Karmesinhonigfresser
| Karmesinhonigfresser | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina), wissenschaftliche Illustration von Joseph Smit | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Myzomela chermesina | ||||||||||||
| Gray, 1846 |
Der Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina) ist eine endemische Vogelart auf der von der Hauptinsel circa 600 km nordwestlich gelegenen Inselgruppe Rotuma in Fidschi. Er ist ein Singvogel aus der Familie der Honigfresser (Meliphagidae).[1][2][3][4]
Merkmale
Karmesinhonigfresser haben ein auffälliges, kontrastreiches Gefieder[3] und erreichen eine Gesamtlänge von 12 cm.[4] Die Geschlechter unterscheiden sich farblich kaum. Das Weibchen weist lediglich eine etwas mattere Gefiederfärbung auf.[3] Die Brust und Flanken sind rot, der Rücken und Bürzel sind leuchtend karmesinrot gefärbt. Der Kopf, die Flügel, der Bauch und Schwanz sind seidig schwarz. Der Schnabel ist wie bei allen Arten der Honigfresser (Meliphagidae) und der Gattung Myzomela länglich und leicht gebogen.[3]
Eine Verwechselung des Karmesinhonigfressers mit einer anderen Vogelart ist nicht möglich, da keine vergleichbare Vogelart in seinem kleinen Verbreitungsgebiet vorkommt.[3][4]
Verbreitung
Als Lebensraum dient dem Karmesinhonigfresser ein sehr kleines Verbreitungsgebiet auf der Rotuma–Inselgruppe, welche aus 14 Inseln besteht. Da der gesamte natürliche auf den Inseln vorkommende Wald für Wanderfeldbau und Plantagen gerodet wurde, ist nur eine ausgedehnte Sekundärbuschvegetation vorhanden. Der Karmesinhonigfresser scheint diesen Ersatzlebensraum zu tolerieren und aufgrund seiner Häufigkeit und Anpassungsfähigkeit, ist das Risiko durch die Auswirkungen von Zyklonen für seine Gesamtpopulation reduziert. Die Population wird von BirdLife International auf 10000 bis 20000 fortpflanzungsfähige Individuen geschätzt.[1] Er ist häufig bis sehr häufig anzutreffen und zählt zu den häufigsten Vögeln der Inseln.[3]
Lebensraum
Der Karmesinhonigfresser besiedelt alle Lebensräume der Hauptinsel und der vorgelagerten kleineren Inseln, einschließlich der Waldränder und Plantagen.[1][4] Es werden Höhenlagen von Meereshöhe bis 500 m besiedelt.[2] Bei einer Untersuchung im Jahr 2018 wurde er häufiger in offenen und halboffenen Gebieten, wie zum Beispiel Dörfern, Küstenregionen und Ackerland, als in dichten Sekundärwäldern beobachtet. Er erreicht ein durchschnittliches Alter von 2 bis 3 Jahren im natürlichen Lebensraum.[1] Bei einzelnen Individuen wurde ein Alter von bis zu 8 Jahren aufgezeichnet.[2]
Lebensweise
Er ernährt sich hauptsächlich von Nektar und kleinen Insekten. Im Jahr 2018 wurde der Karmesinhonigfresser beim Fressen an der Kokosnusspalme (Cocos nucifera), dem Nonibaum (Morinda citrifolia), Pritchardia pacifica, dem Afrikanischen Tulpenbaum (Spathodea campanulata) und der eingeführten Zierpflanze Stachytarpheta cayennensis ex. urticaefolia aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae) beobachtet. Weiter werden Wirbellose in den toten, trockenen Blättern der Kokosnusspalme gefressen. Die Blüten von kultivierten Hibiskusarten dienen als Nahrung, indem die Basis der Blüte von hinten mit dem Schnabel durchstochen wird, um an den Nektar zu gelangen.[1] Er sucht seine Nahrung in allen Höhenlagen, bevorzugt jedoch in höherer Vegetation.[3]
Fortpflanzung
Der Karmesinhonigfresser erreicht seine Geschlechtsreife ungefähr am Ende des ersten Lebensjahres.[2] Das Nest wird in Bäumen und Büschen, als auch auf dem Boden oder in Bodennähe errichtet.[2]
Gesang
Der Gesang des Karmesinhonigfressers ist oft auf den Inseln wahrnehmbar. Er ist sperlingsartig mit zwitschernden Phrasen, die in einem variablen Muster und Abstand vorgetragen werden.[3]
Gefährdung
Die Gesamtpopulation des Karmesinhonigfressers gilt als gefährdet mit einem hohen Risiko des Aussterbens in der Natur in unmittelbarer Zukunft, da sie ein sehr kleines Verbreitungsgebiet hat und daher durch zufällige Ereignisse und menschliche Einflüsse, wie die Ansiedlung eingeschleppter Raubtiere oder anderer invasiver Vogelarten und Nahrungskonkurrenten, bedroht ist. Von der Weltnaturschutzunion IUCN wird der Karmesinhonigfresser in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt und mit dem Status als gefährdet (Vulnerable) eingestuft. Der Populationstrend wurde mit stabil bewertet und veröffentlicht.[1]
Der Karmesinhonigfresser wird durch die nationale Gesetzgebung in Fidschi geschützt. Eine weitere Schutzmaßnahme für den Karmesinhonigfresser ist seit dem Jahr 2020 die Dezimierung der Hirtenmaina (Acridoteres tristis) durch BirdLife Pacific, welche seit Ende 2017 oder Anfang 2018 auf der entlegenen Rotuma–Inselgruppe angetroffen wurde. Die Hirtenmaina beeinträchtigt die Entwicklung der Population des Karmesinhonigfressers durch Prädation. Weitere Schutzmaßnahmen für den Karmesinhonigfresser sind: Erhebungen um die Populationsgröße zu überwachen, Sammeln von Informationen über die Nahrungs- und Brutbedürfnisse, Bewertung der kleinen Populationen auf allen vorgelagerten Inseln, Untersuchungen zu den Verbindungen zwischen der Populationen auf der Hauptinsel und den vorgelagerten Inseln, Beobachtung der Population der Pazifischen Ratte (Rattus exulans) und deren Auswirkungen auf die Population des Karmesinhonigfressers. Daneben sollen strenge Quarantänemaßnahmen durchgeführt werden, um die Ansiedlung weiterer invasiver Arten auf der Rotuma–Inselgruppe zu verhindern.[1]
Literatur
- Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 673 & 675.
Weblinks
- Myzomela chermesina Eintrag in der Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 14. Dezember 2025
- Birdlife Artbeschreibung Myzomela chermesina, abgerufen am 14. Dezember 2025
- Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina) bei Avibase
- Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina)
- Myzomela chermesina in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2023.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2021. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Myzomela chermesina in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN.
- ↑ a b c d e Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina) bei Avibase
- ↑ a b c d e f g h Karmesinhonigfresser (Myzomela chermesina) auf eBird.org
- ↑ a b c d Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 673 & 675.