Katharina Hardy
Katharina Hardy, geborene Cohn (nach 1947 Kardos) (geboren 7. November 1928 in Budapest; gestorben am 7. August 2022 in Zürich) war eine ungarische Violonistin und Überlebende des Holocaust.
Leben und Wirken
Katharina Hardy wurde in eine liberale jüdische Familie geboren. Sie wuchs mit einer älteren Schwester auf. Früh entwickelte sie ein musikalisches Talent, welches durch die Familie gefördert wurde. Im Jahr 1938 begann sie ein Studium an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest mit dem Ziel, Geigerin zu werden. Mit der Einführung antisemitischer Gesetze wurde ihr 1939 als Jüdin der Zugang zur Akademie und zu öffentlichen Schulen verwehrt. Hardy setzte ihre Ausbildung daraufhin privat fort und besuchte das jüdische Gymnasium der Stadt.[1]
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn am 19. März 1944 verschärften sich die Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung. Daraufhin wurden Familienmitglieder Hardys, darunter ihre Großeltern, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ihr Vater wurde ebenfalls deportiert. Im November 1944 wurde die 16-jährige Hardy gemeinsam mit ihrer Mutter von den Nationalsozialisten auf einen sogenannten Todesmarsch geschickt, bei dem sie von ihrer älteren Schwester getrennt wurde. Ihre Mutter, die an Ruhr erkrankt war, überlebte den „Todesmarsch“ nicht. Am 7. Januar 1945 erreichte sie das Konzentrationslager Ravensbrück. Als die Front näher rückte, wurde sie in das Konzentrationslager Bergen-Belsen geschickt, wo sie die Befreiung erlebte.[2]
Nach Kriegsende kehrte Katharina Hardy nach einem kurzen Aufenthalt im DP-Camp Belsen nach Budapest zurück. Sie wurde dort mit ihrem Vater wiedervereint, der als einziger Angehöriger ihrer Familie den Holocaust überlebt hatte. Hardy holte das Abitur nach und schloss ein Solistendiplom ab. Sie floh während des Volksaufstands von 1956 in die Schweiz, wo sie zuerst in Regensdorf, Zürich, und später in Winterthur lebte.[3]
Katharina Hardy war als Zeitzeugin aktiv und beschrieb die Haft im KZ Ravensbrück: „Ich war einige Wochen im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert, bevor meine Deportation in Bergen-Belsen endete. Jene Zeit in Ravensbrück war so brutal, dass ich auch nach 75 Jahren nicht darüber zu sprechen vermag.“[4]
Ihre Enkelin ist die Violinistin Deborah Spiegel.[5]
Erinnerung
Die Autorin Simone Müller hielt die biografischen Erinnerungen von Katharina Hardy in ihrer Publikation Bevor Erinnerung Geschichte wird fest. Hardy beschreibt darin, dass sie fünfzig Jahre lang nicht über ihr Jüdischsein und ihre Erlebnisse während und nach der NS-Zeit sprechen konnte.[6]
Im Jahr 2023 ehrte die Stadt Winterthur Katharina Hardy, indem sie eine Straße nach ihr benannte.[7]
Literatur
- Simone Müller, Annette Boutellier: Bevor Erinnerung Geschichte wird. Überlebende des NS-Regimes in der Schweiz heute – 15 Porträts. Limmat Verlag, Zürich 2022, ISBN 978-3-03926-049-2.
Weblinks
- Film Unsere Großmutter war im KZ von Hanna Prenzel, Caspar Schleicher, Janis Westphal, Constanze Wolpers auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung
- Interview mit Katharina Hardy, Überlebende der KZs Ravensbrück und Bergen-Belsen. (2022) auf YouTube
- Katharina Hardy - Zur Person
Einzelnachweise
- ↑ Katharina Hardy - Winterthur Glossar. In: winterthur-glossar.ch. Abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Großeltern im KZ: Eine Überlebende erzählt. In: fluter.de. 27. Januar 2018, abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Die zwei Leben der Katharina Hardy. 18. August 2022, abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ Andreas Schmid: Holocaust-Überlebende Katharina Hardy: grosse Schuldgefühle. In: nzz.ch. 28. Dezember 2019, abgerufen am 12. November 2025.
- ↑ Deborah Katinka Spiegel. In: Goppisberg Musikfestival und Akademie. Abgerufen am 11. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Jessica King: Wenn Kinder einen Genozid überleben. In: derbund.ch. 27. Oktober 2022, abgerufen am 12. November 2025.
- ↑ Jonas Gabrieli: Winterthur ehrt drei Frauen und seinen Nobelpreisträger. In: tagesanzeiger.ch. 10. Juni 2023, abgerufen am 12. November 2025.