Katharinentaler Senke
Die Katharinentaler Senke ist eines der größten oberirdisch abflusslosen Gebiete Deutschlands. Die Senke liegt im Norden der baden-württembergischen Stadt Pforzheim und im angrenzenden Enzkreis. Sie gehört zur verkarsteten Hochfläche der Bauschlotter Platte, die im Süden des Kraichgaus liegt. Niederschläge in der Senke versickern in der Fläche oder in Schwinden und fließen über die verkarsteten Schichten ab.
Namensgebend ist das Hofgut Katharinentaler Hof mit Gebäuden des Architekten Friedrich Weinbrenner, das unweit der tiefsten Stelle der Senke liegt. Der Name Katharinentaler Senke ist jüngeren Datums; in den umliegenden Orten wurde der zentrale Bereich der Senke noch um 1800 Neulinger Tal genannt.[1.1]
Geographie
Der zentrale Bereich der 10,6 km²[2.1] großen Katharinentaler Senke liegt im Norden Pforzheims beidseits der Bundesstraße 294 nach Bretten. In der flachwelligen Landschaft breitet sich eine Ebene aus, die zum Ackerbau genutzt wird. In diesem Bereich steht Lösslehm an, was die Böden sehr fruchtbar macht, so dass sie zur höchsten Bodenwertstufe gehören. Am Rand der Senke liegen unter anderem Streuobstwiesen. Zwei bewaldete Höhenzüge, der Neulinger Berg (365 m ü. NN) im Norden und der Hohberg (378 m ü. NN) im Süden, rahmen die Senke. Der zentrale Bereich ist vor allem im Südosten von mehreren Teilsenken umgeben. Durch den Südosten verläuft die Bundesautobahn 8 (Karlsruhe–Stuttgart). Im Umfeld der Autobahn liegen die Pforzheimer Gewerbegebiete Hohenäcker und Buchbusch.
Die tiefste Stelle der Katharinentaler Senke wird von der Schwinde Fuchsloch (317 m ü. NN) östlich des Katharinentaler Hofes markiert, in der bei stärkeren Niederschlägen Wasser versickert. Zum Fuchsloch führt ein Entwässerungsgraben, der sich im Südosten der Senke in mehrere Arme auffächert. Eine weitere Schwinde, das Grabenlöchle, liegt nördlich des Fuchslochs und ist Endpunkt eines von Nordwesten kommenden Grabens. Ohne die Entwässerung in der Fläche und über die Schwinden würde sich ein rund 4 km² großer See mit einer mittleren Tiefe von 3 Metern und einem Wasserspiegel von circa 327 m ü. NN bilden, der im Osten über den Igelsbach zur Enz entwässert.[1.2] Im Amtlichen Digitalen Wasserwirtschaftlichen Gewässernetz (AWGN) wird die Katharinentaler Senke dem Einzugsgebiet des Igelsbachs zugeschlagen, angrenzende Einzugsgebiete sind die zum Neckar fließende Enz im Süden, im Westen der Kämpfelbach mit mehreren Zuflüssen, der über die Pfinz zum Rhein entwässert, sowie im Norden der Enz-Zufluss Schlupfgraben.[3.1]
In der Biotopkartierung sind drei Tümpel erfasst: Zwei bei der Flurbereinigung künstlich angelegte, auch als Hüle bezeichnete Tümpel südlich[3.2] und südwestlich[3.3] des Aussiedlerhofs Ispringer Schafhof, die beide über einer Doline liegen. Ein dritter, kleiner Tümpel ist im Norden im Gewann Brunnen.[3.4] Am Neulinger Hof liegt der frühere Straßenbrunnen Brunnenkästle, eine öffentliche, gefasste Quelle, deren Wasser nach kurzem Lauf versickert.[4.1]
Wegen der schwierigen Wasserversorgung konnte nie eine größere Siedlung in der Senke entstehen. Im zentralen Bereich liegen das Hofgut Katharinenataler Hof und zwei Aussiedlerhöfe, der Neulinger Hof im Norden und der Ispringer Schafhof im Westen. Die Gemarkungen der Gemeinden Ispringen im Westen, Eisingen (Baden) im Nordwesten, Göbrichen (zu Neulingen) im Norden, Kieselbronn im Nordosten sowie Eutingen an der Enz (zu Pforzheim) und Pforzheim im Süden umfassen Teilflächen der Senke.[1.1]
Randbereiche der Senke gehören zu vier Landschaftsschutzgebieten: Eisinger Gäulandschaft im Nordwesten, Gengenbachtal und Dolinenlandschaft südlich Göbrichen im Norden, Kieselbronner Streuobst- und Dolinengebiet im Osten sowie das Landschaftsschutzgebiet für den Stadtkreis Pforzheim im Süden.[3.5]
Mit dem Enzenloch gibt es auf der Bauschlotter Platte eine weitere 3,1 km² große abflusslose Senke. Das Gewerbegebiet Wilferdinger Höhe an der Autobahnanschlussstelle Pforzheim-West liegt im Enzenloch, dessen befestigte Flächen über die Pforzheimer Kanalisation entwässert werden.[2.2]
Geologie
Die Katharinentaler Senke gehört zu dem Teil des Südwestdeutschen Stufenlandes, in dem Sedimentgesteine des Trias zutage treten. Im angrenzenden Enztal streicht der Obere Buntsandstein aus. Er wird überlagert vom Muschelkalk; Unterer und Mittlerer Muschelkalk stehen nur in den Tälern an, die Hochfläche der Bauschlotter Platte mit der Katharinentaler Senke ist aus dem Oberen Muschelkalk aufgebaut. Er wird im Norden der Senke vom Lettenkeuper (Erfurt-Formation) überlagert.[5.1] Aus dem Lettenkeuper treten, meist oberhalb stauender Mergelschichten, kleinere Quellen wie das Brunnenkästle aus. Ihre Schüttung ist gering, aber relativ konstant. Vor allem in den Mulden der Hochfläche hat sich Lösslehm abgelagert. Nach geoelektrischen Untersuchungen erreicht der Lösslehm in der Katharinentaler Senke eine Mächtigkeit von fast 30 Metern.
Schichten des Mittleren und Oberen Muschelkalks sind verkarstet. Die unterlagernden Steinsalz- und Gipsschichten sind, wie aus dem Sulfatgehalt umliegender Quellen geschlossen wird, weitgehend ausgelaugt. Dadurch hat sich die Mächtigkeit des Mittleren Muschelkalks von rund 100 auf 35 bis 50 Meter reduziert. Der Obere Muschelkalk ist bis zu 80 Meter mächtig.
Durch den Einbruch des Oberrheingrabens hat sich im Tertiär der Schwarzwald herausgehoben, der Kraichgau sank hingegen ab. Dadurch fallen die Schichten im Bereich der Bauschlotter Platte mit 1,7 Prozent nach Norden bis Nordwesten ein. Das Schichteinfallen wird von Satteln und Mulden unterbrochen. Einer dieser Mulden wird die Entstehung der Katharinentaler Senke zugeschrieben: In der Einmuldung sammelte sich Wasser, das versickerte und die Salz- und Gipsschichten auslaugte. Dadurch vertiefte sich die Senke weiter. Später wurde die Senke teilweise mit Lösslehm aufgefüllt.[2.3]
In geologischen Veröffentlichungen wird die Katharinentaler Senke unterschiedlich eingeordnet: Unter Verweis auf eine mündliche Mitteilung von Wolf Dieter Blümel hielt László Trunkó es 1984 für wahrscheinlich, dass es sich um ein Polje handelt.[6.1] Gudrun Tenhaeff und Werner Käß bezeichneten 1987 Enzloch und Katharinentaler Senke als Karstwannen und ergänzten zur Senke am Katharinentaler Hof, dass die Senke größer als die eigentliche Karstwanne sei.[2.2] Gerhard H. Eisbacher und Werner Fielitz ordneten die Katharinentaler Senke 2010 als ovale Lösungswanne mit nach Nordwesten orientierter Längsachse ein. Sie verwiesen darauf, dass auf der Bauschlotter Platte andere Strukturen wie Dolinenzonen und Trockentäler ebenfalls nach Nordwesten orientiert seien.[7.1]
Die Verkarstung macht sich durch zahlreiche Dolinen vor allem im Norden der Senke bemerkbar.[5.2] Die beiden bekanntesten Dolinen der Bauschlotter Platte, das Neue und Alte Eisinger Loch, liegen im äußersten Norden der Senke. In einem Waldgebiet im Nordosten liegen Reihen von Dolinen, die sich zum Teil in der Senke befinden.[3.6] Um die Bestellung der Felder zu erleichtern, füllen Landwirte Dolinen häufig auf. Nicht immer stellt sich bleibender Erfolg ein, wie der Dolinennamen Geiriges Loch (hochdeutsch „Gieriges Loch“) zeigt.[1.3]
In Randbereichen der Senke gibt es die von der Schwäbischen Alb bekannten steinigen Äcker, die mit beim Pflügen herausgerissenen Gesteinsbrocken bedeckt sind. Hierauf verweist der Gewannname Steinäcker im Norden der Senke.[8.1] Im Westen liegt knapp außerhalb der Senke das Gewann Steinig; dort sind von Feldgehölzen überwachsene Leseriegel erhalten.[3.7]
Geschichte
Frühe Nutzung
Wegen des fruchtbaren Bodens wurde die Katharinentaler Senke schon früh gerodet und besiedelt.[8.2] 2015 wurden beim Bau einer Gasleitung zwei Siedlungen aus der Jungsteinzeit entdeckt. Südwestlich des Katharinentaler Hofs wurden zahlreiche Vorratsgruben, Hinweise auf eine Holzbauweise, Steinwerkzeuge zum Zerkleinern von Getreide sowie Keramikscherben gefunden; letztere hatten Verzierungen, wie sie für die Schwieberdinger Gruppe (um 4300 v. Chr.) typisch sind.[9.1] Die zweite Siedlung liegt am Ostrand der Senke; hier wurde ein Gefäß geborgen, das der Michelsberger Kultur (etwa 4400 bis 3500 v. Chr.) zugeordnet wird.[9.2] In der Römerzeit lag am Nordwestrand der Senke eine Villa rustica, die eine Fläche von mindestens 150 Meter Länge und 120 Meter Breite einnahm; die Hauptfront des Hauptgebäudes war fast 50 Meter lang.[9.3]
Im Mittelalter gehörte die Katharinentaler Senke zum Dorf Neulingen (auch Nidlingen, Nidelingen, Nydlingen oder Neidlingen), das nördlich des Neulinger Bergs im Bereich des heutigen Naturschutzgebietes Neulinger Dolinen lag. Das Dorf wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnt, dürfte aber deutlich älter sein. In seiner Blütezeit zwischen 1150 und 1250 war Neulingen mit rund 350 Einwohnern eines der größeren Dörfer der Region. Vermutlich wurde Neulingen 1367 bei einem Rachefeldzug des Schleglerbundes gegen den Grafen von Württemberg weitgehend zerstört. Anfang des 15. Jahrhunderts noch teilweise bewohnt, wurde Neulingen um 1450 zur Wüstung.[8.3] Die Neulinger Gemarkung wurde auf die umliegenden Orte aufgeteilt.[1.1] Die im Zuge der Gemeindereform der 1970er Jahre neu gebildete Gemeinde Neulingen übernahm den Namen des untergegangenen Dorfes.
Um die landwirtschaftliche Nutzung zu erleichtern, entstand ab dem Mittelalter das System der heutigen Entwässerungsgräben, die stärkere Niederschläge zu den Schwinden Fuchsloch und Grabenlöchle leiten. Zuvor versickerten die Niederschläge eher dezentral in den zahlreichen Dolinen der Senke.[1.4]
Katharinentaler Hof
Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und des Pfälzer Erbfolgekrieges (1688–1697) lagen viele Äcker brach. Der Markgraf von Baden, Friedrich Magnus von Baden, zog das Land als vorgeblich herrenloses Gut ein, die vormaligen Besitzer aus Göbrichen wurden entschädigt. Zwei Bittbriefe von Bürgern aus Göbrichen, in denen darauf verwiesen wurde, dass man auf die fruchtbaren Äcker angewiesen sei, blieben erfolglos. Der Markgraf schenkte das Land seiner Schwester Catharina Barbara. Das 1706 gegründete Heumaden-Gut wurde 1733 nach dem Tod der Besitzerin in Gut Catharinen-Thal umbenannt. Das Gut wurde verpachtet, es wurden Ackerbau und Viehzucht, vor allem mit Schafen, betrieben. Am 30. Dezember 1804 brannte das Gut fast vollständig ab. Die damalige Besitzerin, Luise Karoline von Hochberg, die zweite Frau des Großherzogs Karl Friedrich von Baden, beauftragte Friedrich Weinbrenner mit dem Wiederaufbau.[8.4][4.2]
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Älteres Fachwerkgebäude
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Verwaltungsgebäude
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Nördliches Stallgebäude
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Blick auf den Hof von Nordwesten
Weinbrenner entwarf eine klassizistische Vierseitanlage. Am Zugangsweg liegt der Verwaltungsbau, der beim Bau 1808/1809 deutlich einfacher realisiert wurde, als es der Entwurf Weinbrenners vorsah. Im Westen wurde eine große Scheune gebaut; an den Längsseiten entstanden Stallbauten mit vortretenden Mitteltrakten. Außerhalb der Hofanlage liegt am Weg ein Fachwerkbau mit seitlichen Anbauten, der aus der älteren Hofanlage stammt.[10.1]
Für den Kunsthistoriker Ulrich Maximilian Schumann unterscheidet sich Katharinental als „abgelegener Gutshof […] nicht grundsätzlich in Komposition, Stil und Ornamentik“ von anderen Bauten Weinbrenners wie dem Bad Hub und dem Konversationshaus in Baden-Baden. Katharinental sei ein Ort gesellschaftlicher Repräsentation im ländlichen, letztere beiden im städtischen Umfeld.[11.1]
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten zahlreiche Missernten zu einem häufigen Wechsel der Pächter, die alle zahlungsunfähig wurden. Nach der Novemberrevolution und der Abdankung des Großherzogs wurde das Gut ab 1923 von der Badischen Landwirtschaftskammer als Musterbetrieb bewirtschaftet. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde das Gut 1933 wieder vom Haus Baden übernommen.[4.3] 1992 kaufte die Stadt Pforzheim den Hof und die zugehörigen, 150 Hektar großen landwirtschaftlichen Flächen. Der Hof wird heute von der Künstlergilde Buslat für Kunstausstellungen genutzt.[8.5]
Stadtrand von Pforzheim
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich Teile der Katharinentaler Senke zu einem stark zersiedelten Vorortbereich der Stadt Pforzheim. Im Süden der Senke entstand eine Mülldeponie am Hohberg, für die die Stadt um 1971 Flächen des Hofguts erwarb.[4.4] Auf der Deponie wurde auch Industrieschlamm abgelagert.[2.4] Mittlerweile ist die Deponie stillgelegt, abgedichtet und teilweise mit einer Photovoltaikanlage versehen. Neben der Deponie entstand eine Biogasanlage.[8.6]
Ende der 1960er Jahre war die Katharinentaler Senke einer der Orte, die für eine mögliche Verlegung des Stuttgarter Flughafens infrage kamen. Vor Ort bildete sich eine Kommunale Arbeitsgemeinschaft, die die Pläne ablehnte. Diese wurden aufgegeben, da es in der Senke häufig neblig ist. Nach dem Kauf des Katharinentaler Hofs durch die Stadt bestanden Pläne für einen großflächigen Lehmabbau, eine Biokompostieranlage, eine Müllverbrennungsanlage sowie ein großes Gewerbegebiet. Im März 1992 protestierten mehrere Hundert Menschen gegen die Pläne.[8.7]
Heinrich Tölke, der Autor des Göbricher Heimatbuchs, beklagte Anfang der 1990er Jahre, dass in den 20 Jahren zuvor vor allem um den Katharinentaler Hof alle Bäume, Sträucher, Hecken, Wassergräben und Sickerlöcher ausgeräumt wurden, um eine industriemäßige Landwirtschaft betreiben zu können.[4.5] Ende der 1990er Jahre ließ die Stadt Pforzheim auf den Grundstücken des Katharinentaler Hofs Obstbaumreihen und Hecken anpflanzen. Die Maßnahme war Teil einer Biotopvernetzung auf der Bauschlotter Platte und sollte auch dem Windschutz dienen.[8.8]
Die heutige Bundesautobahn 8 führt seit Herbst 1938 durch den Südosten der Katharinentaler Senke. Im Spätjahr 1939 konnte die Autobahn zwischen Karlsruhe und Stuttgart durchgehend befahren werden, nachdem eine der beiden Talbrücken bei Ispringen fertiggestellt worden war.[12.1] Die Anschlussstelle Pforzheim-Nord zur Bundesstraße 294 wurde um das Jahr 2000 gebaut. Im Umfeld der Anschlussstelle wurde Mitte der 1990er Jahre das Gewerbegebiet Hohenäcker südlich der Autobahn erschlossen. 2000 leitete der Pforzheimer Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren für das über 50 Hektar große Gewerbegebiet Buchbusch nördlich der Autobahn ein. Die Pläne stießen auf Proteste, wobei auf die hohe Fruchtbarkeit der wegfallenden landwirtschaftlichen Flächen, die Bedeutung der Flächen für die Kaltluftproduktion und die Naherholung sowie die wasserwirtschaftliche Problematik verwiesen wurde. 2012 errichtete Amazon ein Logistikzentrum im Buchbusch.[8.9]
Wasserwirtschaft
Aus wasserwirtschaftlicher Sicht sind Karstgebiete problematisch, da – im Vergleich zu Grundwasser in Lockergesteinen – die Fließgeschwindigkeit in Karstgrundwasserleitern wesentlich höher sein kann; auch tragen Kalksteine kaum zur Reinigung des Wassers bei. Damit besteht die Gefahr, dass Wasserverunreinigungen auch zu weiter entfernten Quellen und Brunnen gelangen. Nach Angaben von 1987 versickerte Abwasser innerhalb der Senke. Sickerwasser der Mülldeponie am Hohberg wurde gesammelt und abtransportiert, war aber anfänglich zum Fuchsloch geflossen.[2.5] Auch von den durch die Senke führenden Straßen und der intensiven Landwirtschaft konnten Verunreinigungen ausgehen.[1.5]
Um das Einzugsgebiet von Brunnen und Quellen abgrenzen zu können, wurden in den 1960er und 1970er Jahren auf der Bauschlotter Platte mehrere Markierungsversuche durchgeführt, darunter 1977 ein gemeinsamer Großversuch des Geologischen Landesamtes und der Universität Karlsruhe.[2.6] Bei vier Versuchen erfolgte die Tracereingabe an Schwinden der Katharinentaler Senke und ihrer näheren Umgebung:
- Beim Versuch am Fuchsloch erfolgte der Hauptaustritt im Enzbrunnen, einer 10 Kilometer entfernten Karstquelle im Salzachtal südlich von Bretten. Die maximale Abstandsgeschwindigkeit betrug 185 Meter pro Stunde. Nebenaustritte wurden nachgewiesen in einem Tiefbrunnen der Stadt Bretten unweit des Enzbrunnens, in der Kämpfelbachquelle in Ispringen, sowie in einem Tiefbrunnen, der südlich des Fuchslochs in der Katharinentaler Senke liegt.[2.7]
- Bei einem Versuch an einer Schwinde im Gewann Striet südlich von Göbrichen erfolgte der Hauptaustritt ebenfalls im Enzbrunnen; Nebenaustritte wurden am Tiefbrunnen der Stadt Bretten, einem Tiefbrunnen bei Ruit, zwei Brunnen bei Eisingen und einer gefassten Quelle bei Stein festgestellt.[2.8]
- Ein von einem Wasserversorger durchgeführter, nur spärlich dokumentierter Versuch an einer Doline östlich der Bundesstraße 294 ergab Verbindungen zum Enzbrunnen und zum Schlupfgraben westlich von Enzberg.[2.9]
- Ein Versuch an einer Schwinde im heutigen Naturschutzgebiet Neulinger Dolinen führte zu Austritten am Enzbrunnen und an der Igelsbachquelle bei Eutingen. Spurenaustritte konnten in zwei Tiefbrunnen bei Bretten und einem Tiefbrunnen östlich von Nußbaum nachgewiesen werden.[2.10]
Die Markierungsversuche zeigten auf, dass die Bauschlotter Platte eine ausgeprägte Abflussrichtung nach Norden hat, was dem Schichtfallen entspricht. Zentrale Bedeutung kommt der Karstquelle Enzbrunnen zu. Im Bereich der Katharinentaler Senke liegt eine unterirdische Wasserscheide, so dass hier auch Abflüsse nach Westen, Süden und Osten möglich sind. Im Oberen und Mittleren Muschelkalk gibt es zwei Schichtwasserhorizonte, die miteinander in Verbindung stehen. Der obere, zum Beispiel im Enzbrunnen austretende Horizont ist stärker verkarstet, was zu schnelleren Abflüssen und stärker schwankenden Quellschüttungen führt. Der untere Horizont ist schwächer verkarstet, die Abflüsse sind langsamer, die Quellschüttungen gleichmäßiger. Dieser Horizont ist zum Beispiel in den Tiefbrunnen bei Bretten aufgeschlossen.[2.11]
Entsprechend der Versuchsergebnisse wurde im September 1992 das Wasserschutzgebiet Bauschlotter Platte ausgewiesen, das die gesamte Katharinentaler Senke im Süden einschließt und bis zum Brettener Stadtteil Diedelsheim im Norden reicht. Angesichts der Fließverhältnisse im Karst wurde eine mit fast 72 km² besonders weiträumige Schutzfläche festgelegt.[13.1][3.8]
1987 wurde die Fuchsloch-Doline, die zuvor stark beeinträchtigt und teilweise verfüllt war, neugestaltet.[8.7] Es entstand ein Feuchtbiotop mit einer Hüle, in der eine kleine Insel liegt. Die Ufer wurden abgeflacht, im Umfeld Gehölze angepflanzt. Größere Niederschläge können über einen befestigten Überlauf in Form eines Mönchs in den Untergrund abgeleitet werden. An den Entwässerungsgräben der Katharinentaler Senke wurden unterhalb kreuzender Straßen zwei Ölabscheider gebaut.[1.6] Der Biotopkartierung von 2000 zufolge fällt das Fuchsloch episodisch trocken. Die Wasserfläche ist mit einem dichten, artenarmen Rohrglanzgras-Röhricht bewachsen. Am Ufer wachsen Bäume und größere Brennessel-Bestände, auf der Insel ein Feldgehölz.[3.9]
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Graben in Hohenäcker
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Graben mit Durchlass nördlich des Katharinentaler Hofs
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Betriebsgebäude Obsthofstollen
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Ölabscheider an der B294
Für die Abwasserbeseitigung in den Gewerbegebieten Hohenäcker und Buchbusch waren wegen der Lage in der Katharinentaler Senke und im Wasserschutzgebiet aufwändige Bauten notwendig. Zwischen 1998 und 2000 wurde für 10,4 Millionen Euro der rund 1000 Meter lange Obsthofstollen in der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise gebaut, der von der Kieselbronner Straße ⊙ zum Friedhof in Eutingen ⊙ führt.[3.10] Im Tunnel mit einem Durchmesser von 4 Metern können 7600 m³ Abwasser gespeichert und gedrosselt in das Eutinger Kanalnetz abgegeben werden.[14][15]
Für das tieferliegende Gebiet Buchbusch entstand um 2012 für 11 Millionen Euro ein Pumpwerk, das das Abwasser zum Obsthofstollen hebt.[8.10] Zum Pumpwerk führt ein 450 Meter langer, ebenfalls in der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise vorgetriebener Stauraumkanal.[16] Der 2012 geänderte Bebauungsplan Buchbusch sah drei verschiedene Entwässerungssysteme vor: Schmutzwasser wird über das Pumpwerk zum Obsthofstollen gehoben. Niederschlagswasser von Verkehrs-, Hof- und Lagerflächen wird über ein eigenes Rohrnetz im Normalfall zum Pumpwerk geführt. Bei starken Niederschlägen wird dieses System in die zum Fuchsloch führenden Gräben entlastet. Niederschlag von Dachflächen wird ebenfalls in die Gräben geleitet, die naturnah umgestaltet und um Retentionsflächen ergänzt wurden.[17.1]
Literatur
- Heinrich Tölke: Die Katharinentaler Senke. In: Landratsamt Enzkreis, Kreisarchiv (Hrsg.): Der Enzkreis. Historisches und Aktuelles. Band 2 (1987/88), S. 151–162, doi:10.57962/regionalia-25804.
- Gudrun Tenhaeff, Werner Käß: Karsthydrologische Untersuchungen im Bereich der Bauschlotter Platte (Nordbaden). In: Jahreshefte des Geologischen Landesamts Baden-Württemberg. 29 (1987), S. 209–254.
- Regine Einfeld: Die Katharinentaler Senke – ein Spaziergang mit Ein- und Ausblicken. In: Der Enzkreis. Historisches und Aktuelles. Band 14 (2012), ISSN 0935-9125, S. 21–39.
Weblinks
- Karte der Katharinentaler Senke mit passendem Ausschnitt und den hier benutzten Layern. Allgemeiner Einstieg ohne Voreinstellungen und Layer: Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
Einzelnachweise
- ↑ Heinrich Tölke: Die Katharinentaler Senke. In: Der Enzkreis. Historisches und Aktuelles. Band 2 (1987/88), S. 151–162, doi:10.57962/regionalia-25804.
- ↑ Gudrun Tenhaeff, Werner Käß: Karsthydrologische Untersuchungen im Bereich der Bauschlotter Platte (Nordbaden). In: Jahreshefte des Geologischen Landesamts Baden-Württemberg. 29 (1987), S. 209–254.
- ↑ Karte der Katharinentaler Senke mit passendem Ausschnitt und den hier benutzten Layern bei Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
- ↑ Layer Basiseinzugsgebiet (AWGN).
- ↑ Biotop-Nr. 170182360043, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Biotop-Nr. 170182360042, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Biotop-Nr. 170182365232, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Layer Landschaftsschutzgebiete.
- ↑ Biotop-Nr. 270182365021, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Biotop-Nr. 170182364001, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Layer Wasserschutzgebiet.
- ↑ Biotop-Nr. 170182361053, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Lage Obsthofstollen nach Layer Liegenschaften und Gewässer.
- ↑ Heinrich Tölke: Göbrichen, Neulingen. Monographie eines Dorfes und einer Landschaft im Norden Pforzheims. Gemeinde Neulingen (Hrsg.). B. Gengenbach, Bad Liebenzell 1995, ISBN 3-921841-51-8 (Band 1), ISBN 3-921841-52-6 (Band 2).
- ↑ Mapserver des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) (Hinweise)
- ↑ László Trunkó: Karlsruhe und Umgebung. Nördlicher Schwarzwald, südlicher Kraichgau, Rheinebene, Ostrand des Pfälzer Waldes und die Nordvogesen (= Sammlung geologischer Führer. Band 78). Borntraeger, Berlin/Stuttgart 1984, ISBN 3-443-15039-X.
- ↑ S. 116.
- ↑ Gerhard H. Eisbacher, Werner Fielitz: Karlsruhe und seine Region. Nordschwarzwald, Kraichgau, Neckartal, Oberrhein-Graben, Pfälzerwald und westliche Schwäbische Alb (= Sammlung geologischer Führer. Band 103). Borntraeger, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15089-1.
- ↑ S. 201.
- ↑ Regine Einfeld: Die Katharinentaler Senke – ein Spaziergang mit Ein- und Ausblicken. In: Der Enzkreis. Band 14 (2012), ISSN 0935-9125, S. 21–39.
- ↑ Layer Archäologische Kulturdenkmale in Baden-Württemberg beim Geoportal Baden-Württemberg (Hinweise), abgerufen am 22. Oktober 2025.
- ↑ Hermann Diruf, Christoph Timm: Kunst- und Kulturdenkmale in Pforzheim und im Enzkreis. Herausgegeben vom Enzkreis und der Stadt Pforzheim. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1680-0.
- ↑ S. 283.
- ↑ Ulrich Maximilian Schumann: Friedrich Weinbrenner, Klassizismus und „praktische Ästhetik“ (= Friedrich Weinbrenner und die Weinbrenner-Schule. Band 5). Deutscher Kunstverlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-422-06969-5.
- ↑ S. 75.
- ↑ Hans-Peter Becht, Hans-Jürgen Kremer (Hrsg.): Die „Chronik der Stadt Pforzheim“. 1891–1939. Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-41-X.
- ↑ S. 127.
- ↑ Nachbarschaftsverband Pforzheim (Hrsg.): Landschaftsplan für den Nachbarschaftsverband Pforzheim. (PDF; 1,3 MB) Pforzheim 2004.
- ↑ S. 86.
- ↑ Sonderbauwerke Eigenbetrieb Stadtentwässerung Pforzheim. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Obsthofstollen. (PDF; 301 kB) Ingenieurbüro Müller + Hereth, 23. Juli 2021, abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Verkürzung der geplanten Bauzeit. Stauraumkanal für neues Industriegebiet. Baresel Tunnelbau GmbH. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
- ↑ Stadt Pforzheim, Amt für Stadtplanung, Liegenschaften und Vermessung (Bearb.): Bebauungsplan „Buchbusch – 1. Änderung“. Begründung. (PDF; 1,7 MB) Pforzhein 2012.
- ↑ S. 10 f.
Koordinaten: 48° 55′ 38″ N, 8° 43′ 2″ O