Karlsötief

Karlsötief
Karlsötief westlich von Gotland vor den beiden Inseln Lilla und Stura Karlsö

Das Karlsötief (engl. Karlsö Deep) ist eine lokale Tiefenstruktur im Westlichen Gotlandbecken der zentralen Ostsee. Es befindet sich nordwestlich der schwedischen Insel Gotland in der Nähe der kleineren Inseln Stora und Lilla Karlsö (Große und Kleine Karlsinsel), nach denen es benannt ist. Mit Tiefen von über 150 Metern stellt es eine der bedeutendsten Unterwassersenken in diesem Teil des Gotlandbeckens dar.[1]

Hydrographisch ist das Karlsötief Teil der komplexen Topographie des Westlichen Gotlandbeckens. Es liegt innerhalb des Einflussbereichs der großräumigen zyklonalen Beckenzirkulation, die das gesamte Gotlandbecken charakterisiert. Diese gegen den Uhrzeigersinn gerichtete Strömung transportiert Wassermassen entlang der bathymetrischen Konturen und beeinflusst so die Verteilung von Salzgehalt, Temperatur und gelöstem Sauerstoff in der Region.[2]

Die ökologischen Bedingungen im Karlsötief unterliegen den gleichen dynamischen Prozessen wie das gesamte Westliche Gotlandbecken. Während und nach großen Salzwassereinströmen (Major Baltic Inflows) kann auch diese lokale Vertiefung mit sauerstoffreichem Tiefenwasser versorgt werden. In Stagnationsphasen hingegen, wenn der Wasseraustausch zum Erliegen kommt, entwickelt sich hier wie in anderen Tiefenbecken der Ostsee Sauerstoffmangel (Hypoxie), der in bodennahen Schichten bis zur vollständigen Anoxie und Bildung von Schwefelwasserstoff (H₂S) fortschreiten kann.[3]

Obwohl das Karlsötief weniger prominent ist als das maximale Landsorttief im selben Becken, stellt es dennoch einen wichtigen Lebensraum für benthische Organismen dar. Die Sauerstoffverhältnisse in dieser lokalen Vertiefung sind ein sensitiver Indikator für die allgemeine Durchlüftungssituation des Westlichen Gotlandbeckens. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass die Häufigkeit und die Dauer von Sauerstoffmangelperioden im Karlsötief in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben, was auf die Kombination aus verstärkter Eutrophierung und veränderten Strömungsmustern zurückgeführt wird.[4]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. State of the Baltic Sea – Second HELCOM holistic assessment 2011–2016 (= Baltic Sea Environment Proceedings, Heft 155). HELCOM – Helsinki Commission, Baltic Marine Environment Protection Commission, 2018 (PDF).
  2. A. Lehmann, H.-H. Hinrichsen: On the wind driven and thermohaline circulation of the Baltic Sea. In: Physics and Chemistry of the Earth, Part B: Hydrology, Oceans and Atmosphere, Band 25 (2000), Ausgabe 2, S. 183–189. DOI:10.1016/S1464-1909(99)00140-9.
  3. Daniel J. Conley, Svante Björck, Erik Bonsdorff et al.: Hypoxia-related processes in the Baltic Sea. In: Environmental Science & Technology, Band 43 (2009), Ausgabe 10, S. 3412–3420. DOI:10.1021/es802762a.
  4. Jacob Carstensen, Jesper H. Andersen, Bo G. Gustafsson, Daniel J. Conley: Deoxygenation of the Baltic Sea during the last century. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, Band 111 (2014), Ausgabe 15, S. 5628–5633. DOI:10.1073/pnas.1323156111.