Kartika (Messer)
Kartika (Sanskrit कर्तिका IAST kartikā, tibetisch གྲི་གུག་ Wylie gri gug oder དྲི་གུག་ Wylie dri gug) ist im Buddhismus ein Hackmesser, vorwiegend für rituelle, tantrische Praktiken. Weitere in der Literatur vorkommende Bezeichnungen sind Kartri, Katari, Kartrika. Symbolisch dient es dazu, alle weltlichen, geistigen Fesseln zu durchtrennen.
Gebrauch
Die symbolische Verwendung eines Kartika in einer rituellen Handlung durch einen Lama soll die drei Geistesgifte Gier, Hass und Unwissen beseitigen. Die Klinge ist ein Symbol für die buddhistische Weisheit der Leere, die durch die Schleier falscher Vorstellungen schneidet. Ein Kartika wird in der Literatur auch als "Messer der Dakinis" bezeichnet. Es wird in der rechten Hand der Göttinnen gehalten, während ihre linke eine Schädelschale, eine Kapala hält. Auch zornvolle tibetische Gottheiten wie Mahakala werden oft mit einem Kartika in der rechten Hand dargestellt.
Historisch wurden derartige Hackmesser in Tibet für die Durchführung der Himmelsbestattung verwendet. Diese, für europäische Gefühle pietätlose Praxis, Körper Verstorbener zu zerstückeln und wilden Tieren zu überlassen, muss in der buddhistische Denkweise verstanden werden. Darin ist der Körper nur ein vorübergehender, nach dem Tod nutzloser Behälter für die unsterbliche Seele, die ewig im Wiedergeburtskreislauf Samsara gefangen ist, wenn es ihr nicht gelingt Erleuchtung zu erlangen.
Darstellung
Ein Kartika hat eine flache, gebogene Klinge, die in der Regel aus dem geöffneten Maul eines Makaras hervortritt, eines Fabelwesens der indisch/tibetischen Mythologie. Die Klinge ist meistens glatt, es sind aber auch gezähnte Ausführungen dokumentiert. Der Griff endet in der Regel in einem fünfstrahligen oder neunstrahligen Halbvajra. Es sind aber auch Exemplare belegt, bei denen das obere Ende des Griffs aus drei Halbvajras eines kreuzförmigen Vajras besteht. In der tibetischen Ikonographie sind zwei unterschiedliche Formen zu finden. Die mehr gebräuchliche Form hat eine gebogene Klinge, die in ein oder zwei spitzen Haken ausläuft, wie in der Abbildung rechts. Die zweite, weniger gebräuchliche Form ist lediglich halbmondförmig.
Die Klingen von hochwertigen Kartikas für zeremonielle Zwecke eines hochrangigen Geistlichen, z. B. eines Lamas, sind oft aufwendig mit Ornamenten verziert, oder tragen Beschriftungen mit Mantras.
Material
Die Klinge eines Kartika besteht immer aus Eisen und ist bei Exemplaren für eine ausschließlich rituelle Verwendung stumpf. Der Makarakopf, der die Klinge hält, ist aus Messing oder aus Bronze gegossen. Der getrennt gegossene Griff ist in der Regel aus Bronze, und bei besseren Exemplaren oft feuervergoldet oder auch koloriert.
Literatur
- Robert Beer: The Handbook of Tibetan Buddhist Symbols Serindia Publications Inc., Chicago 2003, ISBN 1-932476-03-2, S. 112
- Michael Henss: Buddhist Ritual Art of Tibet Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-89790-567-2, S. 208
- Hans Wolfgang Schumann: Buddhistische Bilderwelt Eugen Diederichs Verlag, München 1997, ISBN 3-424-00897-4, S. 45