Karmelitenkloster Bamberg

Das Kloster St. Maria und St. Theodor am Kaulberg ist ein Kloster in Bamberg und gehört kirchlich zum Erzbistum Bamberg. Die 1157 gegründete Zisterzienserinnenabtei, die bis zu ihrer Auflösung 1554 den Charakter eines adeligen Nonnenstifts mit benediktinischer Regel angenommen hatte, diente 1589 bis 1802 bzw. dient wieder seit 1902 als Kloster der Karmeliten. Während Kirche, Krypta, Petruskapelle, Provinzialverwaltung und ein als Konvent genutztes Wohnhaus Am Knöcklein im Eigentum des Ordens verblieben, wurden Klausurbereich und Brauhaus 2020 bis 2025 zur Wohnanlage Kloster Karree umgebaut.

Weite Teile der Anlage, die sich vollständig im Ensemble „Altstadt Bamberg“ bzw. der UNESCO-Welterbestätte „Altstadt von Bamberg“ befindet, stehen als Einzeldenkmäler unter Schutz.[1] Die im Kern romanische, von Leonhard Dientzenhofer barockisierte Klosterkirche und der Kreuzgang, der Ende des 14. Jahrhunderts in anachronistischen romanischen Formen errichtet wurde, stellen die kunstgeschichtlich bedeutsamsten Teile des Klosters dar. Der Um- und Ausbau der Klausur 1737 bis 1739 geht auf Entwürfe von Balthasar Neumann zurück.

Geschichte

Spital und Nonnenstift

Angeblich soll schon Bambergs erster Bischof Eberhard I. im Jahr 1030 auf dem Hügel gegenüber dem Dom ein Hospital für Kranke und Arme gegründet und es dem Heiligen Theodor geweiht haben.[2] Urkundlich nachweisbar ist es aber erst 1144. Im Bereich dieses Hospitals ließ Bischof Eberhard II. 1157 mit Hilfe von Gertrud, Witwe des Pfalzgrafen Hermann von Höchstadt-Stahleck, mit Hilfe von Zisterzienserinnen aus der Abtei Wechterswinkel das Frauenkloster St. Maria und St. Theodor errichten und ausnehmend reich mit finanziellen Mitteln und Grundbesitz ausstatten. Die Nonnen übernahmen die zisterziensische Regel; formal in die Reihe der Zisterzienserklöster aufgenommen wurde die Bamberger Niederlassung allerdings nie.[3] Den Bischof hatte bei der Gründung des Klosters vor allem die Absicht bewegt, dass „unsere Stadt, die von allen Seiten durch Bollwerke von Kanonikern und Mönchen umgeben ist, auch gottgeweihte Jungfrauen in ihrem Umkreise besitzt, der Dienst Gottes in ihr gemehrt und die Versorgung der Armen und Fremden nichts zu wünschen übriglasse“.[4] Spätestens im 16. Jahrhundert hatte sich das Kloster, das stets nur sehr bedingt der Regel der Zisterzienserinnen gefolgt war, zu einem Damenstift mit benediktinischer Observanz gewandelt.

Besiedlung durch die Karmeliten

Das Frauenkloster wurde 1525 im Bauernkrieg geplündert und nach dem Zweiten Markgrafenkrieg 1554 aufgelöst. Im Jahre 1589 zogen die vorher im Kloster in der Au ansässigen Karmeliten ein. Der Konvent war berühmt wegen seiner Bibliothek, für die 1592 ein eigener Bibliotheksbau notwendig wurde. 1675 wurde sie neu gestaltet. Zwischen 1692 und 1702 barockisierte Leonhard Dientzenhofer die Klosterkirche. Balthasar Neumann verantwortete 1737 bis 1739 den Um- und Ausbau der Klausur, der den vier Flügeln eine einheitliche spätbarocke Außenerscheinung verlieh.

Staatliche Nutzung

Das Karmelitenkloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und gelangte an das Königreich Bayern. Der umfangreiche Grundbesitz wurde veräußert. Die bayerische Militärverwaltung richtete in der Klausur eine Infanteriekaserne und ein Lazarett ein, die Kirche diente als Stallung und Lagerhaus. Einige Räume nutzte man zeitweise als Ausbildungsstätte für Krankenpflegerinnen, als Schule und Mietwohnungen. Durch die Zweckentfremdung kam es zu gewichtigen Einbußen der historischen Bausubstanz: Die Militärverwaltung ließ alle Säulen des Kreuzgangs im Westflügel herausreißen und durch eine Mauer mit Fenstern ersetzen. Die Möbel, Kunstwerke und die Bibliotheksbestände wurden versteigert, Einrichtungsgegenstände der Kirche kamen in andere Kirchen.

Als das Militär 1892 in die neu errichtete Lagarde-Kaserne umsiedelte, stand der komplette Abbruch der mittlerweile stark renovierungsbedürftigen Klosterbauten (mit Ausnahme von Kirche und Kreuzgang) zur Debatte, um Platz für den Neubau des Kreisarchivs zu schaffen. Ein Grundtausch mit der Stadt Bamberg wendete die Zerstörung ab.

Wiederbesiedlung durch die Karmeliten

1902 erwarben die Beschuhten Karmeliten aus Straubing den Klosterkomplex und setzten sogleich umfangreiche Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen in Gang, die insbesondere die Kirche betrafen. Ein Teil der zerstreuten Ausstattung, darunter die Rokoko-Bücherschränke der Bibliothek, konnte der Orden zurückerwerben.

Im Rahmen ihrer seelsorgerischen Tätigkeit begründeten die Bamberger Karmeliten zwei Bildungseinrichtungen in ihren Gebäuden: Am 1. September 1918 begründeten sie das Marianum als Seminar mit angeschlossenem Internat für Knaben, die eine kirchliche Ausbildung anstrebten. Da die Zahl der Seminaristen stets abnahm, wandelten die Karmeliten das Marianum 1991 in ein kirchliches Bildungshaus um, das von einem eigens gegründeten Verein getragen wurde. Es stellte 2008 aus wirtschaftlichen Gründen seinen Betrieb ein.[5] Das 1946 von Pater Jakobus Beck ins Leben gerufene Spätberufenenwerk Theresianum hingegen besteht noch heute als humanistisches Gymnasium, Kolleg und Seminar, wenn auch seit 2018 in Trägerschaft der Caritas-Schulen.

Nachdem die Karmeliten mit der Wiederbesiedlung und der Einrichtung des Marianums und Theresianums bereits zahlreiche Umbauarbeiten im Kloster angestoßen hatten, kam es zwischen 1961 und 1974 neben der Restaurierung der wertvollen mittelalterlichen Bauteile (insbesondere des Kreuzgangs) zu erheblichen Eingriffen in die historische Bausubstanz. Unter anderem wurde dabei das repräsentative spätbarocke Treppenhaus im Ostflügel zu Gunsten neuer Wohn- und Büroräume abgebrochen. In nahezu allen Fällen fertigte das Bamberger Büro von Gregor Neundorfer und Peter Seemüller die Pläne. 2009 bis 2019 richtete der Orden im Kellergeschoss des Bibliotheksflügels am Karmelitenplatz einen Klosterladen ein (Umbauplanung: Decker Architekten & Ingenieure, Bamberg).

Teilweise Umwandlung zur Wohnanlage Kloster Karree

Aus Mangel an Nachwuchs und wegen der hohen Baulast entschieden sich die Karmeliten 2017, den Großteils ihres Klosters an die durch Erik Roßnagel vertretene terraplan-Gruppe aus Nürnberg zu verkaufen,[6][7] die auf die Sanierung und Konversion von unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden und Anlagen spezialisiert ist. Im Rahmen des Umbaus 2020 bis 2025 wurden in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Bamberg und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in den Räumen der Klausur, des Brauhauses und dem Klosterstadel 86 barrierearme und barrierefreie Eigentumswohnungen eingerichtet.[8][9] Unter dem Klostergarten im Süden der Klausur wurde eine Tiefgarage mit begrünter schräger Fassade eingebaut. Die Planung lag in Händen des Potsdamer Büros van geisten.marfels architekten,[10] die Innenarchitektur verantwortete der Berliner Architekt Eugen Gehring, die Garten- und Freiflächen gestaltete das Büro Oehm & Herlan aus Nürnberg.[11] Die Anlage erhielt den Markennamen Kloster Karree, das 2025 mit dem immobilienmanager-Award in der Sparte „Projektentwicklung Bestand“ ausgezeichnet wurde.[12]

Die verbliebenen Karmeliten nutzen heute das 1892 erbaute Doppelhaus Am Knöcklein 7–9 als Kloster; die frühere Pianoforte-Fabrik J. C. Neupert (Nr. 11–13) beherbergt die Provinzverwaltung des Ordens. Die Klosterkirche, die Petruskapelle und die Krypta blieben im Eigentum des Ordens; Letztere wird weiterhin für Gottesdienste genutzt und ist – ebenso wie der Kreuzgang – nach wie vor von Donnerstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr, öffentlich zugänglich. Im Kreuzgang informiert seit 2025 eine Dauerausstellung mit archäologischen Fundstücken über die Geschichte und Architektur der Klosterbauten.

Bauten des Klosters

Die Kirche St. Maria und St. Theodor

Architekturgeschichte

Im Untergrund dieser Kirche sind romanische Teile der alten Kirche erhalten. Der einzige sichtbare Rest ist das so genannte Löwenportal an der Westseite der jetzigen Kirche. Sie war mit zwei Türmen geplant, jedoch nur der heute bestehende wurde vollständig errichtet, der zweite blieb als Turmstumpf bis 1808 bestehen. In dieser Kirche fand der Bamberger Bischof Hermann II. (im Amt 1170 bis 1177) seine letzte Ruhestätte.

Bei der Barockisierung von 1692 bis 1702 durch Leonhard Dientzenhofer wurde die Kirche grundlegend geändert: Der vorher im Osten stehende Hochaltar wurde im Westen der Kirche aufgestellt. Das Löwenportal verlor seine Funktion als Haupteingang und wurde zugemauert. Die Ostfassade, nun die Eingangsseite der Kirche, erhielt ihren künstlerischen Schmuck durch Leonhard Gollwitzer (auch Goldwitzer). Über dem Haupteingang befindet sich die Skulptur Maria mit Kind und dem Skapulier, angelehnt an das Bild Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren. Karmelitenheilige befinden sich in den Nischen der Fassade. Als Giebelabschluss wurde der Prophet Elias, die Vorbildperson des Ordens aus dem Alten Testament, gewählt. 1797 wurden die Turmhelme erneuert.

Mit der Zweckentfremdung im Zuge der Säkularisation verlor die Kirche ihre Einrichtung, die Bausubstanz litt unter mangelnder Instandhaltung. Der bayerische Baumeister Ferdinand Freiherr von Hohenhausen ließ 1808 den unfertigen Turm der Kirche einlegen und den Bauschutt zur Aufschüttung der Altenburger Straße (heute der Platz vor der Gaststätte „zur Matern“) verwenden. Bei der Wiederbesiedlung erhielt das Gotteshaus eine neubarocke Ausstattung durch den klostereigenen Kunstschreiner Frater Alois Ehrlich. Die Inneneinrichtung der Kirche stammt zumeist aus der Zeit nach 1902. Nur der Altar der Heiligen Familie und die Kanzel, die zum ursprünglichen Inventar gehörten, konnten zurückerworben und wieder eingebaut werden.

Um 1990 wurde nach einem Plan vom Anfang der zweiten Blüte des Karmelitenklosters in den Räumen unter der Kirche eine eigene Grablege geschaffen. Die Grüfte im Friedhof Bamberg wurden aufgelassen und die sterblichen Überreste der dort Bestatteten in ein Sammelgrab in dieser Krypta überführt.

Orgel

Im hinteren Teil der Kirche steht auf der Empore eine Orgel mit einem Umfang von 38 Registern auf drei Manualen und Pedal. Sie wurde 1955 gebaut von Orgelbauer Michael Weise.[13]

Glocken

Im Kirchturm der Karmelitenkirche hängt ein vierstimmiges Glockengeläut aus Gussstahlglocken, die 1921 vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation gegossen wurden.

Übersicht
Glocke Name Durchmesser Gewicht Schlagton
1 Maria 1494 mm 1398 kg d'-1
2 Elias 1328 mm 1013 kg f'+9
3 Josef 1175 mm 714 kg g'+3
4 Theodor 1020 mm 484 kg g'+3
Quelle: [14]

Klausur

Der Klausurbereich des Klosters besteht aus vier zwei- bis dreigeschossigen Flügeln, die sich um den annähernd quadratischen Innenhof gruppieren. Am Westflügel liegen die Untergeschosse teilweise frei. Im Erdgeschoss an der Hofseite befindet sich der Kreuzgang. Die Anlage wurde im Kern wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet. An der hofseitigen Außenwand des Ostflügels haben sich 1903 freigelegte Reste der spätromanischen Arkatur und des Rücksprungportals des Kapitelsaals erhalten. Für zisterziensische Klöster jener Zeit ist die Existenz eines Kreuzgangs höchst ungewöhnlich und zeigt die frühe Sonderstellung des Bamberger Klosters.[15] Vom 14. bis 17. Jahrhundert kam es zu diversen Um- und Ausbauten, bis die Klausur 1737 bis 1739 nach Entwürfen von Balthasar Neumann außen im spätbarocken Stil vereinheitlicht und mit einer einfachen Fassadengliederung aus Sandstein mit Pilastern, Gesimsen und profilierten und geohrten Fensterrahmungen versehen wurde. Der Westflügel, der das Priorat enthielt, erhielt gegen die Altenburg einen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und Wappen des amtierenden Bischofs Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim im Rocaille-Rahmen. Von den repräsentativen Innenräumen haben sich nur das Refektorium im Südflügel mit Bandelwerkstuck und Reliefs mit Darstellungen aus dem Alten Testament, wohl von Vitus Graupensberger (entstanden zwischen 1724 und 1727),[16] sowie die darüberliegende (neue) Bibliothek mit Rokoko-Bücherschränken, Deckenstuck und ein Secco-Deckengemälde von Johann Anwander (1747, 1903 stark überarbeitet) erhalten, das den Sieg der Glaubenslehre über Dummheit und Ketzerei darstellt. Das Foyer im Erdgeschoss des 1972 bis auf die Fassaden neu aufgebauten Pfortentrakts neben der Kirche wurde im Sinne des Brutalismus mit Sichtbetondecke, Glaswänden, Madonnenfigur und Bronzegittertür neu gestaltet. Im zweiten und dritten Obergeschoss des Westflügels richtete man gleichzeitig für die Seminaristen des Marianums die Petruskapelle ein und bezog dabei die Geschossebene des angrenzenden Westturms der Klosterkirche in den Raum ein.

Der Bibliotheksflügel ist im Südosten lotrecht an den Ostflügel der Klausur angesetzt. An seiner Stelle befand sich vermutlich das im 11. Jahrhundert begründete Spital. Nach dem Neubau 1592 bis 1593 erhielt der Bau bei seiner grundlegenden Instandsetzung durch Georg Trumber 1675 durch Johann Michael Risst seine üppige Fassadengliederung mit Fruchtgirlanden und Figurenreliefs, die die Muttergottes mit Kind, die Karmeliten Teresa von Ávila, Maria Magdalena von Pazzi, Andrea Corsini und Peter Thomas sowie an der Gartenseite den Heiligen Fiacrius darstellen. Im Obergeschoss haben sich mehrere farbig gefasste Stuckdecken der Bauzeit erhalten, die ebenfalls von Risst stammen.

Seit dem Umbau zur Wohnanlage enthalten Klausur und Bibliotheksflügel teils als Maisonetten geschnittene Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Das restaurierte Refektorium und die neue Bibliothek im Südflügel sind in Loftwohnungen einbezogen und im Gegensatz zum Kreuzgang nicht öffentlich zugänglich.

Krypta

Die Krypta unter dem Nordflügel ist vermutlich ebenfalls um 1190 gebaut und später mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe versehen worden. Von der ersten südlichen Seitenkapelle aus betritt man einen unterirdischen saalartigen gotischen Raum. Von diesem gelangt man über Stufen in die Grablegen der Karmeliten. Hier ruhen im mittleren Raum in Schiebegräbern folgende Brüder:

  • Frater (Fr.) Erasmus Ring (* 9. Mai 1932; † 25. August 1989)
  • Fr. Cornelius Hofmann (* 15. November 1929; † 10. November 1990)
  • Pater (P.) Richard Schmidt (* 9. Februar 1951; † 17. Dezember 1992)
  • P. Maria Reiner Hörl (* 1. April 1933; † 14. April 1996)
  • P. Wunibald Schönmann (* 4. Juni 1931; † 28. Juli 1999)
  • P. Maximilian Wagner (* 2. Juni 1929; † 16. Mai 2000)
  • P. Raimund Krempel (* 24. Juni 1912; † 27. Dezember 2000)
  • P. Joseph Kotschner (* 5. April 1924; † 27. März 2001)
  • P. Benedikt Zweier (* 15. Januar 1910; † 13. August 2001)
  • Fr. Heinrich Denzler (* 9. Oktober 1930; † 9. Februar 2004)
  • Fr. Ulrich Steinmüller (* 6. Februar 1962; † 26. April 2004)
  • P. Matthäus Hösler (* 8. Oktober 1937; † 23. April 2009)

Im hinteren Raum sind weitere unbelegte Grablegen eingebaut. Das eine dieser Schiebegräber nahm die sterblichen Überreste der Karmelitenangehörigen auf, die bis zur Einrichtung dieser internen Grablege im Friedhof Bamberg bestattet worden waren.

Kreuzgang

Der heutige Kreuzgang entstand zwischen etwa 1370 und 1400 während der Regierungszeit des Bamberger Bischofs Lamprecht von Brunn, der als Kanzler Kaiser Karls IV. enge Beziehungen zum Kaiserhof in Prag hatte. Vom ersten, romanischen Kreuzgang haben sich nur einige Kämpfer erhalten, die heute an der Innenwand des westlichen Kreuzgangflügels ausgestellt sind. Die Anlage hat eine Größe von 25 auf 35 Metern und zeichnet sich durch seine romanischen Arkadenbögen aus goldbraunem Eisensandstein, seine Säulenbasen mit Ecksporen, die romanischen Kapitelle in Kelchblockform und die Kapitellplastiken im Stil zwischen Romanik und Gotik aus. Man griff damals wohl bewusst auf den damals bereits veralteten romanischen Baustil zurück, um auf die lange Tradition der Abtei hinzuweisen.[17] Die Anlage ist einer der besterhaltenen Kreuzgänge ihrer Zeit.

Wohl die Raumnot machte es erforderlich, dass um 1466 der Ostflügel des Kreuzgangs eingewölbt wurde, um dort – kostengünstiger als mit einem Neubau – Klosterwohnraum zu schaffen. Diese und die späteren Einwölbungen waren der erste große Eingriff in den Bestand der Arkadenreihen. Durch Einmauerung von Säulen musste die Statik für die aufgesetzten Stockwerke gesichert werden. Nach der Auflösung des Klosters und dem Umbau der Gebäude zur Kaserne wurde der westliche Flügel seiner Arkaden beraubt und mit großflächigen Blendbögen vermauert. Teile dieser ursprünglichen Säulen und Kapitelle fanden Verwendung beim Bau einer romantischen Gartenruine im Garten des Bankiers Keilholz, andere gelangten in Privatbesitz und in das Bayerische Nationalmuseum in München. Eine erstmalige Bereicherung durch Rückführung von Kapitellen geschah 1917, als Kaplan Dr. Georg Hofmann die im Keilholzschen Garten – eingelassen in einer künstlichen Ruine – vorhandenen Relikte als solche vom Kreuzgang des Karmelitenklosters identifizieren konnte. Diese Kapitelle erwarb das Kloster zur Bereicherung des Kreuzgangs zurück. Durch neue Feuervorschriften war um 1980 ein Umbau des Klosters nötig. Dabei wurden die noch bestehenden Blendbögen herausgenommen und durch neue Säulen mit rohen und unbearbeiteten Kapitellsteinen ergänzt und so die geschlossene Einheit des Kreuzgangs wiederhergestellt. Bereichert wurde er durch einige vom Bayerischen Nationalmuseum als Dauerleihgabe herausgegebene bildhauerisch bearbeitete alte Kapitelle.

Dem Kreuzgang liegt ein sehr reiches und komplexes ikonografisches Programm zu Grunde, das bis heute nicht vollständig bzw. zweifelsfrei entschlüsselt ist. In den Bildwerken wird Pflanzen-, Tier- und Menschensymbolik benutzt. Abgebildet sind etwa Adam und Eva nach dem Sündenfall, Abrahams Opfer, die Peinigung Christi und die Symbole der vier Evangelisten. Am meisten aber wird auf den Kampf des Menschen zwischen Tugend und Laster angespielt.

Brauhaus mit Stadel (Am Knöcklein 5)

Die Bierproduktion auf dem klostereigenen Gutshof lässt sich erstmals im Jahr 1500 nachweisen. Im Bereich der Braustätte trieb man 1719 bis 1729 in mehreren Bauabschnitten ein bis heute bestehendes, umfangreiches System von Lagerkellern in das Sandgestein am Nordhang des Kaulbergs. Bei ganzjährig relativ konstanten, kühlen Temperaturen konnte das Bier hier längere Zeit gelagert werden, ohne zu verderben. 1767 bis 1768 entstanden der bis heute bestehende nördliche Teil des Klosterbrauhauses sowie das Kellergeschoss des südlichen. Sein namentlich nicht fassbarer Baumeister zitierte bei der Außengestaltung des zweigeschossigen Baukörpers mit hohem Kellersockel, Gliederung aus Lisenen und Gesimsen, profilierten, teils geohrten Rahmungen um die Fenster aus Sandstein und dem Mansarddach mit Giebelgauben die spätbarocken Formen der Klausurbauten, wenn auch der nachgeordneten Bedeutung des Gebäudes entsprechend in schlichterer Ausführung. Im Zuge der Säkularisation gelangte es in den Besitz des Braumeisters Johannes Regus und wurde bis 1902 als private Brauerei genutzt. Nach dem Rückkauf durch die Karmeliten wurde dem südlichen Gebäudeteil 1903 ein weiteres Geschoss aufgesetzt.

Während der Nutzung als Privatbrauerei entstand im Westen des Brauhauses ab 1819 eine Gruppe von Nebengebäuden, bestehend aus einem Stadel und einer Halle für das Göpelwerk, das ab 1876 zum Antrieb von Maschinen im Brauhaus genutzt wurde. 1881 richtete man dort nach Planung des Maurermeisters Johannes Petzold zudem einen Keller ein, in dem das Eis zur Kühlung des Bieres gelagert werden konnte.

Nachdem das Brauhaus 1946 bis 1959 das Spätberufenenwerk Theresianum beherbergt hatte, kamen Pläne auf, das gesamte Bauwerk durch eine Erweiterung des Schulhauses in brutalistischer Formensprache zu ersetzen. Der Plan scheiterte am Widerspruch der Stadt Bamberg, die durch den Neubau das historische Weichbild der Altstadt und den Fernblick auf die Altenburg empfindlich gestört sah. Stattdessen entschied sich der Orden für eine bescheidenere Lösung mit Rücksicht auf die sensible Lage des Gebäudes:[18] 1975 bis 1976 wurde dabei nach Planung des Büros Neundorfer und Seemüller der nördliche Gebäudeteil völlig entkernt, der südliche dagegen durch einen Neubau ersetzt, der die spätbarocken Formen des Altbestandes kopierte. Die Mansarddächer wurden ebenfalls neu aufgebaut.[19]

2010 bis 2017 diente das Brauhaus nach einem neuerlichen Umbau zusammen mit Teilen des westlichen Klausurflügels als Arkadenhotel im Kloster. Seit dem letzten Umbau beherbergen das Brauhaus und der Stadel 24 Eigentumswohnungen, die teilweise als Maisonetten ausgeführt sind.

Literatur

  • Stephan Albrecht: Der Kreuzgang von St. Theodor in Bamberg. In: Achim Hubel (Hrsg.): Neue Forschungen zur mittelalterlichen Bau- und Kunstgeschichte in Franken. Vorträge der Ringvorlesung des Zentrums für Mittelalterstudien der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Sommersemester 2010. University of Bamberg Press, Bamberg 2011, ISBN 978-3-86309-060-9, S. 51–76.
  • Thomas Belz: Ein zisterziensischer Memorialbau in Bamberg? Ein Beitrag zur Baugeschichte des Klosters St. Theodor auf dem Knöcklein. In: Beiträge zur fränkischen Kunstgeschichte. Band 1-2, 1995, S. 21–33.
  • Alexej Borutscheff: Der Karmeliten-Kreuzgang in Bamberg. Eigenverlag, Bamberg 1988.
  • Tilmann Breuer: Der Bamberger Karmelitenkreuzgang und die retrospektiven Tendenzen des 14. Jahrhunderts. In: Berichte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. 1967. Auflage. Band 26, S. 67–82.
  • Adalbert Decker, Günther Thomann: 700 Jahre Karmeliten in Bamberg. Oberdeutsche Provinz der Karmeliten, Bamberg 1972.
  • Reinhard Gutbier: Ehemaliges Frauenkloster, jetzt Kloster des Beschuhten Karmeliten Beatae Mariae Virginis und St. Theodor mit Wirtschaftshof. In: Tilmann Breuer, Reinhard Gutbier, Christine Kippes-Bösche (Hrsg.): Stadt Bamberg. Immunitäten der Bergstadt. 2: Kaulberg, Mattern und Sutte (Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Oberfranken, Band V.3.2). Bamberg/München/Berlin 2003, S. 15–222.
  • Joseph Heller: Verzeichniß von bambergischen historisch-topographischen Abbildungen in Holzschnitt, Kupferstich, Lithographie. J. G. Sickmüller, T. D. Weigel, Leipzig 1841, S. 46 (google.de).
  • Heinrich Mayer: Bamberg als Kunststadt. In: Die Kunst im alten Hochstift Bamberg und in seinen nächsten Einflußgebieten. Band 1. Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 1955.
  • Bruno Müller: Der Bamberger Karmeliten-Kreuzgang (= Langewiesche-Bücherei). 3., revidierte Auflage. Langewiesche, Königstein im Taunus 1988, ISBN 3-7845-0182-6.
  • Peter Seemüller: Karmelitenplatz 1. In: Bamberg. Die Altstadt als Denkmal. Denkmalschutz, Modernisierung, Sanierung. Moos, München 1981, ISBN 3-7879-0164-7, S. 72–73.
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Nachweise

  1. DenkmalAtlas 2.0. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  2. Heller 1841, S. 46.
  3. Gutbier 2003, S. 25–29.
  4. Mayer 1955, S. 219.
  5. Bamberg. In: Karmeliten. Leidenschaft für Gott. Deutsche Provinz der Karmeliten, Provinzverwaltung, abgerufen am 30. September 2025.
  6. Jutta Behr-Groh: Karmeliten verkaufen ihr Kloster. In: Fränkischer Tag. 29. Juli 2017, S. 9.
  7. Stefan Fössel: Wer zieht ins Karmelitenkloster? In: Fränkischer Tag. 3. Januar 2018, S. 9.
  8. Das Kloster wird derzeit saniert. In: Fränkischer Tag. 25. August 2020, S. 10.
  9. Marion Kröger-Hundrup: Baufortschritt im Kloster Karree. In: Fränkischer Tag. 22. September 2022, S. 4.
  10. Karmelitenkloster · Altbau - van Geisten Marfels Architekten. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  11. Referenzen. In: Grünplanung Oehm & Herlan. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  12. RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co KG: imAward2025: Die Gewinner im Überblick. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  13. organindex.de Orgeldatenbank: Bamberg, Karmelitenkirche (St. Theodor)
  14. Glockendatenbank createsoundscape.de: Kath. Karmelitenklosterkirche St. Maria und Theodor in Bamberg
  15. Albrecht 2011, S. 58.
  16. Gutbier 2003, S. 190.
  17. Breuer 1967.
  18. Bauaufsicht der Stadt Bamberg an das Provinzialat der Karmeliten. Bamberg, 6. August 1974 (Stadt Bamberg, Zentralregistratur, Bauakte Karmelitenplatz 1, Band 6).
  19. Zur Baugeschichte des Brauhauses vgl. Gutbier 2003, S. 218–220.

Koordinaten: 49° 53′ 18″ N, 10° 52′ 52″ O