteinen auflockern und die drei bestehenden Kuppeln durch eine Zentral- und vier Nebenkuppeln ersetzen.[1] Zusätzlich ergänzte Nikola Lazarow die Kirche an ihrer Westseite um einen repräsentativen Glockenturm mit einem Geläut aus elf Glocken. Die größte unter ihnen hat eine Masse von 1700 kg.[10] Ferner ließ er die Terrasse, auf der die Kirche steht, befestigen und über Freitreppen zugänglich machen.[3] Die Arbeiten konnten 1901 abgeschlossen werden. Der Kirchenvorstand gab zudem einen neuen Ikonostas in Auftrag. Dieser wurde von Ivan Travnitzki angefertigt, der als Dozent an der Sofioter Kunstschule tätig war. Er erstellte auch den Bischofs- und den Zarenthron, die beide bis heute in der Kirche erhalten sind.[1]
Die Kathedrale erlitt beim Bombenanschlag vom 16. April 1925 schwere Schäden. Das Attentat wurde von Mitgliedern des linksextremen Flügels der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP), der sog. Militärorganisation (Военна организация на БКП), vorbereitet und ausgeführt.[1] Ziel war es, Zar Boris III., den Ministerpräsidenten Aleksandar Zankow sowie eine Reihe von Funktionsträgern aus Militär und Verwaltung auszuschalten.[11] Während des Trauergottesdienstes für den ermordeten General Konstantin Georgiew wurde ein in der Hauptkuppel deponierter Sprengsatz gezündet. Durch herabstürzende Trümmer kamen 193 Menschen ums Leben und ca. 500 trugen Verletzungen davon.[3] Eine Gedenkplakette an der Kirchenfassade erinnert an das Attentat.
Für den Wiederaufbau wurde ein Wettbewerb ausgerichtet. Gewinner waren die Architekten Iwan Wassiljow (Иван Васильов) und Dimităr Zolow (Димитър Цолов). Ihr Entwurf umfasste ein Kirchengebäude im Stil der Neobyzantinik mit einem großen, von einer Zentralkuppel überwölbten Gemeinderaum (Naos).[3] Die Form der Kuppel und des durchfensterten Tambours stellt eine Homage an die Hagia Sophia in Istanbul dar.[10] Im Westen schließt sich an den Naos ein Querriegel mit der inneren Vorhalle (Esonarthex) an. Esonarthex und Naos sind von einer äußeren Vorhalle umgeben. Über dem Haupteingang erhebt sich der Glockenturm. In Richtung Osten ist der Altarbereich durch einen Querriegel in Größe der inneren Vorhalle erweitert. Auf ihn folgt die Altarapsis. Der Hauptaltar ist der Hl. Nedelja geweiht. Nördlich daneben liegt der Altar des Erzengels Michael. Südlich schließt sich der Altar des Heiligen Stephanus an. Dort befindet sich auch der Schrein mit den Reliquien des Hl. Stefan Uroš II. Milutin.[3] Beginn der Bauarbeiten war im Juli 1927. Am 7. April 1933 konnte die wiederhergestellte Kathedrale konsekriert werden.[12]
Bei der Bombardierung Sofias zwischen Januar und April 1944 wurde das Dach der Kirche sowie das des Exonarthex beschädigt. Die Reparaturen erfolgten sukzessive bis 1948.[3]
Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des bulgarischen Professors Nikolaj Ewgeniew Rostowzew (Николай Евгениев Ростовцев) übernahm in den Jahren 1971 bis 1973 die Ausschmückung des Kircheninnenraums mit Fresken.[1] Mitglieder der Gruppe waren Karl Jordanow (Карл Йорданов), der Künstler Georgiew und seine Söhne Kostadin und Nikola sowie Dimităr Bakalski (Димитър Бакалски). Auf der Nord- und Südwand des Gemeinderaums sind Heilige der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche als auch anderer orthodoxer Kirchen dargestellt.[3]
21. Jahrhundert
In einem städtebaulichen Wettbewerb evaluierte 2020 eine internationale Jury Ideen, das Umfeld der Kathedrale von einem Verkehrsknotenpunkt in einen lebendigen Stadtbereich umzuwandeln.[13]
Name
Der Ursprung des Namens Sveta Nedelja ist nicht vollständig geklärt. Die Kirche wurde vom deutschen Reisenden Stephan Gerlach im Jahr 1578 unter mehreren Namen erwähnt, darunter „Kirche des Herrn“ und „Kirche Jesu Christi“, vor allem aber unter dem griechischen Namen „Kyriaki“ (Κυριακή), dem griechischen Wort für Kirche, was wörtlich „dem Herrn (Christus) zugehörig“ bedeutet. Vermutlich ist der Bezug zu St. Dominica zutreffend, da ihr bulgarischer Name Nedelja lautet.[14]
Daneben wird Kyriaki aber auch mit einer christlichen Märtyrerin aus dem dritten Jahrhundert, der Heiligen Cyriacia (Кириакия)[15] in Verbindung gebracht.[14]
Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg (1877–1878) nannte Bischof Meletius die Kirche - als Referenz gegenüber russischen und serbischen diplomatischen Vertretern - »Heiliger König« (»Свети Крал«). Dieser Alternativname blieb bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Gebrauch.[4]
Gedenktage
Das Patronatsfest der Kathedrale ist der Gedenktag der Hl. Nedelja am 7. Juli. Daneben wird jeweils am 30. Oktober der Gedenktag des Hl. Stefan Uroš II. Milutin begangen. Am Vorabend werden die Reliquien in einer feierlichen Prozession durch die Kirche getragen. An der Feier nehmen regelmäßig viele Pilger aus Serbien teil.[2]
Literatur
- Българска банка за развитие (Изд.)/Bulgarian Development Bank (Hrsg.): Как София се превръщаше в Европейски Град/How Sofia was transforming into an European city. 64 S., Българска банка за развитие/Bulgarian Development Bank, Sofia 2018.
- Николай Георгиев (Nikolaj Georgiew): Свети крал Стефан Милутин и митрополитският катедрален храм „Св. вмчца Неделя“ (bulgarisch, Übersetzung: Hl. Stefan Milutin und die Kathedrale „Hl. Erzmärtyrin Nedelja“), Епархийски глас, 2021, 3, S. 51–54, Sofia 2021. PDF
- Александър Петличков (Aleksandăr Petlitschkow): Конкурсът за Площад „Света Неделя” (bulgarisch, Übersetzung: Der Wettbewerb um den Platz „Sweta Nedelja”), Архитектура, 67, 1-2, S. 53-63, Sofia 2020.
- Stela Tasheva (2019): The City and the Cult Buildings. In: Ingeborg Bratoeva-Darakchieva, Irina Genova, Clairе Levy, Joanna Spassova-Dikova, Teodora Stoilova-Doncheva, Stela Tasheva & Elka Traykova: Bulgarian 20th Century in Arts and Culture. S. 62-67, Institute of Art Studies, Sofia 2019, ISBN 978-954-8594-77-6.
- Христо Темелски (Christo Temelski): Софийският Катедрален Храм “Света Неделя” (bulgarisch, Übersetzung: Die Sofioter Kathedrale “Heilige Nedelja”), Църковен Вестник, 104, 13, S. 8, Sofia 2004. PDF
- Христо Темелски (Christo Temelski): Софийският Катедрален Храм “Света Неделя” през ХІХ и първите десетилетия на ХХ в. (bulgarisch, Übersetzung: Die Sofioter Kathedrale “Heilige Nedelja” im 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts), In: Румяна Радкова, Стефан Дойнов & Илия Тодев (Изд.) (Rumjana Radkowa, Stefan Dojnow & Ilija Todew (Hrsg.)): Сборник в чест на 70-годишнината на академик Константин Косев, S. 315–333, Академично издателство „Проф. Марин Дринов“, Sofia 2009, ISBN 978-954-3222-77-3. PDF
Weblinks
- Offizielle Website (bulgarisch)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i Swetlana Dimitrowa: Religiöse Perlen Sofias: Die Kathedrale „Heilige Nedelja“ (old-news.bnr.bg, 2019)
- ↑ a b Novak Lukovac: Srpska Svetinja Ponos Sofije: Bugarska crkva čuva i slavi čudotvorne mošti Svetog kralja Milutina! (Foto) (serbiantimes.info, 2020; serbisch, Übersetzung: Serbischer Heiliger Stolz in Sofia: Die bulgarische Kirche bewahrt und feiert die wundertätigen Reliquien des Heiligen Königs Milutin! (Fotos))
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Christo Temelski, 2009, S. 315–333
- ↑ a b c Nikolaj Georgiew, 2021, S. 51–54
- ↑ "Св. Димитър“ - гр. Пещера (svetimesta.com; bulgarisch, Übersetzung: "Hl. Dimităr - Peschtera)
- ↑ Предшествениците на храма "Света Неделя" ("Свети Крал") (www.stara-sofia.com; bulgarisch, Übersetzung: Die Vorgänger der Kirche St. Nedelja ("St. König"))
- ↑ Симеон Янев (Simeon Janew): Изложба показва всички проектирани сгради на архитект Антонин Колар (news.bg, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Eine Ausstellung zeigt alle entworfenen Gebäude des Architekten Antonin Kolář)
- ↑ Bulgarian Development Bank, 2018, S. 2–13
- ↑ Stela Tasheva, 2019, S. 65
- ↑ a b Св. Неделя (www.hramove.bg, 2010; bulgarisch, Übersetzung: Hl. Nedelja)
- ↑ Sven-Felix Kellerhoff: Der mörderische Verrat war elfmal hundert Gramm Silber wert (www.welt.de, 2025)
- ↑ Aleksandăr Petlitschkow, 2020, S. 53–54
- ↑ Aleksandăr Petlitschkow, 2020, S. 53–63
- ↑ a b Christo Temelski, 2004, S. 8
- ↑ Vgl. die im deutschen Sprachraum verbreitete männliche Namensform Cyriacus
Koordinaten: 42° 41′ 48,4″ N, 23° 19′ 17,6″ O