Karmelitenkirche (München)

Die Karmelitenkirche St. Nikolaus war eine frühbarocke Klosterkirche der Karmeliten in München. Sie ist die älteste Barockkirche, die noch im Stadtbild der Münchner Altstadt präsent ist, wenn auch nur als Rekonstruktion. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie säkularisiert. Der rekonstruierte Bau beherbergt in seinem Westteil das Archiv des Erzbistums München und Freising und die Bibliothek des Metropolitankapitels München sowie in seinem Ostteil einen Veranstaltungssaal.

Lage

Die Karmelitenkirche liegt im Kreuzviertel der historischen Altstadt Münchens an der Einmündung der Karmeliterstraße in den Promenadeplatz.

Geschichte

Die Gründung des Karmelitenklosters in München beruht auf einem Gelübde, das Kurfürst Maximilian I. 1620 nach dem Sieg in der Schlacht am Weißen Berg abgelegt hatte, bei der der Karmelitenobere Dominicus a Jesu Maria eine wichtige Rolle gespielt hatte. 1630 berief Maximilian Unbeschuhte Karmeliten aus Prag nach München. Durch den Dreißigjährigen Krieg und die ihn begleitende Not verzögerte sich jedoch der Bau eines Klosters. Die Mönche bewohnten zunächst einen Teil der Wilhelminischen Veste (später Herzog-Max-Burg genannt) und nutzten die in der Nähe liegende Nikolauskirche. Diese hatte Wilhelm V. als Ersatz für die beim Bau der Alten Akademie in den 1580er Jahren abgerissene Nikolauskapelle in der Neuhauser Straße errichten lassen.[1]

Erst 1654 konnte der Bau eines Klosters für die Karmeliten westlich der Wilhelminischen Veste in Form einer Vierflügelanlage nach Plänen von Hans Konrad Asper verwirklicht werden. Im Zug des Neubaus wurde die Nikolauskirche abgerissen und etwas weiter nördlich in der Nordostecke des neuen Klosterkomplexes durch Marx Schinnagl eine Barockkirche als Klosterkirche errichtet. 1660 wurde die neue Kirche geweiht. Sie stand ebenfalls unter dem Patrozinium des heiligen Nikolaus.[1]

Im Zuge des Ausbaus der Promenade zur großbürgerlichen Flaniermeile veränderte Nikolaus Schedel von Greiffenstein 1802 bis 1811 die ursprüngliche Fassade von 1657. Die Karmelitenkirche erhielt nun ein stark klassizistisches Gepräge.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt und 1955–1957 durch Sep Ruf simplifiziert wiederaufgebaut. Rekonstruiert wurden jedoch nur die Fassade und die Chorapsis. Die Kirche wurde profaniert und dient seitdem als Archivgebäude. Im Langhaus wurde ein Veranstaltungs- und Ausstellungsraum eingerichtet. Eine neunregistrige zweimanualige Orgel wurde 1965 von Zeilhuber erbaut. In der reich stuckierten ehemaligen Sakristei wurden 1981 Fresken von Johann Anton Gumpp (1654–1719) und Stuck von Francesco Marazzzo freigelegt.

Literatur

  • Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 381–385.
  • Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-1094-3, S. 253 (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer).
Commons: Karmeliterkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 381 f.

Koordinaten: 48° 8′ 25,1″ N, 11° 34′ 16,7″ O