Karsten de Riese
Karsten de Riese (* 3. März 1942 in Eisenach)[1][2] ist ein deutscher Fotograf.
Leben und Wirken
Karsten de Riese wuchs in Göttingen auf und ließ sich an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in Schwabing ausbilden. Für ein Jahr, von 1964 bis 1965, studierte er an der Hochschule für Gestaltung Ulm in der Abteilung Visuelle Kommunikation und absolvierte die Grundlehre.[3] Während des Studiums arbeitete er als freier Fotograf in München. In dieser Zeit entstanden Porträts von John Cage und anderen Komponisten im Siemens-Studio für elektronische Musik. Im Mai 1966 erhielt der 24-jährige Karsten de Riese seinen ersten Auftrag von Willy Fleckhaus für die Zeitschrift twen zu fotografieren. Zwischen 1968 und 1971 hatte de Riese eine Reihe von Veröffentlichungen in twen. In der ersten Nummer des Frankfurter Allgemeine Magazins (1980–1999) verwendete Fleckhaus auf drei Doppelseiten drei Fotografien von ihm.[4]
Von 1970 bis 1972 war er offiziell beauftragter Fotograf für das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in München, Otl Aicher hatte ihn mit einem Werkvertrag in seinem Büro eingestellt. Von 1982 bis 1989 fotografierte de Riese die deutsch-deutsche Grenze. Im Auftrag des Deutschen Bundestages beobachtete er 12 Jahre die parlamentarische Arbeit in Bonn. De Riese ist seit über 50 Jahre als freiberuflicher Porträtfotograf und Bildreporter für zahlreiche Zeitungen und Magazine (u. a. Die Zeit, Spiegel, GEO, Süddeutsche Zeitung Magazin, Wirtschaftswoche) tätig.
Eine langjährige Zusammenarbeit im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit verbindet Karsten de Riese mit den Auftraggebern Bayerische Rück, BMW, Daimler-Benz Aerospace, Deutsche Telekom, Drägerwerke, Goethe-Institut, Lufthansa, Münchener Rück und WestLB.[5]
Seinen Vorlass mit knapp 400.000 Fotos archiviert die Bayerische Staatsbibliothek.
Auszeichnungen
- Joseph-E.-Drexel-Stiftung: Träger des Joseph-E.-Drexel-Preises 1983.
Veröffentlichungen
- Christian Schütze (Text), Karsten de Riese (Foto): Deutschlandbilder 7. Die Grenze. Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1990.
- Deutscher Bundestag – Neuer Plenarbereich. Acht Fotografen sehen den neuen Plenarbereich des Deutschen Bundestages in Bonn. Martin Charles, Fritz Dressler, Farshid Assassi, Antonio Martinelli, Walde Huth, Karsten de Riese, Hervé Abbadie, Christian Kandzia, Edition Braus, Heidelberg 1995, ISBN 978-3-89466-122-9.
- Das durchaus wahre Märchen von 4 Männern, 2 BMW's viel Wüstem – und wie es endlich doch noch Friede ward. In: Stiftung Hochschule für Gestaltung Ulm (Hrsg.): Freundschaft und Begegnung. Erinnerungen an Otl Aicher. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1997, ISBN 3-88294-242-8, S. 76–79.
- Karsten de Riese: Von Vätern und Söhnen. Geschichten zwischen Generationen. Knesebeck, München 2013, ISBN 978-3-86873-493-5.
- Rotis und Otl Aicher. Dokumentiert in Fotos von Karsten de Riese. Heimatpflege Leutkirch e.V., 2017, ISBN 978-3-00-056726-1.
- Günther Grzimek, Stephan Rainer: Die Besitzergreifung des Rasens. Folgerungen aus dem Modell Süd-Isar Grünplanung heute. Gestaltung von Otl Aicher, Fotografien von Karsten de Riese, Callwey Verlag, München 1983, ISBN 978-3-7667-0686-7.
Literatur
- Paul Simsa: Freude am Fahren. BMW Charakter einer Automarke. BMW Edition im ECON Verlag, Düsseldorf 1983, ISBN 3-430-18534-3.
- Hans Hermann Wetcke (Hrsg.): in rotis. Lüdenscheid 1987.
Weblinks
- Website Karsten de Riese
- Haus der Bayerischen Geschichte: Zeitzeugeninterview von Michael Bauer mit Karsten de Riese, geführt am 12. November 2022 und 1. Dezember 2022. Die vier kurzen Interviewausschnitte behandeln unter anderem die Themen: Gastarbeiter, Olympia 1972 München, Antisemitismus nach 1945 und eine kritische Betrachtung des ehemaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage.
Einzelnachweise
- ↑ Riese, Karsten de. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online. K. G. Saur, 2021, ISSN 1865-0511, DNB 027316742 (degruyterbrill.com [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ Michael Bauer: Zeitzeugen berichten, Karsten de Riese. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Karsten de Riese: Kein Strukturalist wie Otl Aicher. In: Michael Koetzle, Carsten Wolff (Hrsg.): Fleckhaus. Deutschlands erster Art Director. Klinkhardt & Biermann, München/Berlin 1997, ISBN 3-7814-0405-6, S. 142–145.
- ↑ Michael Koetzle, Carsten Wolff (Hrsg.): Fleckhaus. Deutschlands erster Art Director. Klinkhardt & Biermann, München/Berlin 1997, ISBN 3-7814-0405-6, S. 128.
- ↑ Karsten de Riese: Information. In: Karsten de Riese. Abgerufen am 13. Januar 2026.