Karolina Karlowna Pawlowa

Karolina Karlowna Pawlowa (russisch Кароли́на Ка́рловна Па́влова; * 10. Julijul. / 22. Juli 1807greg. in Jaroslawl; † 2. Dezemberjul. / 14. Dezember 1893greg. in Hosterwitz)[1] war eine russische Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin, bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Übersetzungen von Werken der russischen Literatur ins Deutsche und Französische sowie ihre Übertragungen westeuropäischer Werke ins Russische und andere Sprachen.[2]

Leben

Die Schriftstellerin wurde als Tochter des deutschen Arztes Karl Jaenisch im russischen Jaroslawl geboren. Sie erhielt eine vorzügliche Bildung und beherrschte neben Russisch und Deutsch auch Französisch, Englisch und Italienisch.

Schon in jungen Jahren verkehrte sie in Moskauer literarischen Salons. Dort traf sie bedeutende russische Schriftsteller und Dichter, darunter Jewgeni Abramowitsch Baratynski, Alexander Sergejewitsch Puschkin, Wassili Andrejewitsch Schukowski und Dmitri Wladimirowitsch Wenewitinow, denen sie ihre Lyrik vortrug. Später war sie mit slawophilen Intellektuellen wie Konstantin Aksakow (1817–1860), iwan Aksakow (1823–1886), Nikolai Jasykow (1803–1846) und Iwan Wassiljewitsch Kirejewski befreundet. 1826 lernte sie Adam Mickiewicz kennen, dem sie bis 1829 persönlich sehr nahestand und der einen nachhaltigen Einfluss auf sie ausübte, ihre Liebe jedoch nicht erwiderte. Überliefert sind ein Abschiedsgedicht, das Mickiewicz ihr 1829 vor seiner Abreise aus Russland widmete, sowie ein kurzer Briefwechsel. Sie übersetzte Fragmente aus Mickiewicz' Konrad Wallenrod sowie ein Sonett und eine Ballade ins Deutsche. Bis zu ihrem Tode soll sie einen Ring getragen haben, den Mickiewicz ihr geschenkt hatte.[2]

1829 begegnete sie in Moskau Alexander von Humboldt. Sie heiratete 1837 den Dichter Nikolai Pawlow (1803–1864), mit dem sie in Moskau einen beliebten literarischen Salon betrieb. Die Ehe endete 1853, nachdem Pawlow, der ihr beträchtliches geerbtes Vermögen durch Glücksspiel verschwendet hatte, Konkurs anmelden musste und mehrere Monate im Gefängnis verbrachte.

Nach der Scheidung ließ sie sich zunächst in Dorpat und später in St. Petersburg nieder. Eine Europareise führte Karolina Pawlowa unter anderem nach Konstantinopel. In Weimar traf sie Franz Liszt, der zwei ihrer Gedichte vertonte. Ab November 1858 lebte sie in Dresden, anfangs im Hôtel de Pologne und dann zurückgezogen in Dresden oder Hosterwitz in bescheidenen Verhältnissen zur Miete. Sie befreundete sich mit Claire von Glümer. Bei dessen Dresdner Aufenthalten hatte sie engeren Kontakt zu Alexei Konstantinowitsch Tolstoi. Engere Beziehungen bestanden auch zu Wilhelm Wolfsohn, in dessen Russischer Revue sie publizierte, und zu Berthold Auerbach. In Dresden erlangte sie bald den Ruf einer vorzüglichen Übersetzerin.

Literarisches Werk

Karolina Karlovna Pavlova schrieb formvollende Lyrik und Prosa, zunächst in deutscher und französischer Sprache, und übersetzte hochwertig aus dem Russischen in diese beiden Sprachen und deutschsprachige Literatur ins Russische. Trotz des relativ geringen Umfangs ihres Werks zählt sie zu den wichtigsten russischen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie gilt sie als bedeutende Mittlerin zwischen der russischen und deutschen Kultur, aber erst nach 1900 wurde ihr literarisches Schaffen wiederentdeckt und gewürdigt. Eine erste vollständige Sammlung ihrer Gedichte erschien 1964 in Moskau/Leningrad.

„In ihren russisch geschriebenen Werken bevorzugte (sie) die intime Lyrik, Elegie und Sendschreiben, in denen sie oft die Situation des von der Gesellschaft unverstandenen Dichters reflektierte.“[3] Soziale Themen blieben ihr fremd. In dem Roman in Versen und Prosa Ein Doppelleben (1848) setzte sie sich anhand des Lebens einer jungen Frau mit den bürgerlichen Konventionen in der Adelsgesellschaft auseinander. Ihr Poem Gespräch in Trianon (1848), in dem sie die Französische Revolution reflektierte, wurde verboten und konnte nur handschriftlich verbreitet werden, obwohl sie selbst keinerlei Sympathie für die Revolution empfand. In dem patriotisches Poem Gespräch im Kreml (1854) behandelte sie von slawophilen Positionen aus das Verhältnis Russlands zu Westeuropa.

Weitere Werke (unvollständig)

Lyrik und Prosa

  • Das Nordlicht. Proben der neuen russischen Literatur (1833; Auswahl eigener und übersetzter Werke)
  • Les préludes par m-me Caroline Pavlov née Jaenisch (1839; Auswahl eigener und übersetzter Werke)
  • Eine übereilte Ehe (1859, Komödie)

Übersetzungen

Literatur

  • A. A. Surkov (Hrsg.): Kratkaja Literaturnaja Ėnciklopedija, Bd. 5, Moskau 1968, S. 530.
  • Gerhard Steiner u. a. (Hrsg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1980; Band 3, S. 33
  • Frank Göpfert (Hrsg.): Das deutsche Werk Karolina Karlovna Pavlovas. Textsammlung zur ersten deutschen Gesamtausgabe. Eigenverlag, Wilhelmshorst, 1994; ISSN 0945-8530 (Reihe der Universität Potsdam FrauenLiteraturGeschichte. Texte und Materialien zur russischen Frauenliteratur, Band 1.3)
Commons: Karolina Karlowna Pawlowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Max Vasmer: Russische und polnische Gedichte im Nachlaß von Karoline Pavlova. In: Zeitschrift für slavische Philologie. Band 27, 1959, S. 35, JSTOR:24000289.
  2. a b Rolf-Dieter Kluge (Hrsg.): Von Polen, Poesie und Politik. Adam Mickiewicz. Tübingen: Attempto 1999, S. 286. ISBN 3-89308-308-1
  3. Barbara Hiller: Pavlova (Pawlowa) Karolina Karlova. In: Gerhard Steiner u. a. (Hrsg.): Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1980; Band 3, S. 33