Kaspar Wisotschnigg

Kaspar Wisotschnigg (auch Visotschnigg) war ein österreichischer, nationalsozialistischer Politiker, Kreisleiter und Techniker aus Eisenstadt. Zuvor illegaler Nationalsozialist,[1] wurde er am 15. März 1938 von Gauleiter und Landeshauptmann Tobias Portschy zu einem Mitglied des 30-köpfigen Burgenländischen Landtags ernannt und als sieht er der Landtagsliste entsandt.[2] Im August 1944 war er in Eisenstadt als Ortsgruppenleiter zusammen mit Bürgermeister Rudolf Brünner an Verhaftungen und Deportationen beteiligt.[3]

Nach dem Anschluss wurden durch Wisotschnigg Beamte aus dem Ständestaat sowie „zahlreiche Angehörige der ungarischen Sprachgruppe“, etwa der Vizebürgermeister von Eisenstadt, Franz Prónai, und der Bezirkshauptmann von Güssing, Dr. Emmerich Faludy, ins KZ Dachau deportiert.[4] Der Fall des Ignaz Till, der nach der Befreiung im Oktober 1945 an im KZ erlittenen Verletzungen verstarb,[5] wurde ebenfalls zur Anklage gebracht.[6]

Am 10. Dezember 1946 wurde Wisotschnigg (dann in der Schreibung Visotschnigg) zu „16 vom Landesgericht Wien wegen dieser Vergehen Monaten schweren Kerkers und zum Verfall seines gesamten Vermögens“ verurteilt.[7]

Literatur

  • Bestellung des neuen Landtages. In: Pullendorfer Bote. Beilage zur Oberwarther Sonntags-Zeitung. 59. Jahrgang, Nr. 13, 3. April 1938, S. 5.
  • Ursula Mindler: „Als Deutscher, der weiß, was Ehre und Treue ist, kann ich nichts anderes als Nationalsozialist sein.“ Tobias Portschy und der „Anschluss“ im Bezirk Oberwart 1938. In: Museumsverein Oberschützen (Hrsg.): Oberschützer Museumsblätter. Folge 5, 2008, S. 18–27 (PDF; 6,3 MB).

Einzelnachweise

  1. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung im Burgenland 1934–1945. Eine Dokumentation. 2. Auflage. Österreichischer Bundesverlag / Jugend und Volk Verlagsgesellschaft, Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 412. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Auf DOEW.at (PDF; 21,5 MB), abgerufen am 15. Dezember 2025.
  2. Bestellung des neuen Landtages. In: Güssinger Zeitung. 26. Jahrgang, 13. Folge, 27. März 1938, S. 4, Spalte 2 unten: „Ing. Kaspar Wisotschnigg, Kreisleiter, Techniker, Eisenstadt“. Elektronikus Periodika Archívum és Adatbázis (EPA). Auf EPA.hu (PDF; 11,9 MB), abgerufen am 15. Dezember 2025.
  3. Brigitte Krizsanits: Rudolf Brünner – eingesetzter Bürgermeister von 1940 bis 1941 und von 1943 bis 1945. In: Dieselbe: Bürgermeister der Freistadt Eisenstadt 1922–2017. Manuskript, Eisenstadt April 2019, S. 15 f. Auf Eisenstadt.gv.at (PDF; 1,16 MB), abgerufen am 15. Dezember 2025.
  4. Verfolgungen in den Reihen der Beamtenschaft, des Klerus und des Adels. In: Gerhard Baumgartner, Stefan Schinkovits: Vermögensentzug bei burgenländischen Kroaten und Ungarn (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich. Band 23, 4. Teil). Oldenbourg Verlag, Wien / München 2004, ISBN 3-7029-0528-6, S. 33. Historikerkommission der Republik Österreich (Hiko). Auf Hiko.Univie.ac.at (PDF; 470 kB), abgerufen am 15. Dezember 2025.
  5. Liste von aus politischen Gründen inhaftierten Burgenländern 1934–1945. In: Wolfgang Neugebauer, August Ernst (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung im Burgenland : 1934–1945 ; eine Dokumentation. 2. Auflage. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Österreichischer Bundesverlag / Jugend und Volk Verlagsgesellschaft, Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 424.
  6. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung im Burgenland 1934–1945. Eine Dokumentation. 2. Auflage. Österreichischer Bundesverlag / Jugend und Volk Verlagsgesellschaft, Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 177.
  7. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung im Burgenland 1934–1945. Eine Dokumentation. 2. Auflage. Österreichischer Bundesverlag / Jugend und Volk Verlagsgesellschaft, Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 177, Fußnote 1.