Kaspar Hermann von Künigl
Kaspar Hermann von Künigl (tschechisch Kašpar Heřman z Küniglu, auch Kaspar Hermann Künigl hrabě (Graf) von Ehrenburg, svobodný pán (Freiherr) zu Warth, deutsch auch Kaspar Hermann Künigl von Ehrenburg zu Warth, * 18. November 1745 in Schlüsselburg (Lnáře); + 28. April 1824 in Prag)[1] war ein österreichisch-böhmischer Adliger, Freimaurer und Philanthrop, Gründer des Prager Gehörloseninstituts,[2] Rat am Appellationsgericht des Königreich Böhmen und Autor der Skizzen für den Bau des Ständetheater in Prag.
Leben
Künigel wurde in Lnáře in der Region Prácheňsko als ältester von 3 Söhnen der Adelsfamilie Künigl geboren, die 1712 aus Tirol nach Böhmen kam. Sein Vater war Graf Sebastian Franz von Künigl (1720–1783), Gouverneur der Klattauer Kreises, und seine Mutter war Maria Theresa, geborene Czernin (1726–1800), Tochter von Johann Wenzel Graf Czernin von und zu Chudenitz . Im Geburtsjahr von Kasper Herman verkaufte sein Vater das Familienschloss Lnáře mitsamt dem Anwesen an die Familie Sweerts-Sporck und kaufte dafür das Schloss und Anwesen Besdiekau, wo die ganze Familie lebte, darunter auch seine anderen Söhne Philipp Wenzel (1763–1835) und Hermann Peter (1765–1852).[3]
In Bezděkov, wo unter anderem der Schriftsteller Svatopluk Čech seine Kindheit verbrachte, lebte Künigl mit seiner ersten Frau Maria Theresia von Clam (verheiratet 1775–1799). Zur gleichen Zeit wie seine Frau starb auch der Autor von Geisterromanen Christian Heinrich Spieß,[4] der das Gut seines Mäzens Künigl verwaltete. Graf Künigl heiratete 1801 erneut. Seine zweite Frau war die verwitwete Sophie Körner, geborene Bauer aus Bayreuth (1750–1817), eine Schauspielerin aus Prag und Lebensgefährtin des verstorbenen Spieß.
Freimaurerei
Vater Sebastian Franz und sein Sohn Kaspar Hermann Künigl waren Mitglieder der sogenannten létající/putovní lóže (fr. loge volante, deu. Wanderloge) Sincerité (Upřímnost) (Aufrichtigkeit), die in Litoměřice gegründet wurde und nach Klatovy zog. Von 1784 bis zur Auflösung der Prager Loge im Jahr 1794 war Künigl Großmeister der Loge U devíti hvězd, davor war er Großmeister der Prager Loge U tří korunovaných hvězd.
Gründungsaktivitäten
- Pläne für den Grundriss des Ständetheaters (ursprünglich Nostitz-Theater), Grundstein am 7. Juni 1781 gelegt
- zusammen mit Prager Kaufleuten Peter Pradatsch, Ferdinand Delorme und Johann Krinel sowie Handschuhfabrikanten Georg Ludwig Malvier 1773 Gründung Waisenhaus des Heiligen Johannes des Täufers (Schutzpatron der Freimaurer) in der Prager Neustadt anlässlich der Hungersnot von 1770–1772 , ursprünglich in der Nähe der Kirche St. Peter am Poříčí mit Platz für 25 Kinder (6 Jungen und 19 Mädchen)
- Gründung 1786 in Prag (im heutigen Stadtteil Smíchov) Institut für Gehörlose als dessen erster Vorsteher, erste tschechische Gehörlosenschule und fünfte in Europa
Weblinks
- K. H. Grafen von Künigl: Germanien oder Tabellarische Uebersicht der germanischen Völker seit ihrer Bekanntwerdung, und der von ihnen gegründeten Staaten bis Ende des Jahres 1821. Praha 1824, S. 151.
- Sankot, Jiří: Tajemství hraběnky Künigelové (poznámka: rodinné poměry)
- Kaspar Hermann Künigl von Ehrenburg und Warth (poznámka: online životopisný medailon)
Einzelnachweise
- ↑ Biografický slovník HIÚ AV ČR, heslo: KÜNIGL zu Ehrenburg Kašpar Heřman.
- ↑ Kašpar Heřman Künigl (1745–1824), výročí úmrtí.
- ↑ Petr MAŠEK, Šlechtické dody v Čechách, na Moravě a ve Slezsku. I. díl, A-M. Argo Praha 2008, s. 513
- ↑ Ivo Fencl: Podivný Christian Heinrich Spiess, Neviditelný pes, 4. 7. 2008.