Katharine Parsons

Katharine Parsons, geborene Bethell, über den Ehemann Lady Parsons (* 1858 oder 1859 in Rise, Holderness, East Riding of Yorkshire; † 16. Oktober 1933 in Ray Demesthene, Kirkwhelpington, Northumberland) war eine englisch-britische Maschinenbauingenieurin und die Mitgründerin und zweite Präsidentin der Women’s Engineering Society.

Leben

Parsons war Tochter von William Frogatt Bethell.[1] 1882 lernte sie in Leeds den Maschinenbauer Charles Parsons kennen, während er dort als Ingenieur arbeitete. Sie heirateten im Januar 1883 und hatten zwei Kinder, Algernon George (Tommy) und Rachel Mary.[2] In den ersten Ehejahren begleitete Parsons ihren Mann regelmäßig um 7 Uhr zu morgendlichen Tests seiner Entwicklungen im Roundhay Park in Leeds.[3] Während ihrer fast fünfzigjährigen Ehe war sie fast immer eng in seine Ingenieurprojekte eingebunden – sowohl zu Hause als auch in den kommerziellen Unternehmungen –, insbesondere in der Zeit, in der die Parsons-Turbine entwickelt wurde.[4]

1916 arbeitete Parsons mit der Suffragette Norah Balls zusammen, um die Pfadfinderinnen (Girl Guides) in Northumberland zu gründen.[5][6]

Berühmt für ihre robuste Persönlichkeit und außergewöhnlichen organisatorischen Fähigkeiten, war Parsons während des Ersten Weltkriegs maßgeblich an der Leitung der weiblichen Belegschaften in den umgerüsteten Rüstungsfabriken in Tyneside beteiligt. Für diese Kriegsarbeit wurde Parsons 1919 als erste Frau zum Ehrenmitglied der North-East Coast Institution of Engineers and Ship-builders ernannt.[7] Nachdem sie die hochwirksame Beschäftigung von Frauen in der Ingenieurarbeit während des Krieges gesehen hatte, kritisierte Parsons scharf die Entfernung vieler Frauen aus diesen Tätigkeiten durch den Restoration of Pre-War Practices Act 1919, der vielen zurückkehrenden männlichen Soldaten ihre früheren Aufgaben zurückgab.

In einer viel beachteten Rede am 9. Juli 1919 mit dem Titel Women’s Work and Shipbuilding during the War beklagte sie, dass Frauen gezwungen gewesen seien, „Werkzeuge des Krieges und der Zerstörung“ herzustellen, ihnen aber dann „das Privileg verweigert werde, die Munition des Friedens zu gestalten“.[8]

Nur drei Wochen zuvor hatte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Rachel und fünf weiteren einflussreichen Frauen – Eleanor Shelley-Rolls, Janetta Mary Ornsby, Margaret Dorothea Rowbotham, Margaret Moir und Laura Annie Willson – die Women’s Engineering Society (WES) gegründet,[9] um die Stellung der Frauen im Ingenieurwesen zu sichern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich auszutauschen und insbesondere Chancen für Ausbildung und Beschäftigung zu teilen.[10]

Parsons ernannte Caroline Haslett im Februar 1919 zur ersten Sekretärin der WES. Häufige finanzielle Schwierigkeiten veranlassten Parsons, erhebliche Spenden zu leisten, um die junge Gesellschaft am Leben zu erhalten. Parsons war von 1922 bis 1925 Präsidentin der WES. Ihre jährlichen Reden während dieser Präsidentschaft wurden von Zeitgenossen als „meisterhaft in ihrem Umfang und gründlich in den Details“ beschrieben.[3] Danach brach sie jedoch nach einem Streit mit Haslett über die zukünftige Ausrichtung der Gesellschaft die Beziehungen zur WES ab.[11]

Parsons war außerdem Mitbegründerin von Atalanta Ltd, einem Unternehmen, das speziell gegründet wurde, um Frauen im Ingenieurwesen Arbeit zu verschaffen.[12]

Lady Parsons war ab 1921 Friedensrichterin und wurde für ihre öffentlichen Verdienste in die Freedom der Worshipful Company of Shipwrights aufgenommen und später in die Freedom of the City of London.[3] Dennoch fand sie viel Zeit für ihre Leidenschaften: Reiten, Langstreckenfahrten und das Bewirten von Gästen im Familienhaus Ray Demesthene in Kirkwhelpington, Northumberland.[4]

Lady Parsons served as a magistrate from 1921, and for her public achievements was admitted to the freedom of the Worshipful Company of Shipwrights and later given the freedom of the City of London. Nevertheless, she also found much time to pursue her pastimes of riding horses, long-distance driving and entertaining guests at the family home of Ray Demesthene at Kirkwhelpington. Nach dem Tod von Charles Parsons im Jahr 1931 war Parsons eine wichtige Quelle für Rollo Appleyards Biografie ihres verstorbenen Mannes.[2] Sie starb 1933 nach einem langen Kampf gegen Krebs.[4]

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Einzelnachweise

  1. Lady Katharine Parsons: advocate for women in engineering. In: A History of women in engineering, Women in Science. Science Museum, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  2. a b Rollo Appleyard: Charles Parsons: His Life and Work. Constable & Co. Ltd., London 1933, S. 28.
  3. a b c The Founder: The Hon. Lady Parsons. J.P, President 1922–25. In: The Woman Engineer. Band 5, Nr. 2, März 1940, S. 19 (theiet.org).
  4. a b c Mary Houston: The Hon. Lady Parsons, Hon Fellow. In: Transactions of the North-East Coast Institution of Engineers and Ship-Builders. Band 50, Nr. 1933–34, 1933, S. D181–D183.
  5. Old Low Light Heritage Centre North Shields: Norah Balls: A Life Well Led auf YouTube, 18. Januar 2021, abgerufen am 20. Dezember 2025 (Laufzeit: 13:57 min).
  6. Tony Henderson: Blue plaque in Tynemouth to commemorate remarkable women’s rights campaigner. Chronicle Live, 3. März 2022, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  7. Honorary Fellowship (Lady Parsons). In: Transactions of the North-East Coast Institution of Engineers and Ship-Builders. Band 35, 1919, S. 22.
  8. Katharine Parsons: Women’s Work in Engineering and Shipbuilding during the War. In: NECIES Proceedings. Band 35, Nr. 1918–19, 9. Juli 1919 (archive.org [PDF]).
  9. Henrietta Heald: Magnificent Women and their Revolutionary Machines. Unbound, London 2019, ISBN 978-1-78352-660-4.
  10. The Work of the Women’s Engineering Society. In: The Woman Engineer. Band 1, Nr. 1, Dezember 1919, S. 2 (theiet.org).
  11. Rosalind Messenger: The Doors of Opportunity, A Biography of Dame Caroline Haslett DBE Companion IEE. Femina Books, London 1967.
  12. Notes, Atalanta Ltd. In: The Woman Engineer. Band 1, Nr. 4, September 2020, S. 33 (theiet.org).