Karol Karski
Karol Adam Karski (* 13. Mai 1966 in Warschau) ist ein polnischer Politiker (PC, AWS, PiS) und Rechtswissenschaftler. Von 2005 und 2011 war er Abgeordneter des Sejm in der V. und VI. Wahlperiode. Er fungierte als Staatssekretär im Außenministerium in der Regierung Jarosław Kaczyńskis und war von 2014 bis 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments.
Leben und Beruf
1990 beendete er das Studium der Rechtswissenschaften an der Fakultät für Rechts- und Verwaltungswissenschaften der Universität Warschau. 1991 beendete er das Studium am Institut für Internationale Beziehungen an der Universität Warschau. 1998 promovierte er auf Grundlage der Doktorarbeit mit dem Titel „Der Zerfall der Sowjetunion und das Völkerrecht“. Er absolvierte auch Aufbaustudien an der Akademie des Völkerrechts in Den Haag (1990) und an der Akademie des Europarechts in Florenz (1992). 2011 erfolgte die Habilitation mit der Arbeit „Osoba prawna prawa wewnętrznego jako podmiot prawa międzynarodowego'“. 2023 erhielt er den Professorentitel. Er lehrt in Warschau und Białystok.[1]
Seit 1990 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Internationales Recht der Universität Warschau, wo er auch als Adjunkt in der Abteilung für Völkerrecht tätig war. Er hielt Vorlesungen in den Bereichen Völkerrecht und Europarecht. Er übte auch das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Rats des Polnischen Instituts für Internationales Recht. Er ist Autor vieler wissenschaftlicher Publikationen im Bereich Internationales Recht und Europarecht und ist Mitglied des Vorstandes der Polnischen Gruppe der International Law Association (ILA). 2023 wurde er in den rechtswissenschaftlichen Ausschuss der Polnischen Akademie der Wissenschaften gewählt.[2]
Gegen Karski wurde im Herbst 2024 in Sachen Collegium Humanum - Warsaw Management University ermittelt[3] und schließlich im November des Folgejahres Anklage erhoben.[4]
Karski ist seit 2007 verheiratet.[5]
Politik
Noch vor dem Beginn seines Studiums trat er dem parteinahen Studentenverband Zrzeszenie Studentów Polskich (ZSP) bei. Nach Angaben von Włodzimierz Czarzasty war er in dieser Organisation in der zentralen Leitungsebene aktiv, unter anderem Vorsitzender der Hauptrevisionskommission[6]. Karol Karski streitet dies ab. Wegen seiner Tätigkeit im ZSP wurde er am 7. März 2001 von Präsident Aleksander Kwaśniewski mit dem Goldenen Polnischen Verdienstkreuz ausgezeichnet[7].
1988 wurde er auf Empfehlung des ZSP Mitglied der Rada Narodowa des Warschauer Stadtteils Żoliborz[8].
Ab 1994 war er als Kommunalpolitiker in Warschau aktiv. Er war Stadtrat der Gemeinde Warszawa-Centrum und des Stadtteils Żoliborz. Bei den Selbstverwaltungswahlen 1994 wurde er als Mitglied der Porozumienie Centrum (PC), der er bis 2000 angehörte, auf der Liste „Prawica Razem“ in den Gemeinderat gewählt. In den Jahren 1994 bis 1998 war er Stellvertretender Vorsitzender des Sejmik der Woiwodschaft Warschau. Bei den Parlamentswahl 1997 bewarb er sich auf der Liste des Wahlbündnisses Akcja Wyborcza Solidarność, an dem sich die PC beteiligte, erfolglos um ein Mandat im Sejm.[9] Er wurde später Mitglied der Prawo i Sprawiedliwość (PiS), wo er seit 2006 Funktionär für Parteidisziplin ist[10].Seit den Selbstverwaltungswahlen 2002 war er für die PiS Mitglied des Stadtrats von Warschau,[11] war dessen Stellvertretender Vorsitzender (2002 bis 2005) und Vorsitzender (2005). Er bekleidete von 2004 bis 2005 das Amt des Vizepräsidenten des Europäischen Ausschusses der Regionen.
Włodzimierz Czarzasty und dem Tygodnik Powszechny zufolge war er Mitglied der Vereinigung "Ordynacka",[12] einer Vorfeldorganisation des Sojusz Lewicy Demokratycznej. Diese gilt als Kaderschmiede der Postkommunisten.
Bei den Parlamentswahlen 2005 wurde er für den Wahlkreis Warschau über die Liste der PiS in den Sejm gewählt. Er erzielte 2.953 Stimmen[13]. Im Sejm der V. Wahlperiode übte er das Amt des Vorsitzenden der Kommissionen für EU Angelegenheiten sowie für die Überarbeitung des Präsidialentwurfes für ein Lustrationsgesetz. Karski war auch Vorsitzender der Außerordentlichen Sejm Kommission für die erste Novellierung der Polnischen Verfassung. Er beschäftigte sich dabei mit Verfahren und Zulässigkeit von Auslieferungen, insbesondere der Ausführung des Europäischen Haftbefehl und den Grundsätzen der Zusammenarbeit Polens mit dem Internationalen Strafgerichtshof. Er war Vorsitzender der Delegation des Sejm sowie des Senats zur Parlamentarischen Versammlung des Europarates. In den Jahren 2006 bis 2007 war er Stellvertretender Vorsitzender der Unterkommission dieser Versammlung für den Kampf gegen Verbrechen und Terrorismus. 2007 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung. Er ist Mitglied des Rats des Ständigen Forums für Polnisch-Deutsche Zusammenarbeit. Vom 6. September bis zum 21. November 2007 war er Staatssekretär im Außenministerium.
Bei den Parlamentswahlen 2007 wurde er mit 3.524 Stimmen zum zweiten Mal Abgeordneter für die PiS. In der VI. Wahlperiode war er erneut Mitglied des Vorstandes der PiS Fraktion.[14] Er war von 2007 bis 2009 Stellvertretender Vorsitzender der Sejm-Kommission für Äußere Angelegenheiten und Mitglied der Sejm-Kommission für EU Angelegenheiten. Bei der Parlamentswahl 2011 verpasste er die Wiederwahl.[15]
Bei der Europawahl 2014 wurde Karski ins Europäische Parlament gewählt.[16] Bei der Europawahl 2019 gelang ihm die Wiederwahl.[17] Bei den Europawahlen 2024 kandidierte er ein weiteres Mal auf der Liste der PiS, konnte aber sein Brüsseler Mandat nicht verteidigen.[18][19]
Ehrungen
- 2001 Goldenes Verdienstkreuz der Republik Polen[20]
- 2005 Silberne Gloria-Artis-Medaille für kulturelle Verdienste[21]
Ihm wurde die Ehrendoktorwürde der Philosophie der Nationalen Pädagogischen Dragomanov-Universität in Kiew, am 2. Oktober 2015 verliehen.[22] Weiterhin ist er Honorarprofessor der WIUU Wisconsin International University Ukraine[23] und Inhaber der Dragomanov-Medaille für europäische Kommunikation.
Einzelnachweise
- ↑ Nowa Nauka Polska. Abgerufen am 20. November 2024.
- ↑ „Wyniki Komitet Nauk Prawnych PAN“ auf bip.pan.pl, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Były europoseł Karol Karski z zarzutami. 15. November 2024, abgerufen am 15. November 2024 (polnisch).
- ↑ „Kolejny polityk z zarzutami w aferze“ auf businessinsider.com.pl, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ „Poseł Karski jest już żonaty“ auf rozrywka.dziennik.pl, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Portal dziennik.pl vom 29. November 2007 ( des vom 29. April 2008 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Information der Präsidentschaftskanzlei prezydent.pl (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Artikel der Gazeta Wyborcza Portal gazeta.pl vom 29. November 2007 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Information auf der Homepage der PiS ( des vom 3. Mai 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Artikel im "Tygodnik Powszechny" vom 9. März 2003
- ↑ Service der Polnischen Staatlichen Wahlkommission
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Najwięksi przegrani wyborów. Oni nie pojadą do Brukseli onet.pl, 9. Juni 2024.
- ↑ Verleihnachricht in Monitor Polski 2001, S. 231.
- ↑ „Lista laureatów medalu Zasłużony Kulturze - Gloria Artis“ auf mkidn.gov.pl, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ http://www.npu.edu.ua/index.php/ua/podii/3559-deputat-yevroparlamentu-pochesnyi-doktor-npu
- ↑ Archivierte Kopie ( des vom 4. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Weblinks
- Seite von Karol Karski als Abgeordneter des Sejm
- Karol Karski in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments