Katharinenschlucht

Die Katharinenschlucht oder Katharinaschlucht ist eine Schlucht an der Grenze der Gemarkung Langenrain der Gemeinde Allensbach und der Gemarkung Dettingen-Wallhausen im Landkreis Konstanz. Sie liegt zwischen der Marienschlucht und Wallhausen auf dem Bodanrück, der hier steil zum Überlinger See hin abfällt.

Der Name leitet sich vom ehemaligen Kloster St. Katharina ab, das sich oberhalb der Schlucht auf dem Plateau des Bodanrücks befand. Der durch die Schlucht fließende Bach wird dementsprechend als Katharinabach bezeichnet. Das Kloster war der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht, was sich auf die Benennung der gesamten Umgebung (Schlucht, Bach und Waldgewann) übertragen hat.

Geographie

Das Areal liegt in der Gemarkung Langenrain am Südufer des Überlinger Sees.

Die Schlucht ist rund 80 Meter tief in Molassegestein eingeschnitten. Sie stellt ein beliebtes Wanderziele am Bodensee dar, ist aber seit dem Unfall und der nachfolgenden Sperrung des Uferwegs zwischen Marienschlucht und Wallhausen nur noch eingeschränkt zugänglich.

Die Schlucht wird durch den Katharinabach durchflossen, der westlich der Schlucht auf den Wiesen an der Landstraße L219 entspringt und am Ausgang der Schlucht in den Bodensee mündet.

Das Gestein in der Schlucht besteht aus Meeresmolasse, einem weichen Sandstein. Es gibt einige kleine Wasserfälle über Steinstufen aus härterem Kalk.

Im Gegensatz zur bekannteren Marienschlucht sind die Wege nicht mit Treppen ausgebaut, die Begehung erfolgt über einen schmalen Trampelpfad entlang des Hangs an der Südseite der Schlucht, der gerade bei Feuchtigkeit gefährlich sein kann.[1]

Man erreichte die Katherinenschlucht zu Fuß über die Waldwege oberhalb, ein Zugang per Auto oder Fahrrad ist nicht möglich. Als Orientierung und Ausgangspunkt kann der Waldfriedhof östlich des Langenrainer Golfplatzes dienen. Die Fußwege am Steilufer sind eng und nur sparsam befestigt. Der Weg von Wallhausen, der in der Vergangenheit bestand, ist nach etlichen Erdrutschen vollständig gesperrt. Vom unteren Ausgang der Schlucht besteht über den Landungssteg an der Marienschlucht im Sommer eine Schiffsverbindung der Motorbootgesellschaft Bodman nach Bodman, Ludwigshafen am Bodensee, Sipplingen und Überlingen.

Die Steilwand des Überlinger Sees fällt auch unter Wasser noch etwa 90 Meter tief ab. Daher ist das Ufer unterhalb der Schlucht auch ein beliebtes Tauchrevier, allerdings nur für erfahrene Steilwandtaucher geeignet. Es ist nur per Boot erreichbar.

Geschichte

Im Gegensatz zur Marienschlucht, die ab 1897 mit Stegen und Treppen für den Tourismus ausgebaut wurde, blieb die Katharinenschlucht lange Zeit naturbelassen. Ein einfacher Abstieg zum See existierte schon seit Jahrhunderten, da er als Verbindungsweg für die Bewohner des Klosters und später des Hofes St. Katharina zum Seeufer diente. In ihrer heutigen Form als Teil des Wanderwegenetzes ist sie seit dem späten 19. Jahrhundert für Wanderer zugänglich.

Kloster St. Katarina

Das ehemalige Kloster St. Katharina war kein großes Abtei-Gebäude, sondern eine Einsiedelei, die sich zu einer Klause entwickelte. Um 1260 ließen sich dort Augustiner-Eremitinnen (Beginen) nieder. Im 15. Jahrhundert, um 1453, wurde die Anlage zu einer Propstei erhoben.[2] Sie unterstand der Abtei Reichenau. Im Zuge der Reformation und späterer Umstrukturierungen verlor der Ort an Bedeutung. 1540 fiel er mit der Abtei Reichenau an den Bischof von Konstanz. Von den Klostergebäuden ist heute oberflächlich fast nichts mehr zu sehen. Im Wald bei 47° 45′ 30,8″ N, 9° 6′ 23,9″ O ist am Boden eine rechteckige Gebäudestruktur zu erahnen.

Eremitenhöhle

Im oberen Teil der Schlucht und in der Nähe des ehemaligen Klosters befindet sich in den Molassefelswänden eine künstlich gehauene oder natürlich erweiterte Höhle. Diese heute noch bestehende Eremitenhöhle (47° 45′ 43,3″ N, 9° 6′ 28,4″ O) diente den frühen Einsiedlern vermutlich als Rückzugsort.

In einer Legende heißt es, dass sich die ersten religiösen Bewohner dort niederließen, bevor das Steingebäude errichtet wurden.

Einzelnachweise

  1. Wanderkarte W269 (Maßstab 1:25.000) "Konstanz", ISBN 978-3-86398-495-3
  2. Humpert, Theodor: St. Katharina am Überlingersee – Aus der Geschichte einer Ödung auf dem Bodanrück. In: Hegau (Zeitschrift des Hegau-Geschichtsvereins), Jahrgang 26, 1969, ISSN 0440-5609

Koordinaten: 47° 45′ 44,2″ N, 9° 6′ 25,8″ O