Karl von Böhlendorff-Kölpin
Karl Franz Alexander von Böhlendorff-Kölpin (* 2. September 1855 in Stettin; † 30. Mai 1925 in Kölpin-vormals Regezow-), war Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags.
Leben
Herkunft
Karl von Böhlendorff-Kölpin war der Enkel des Juristen Franz Philipp Kölpin und der einzige Sohn des Gutsbesitzers und Assessors August (von) Kölpin (* 1820; † 1857) und dessen Frau Berta, geb. von Puttkammer-Jassen (* 1822; † 1899). August von Kölpin, Eigentümer des Gutes Regezow mit Vorwerk Hufe, wurde von dem Provinzialsteuerdirektor-Wirklicher Geheimer Ober-Finanzrat-Karl Ludwig Böhlendorff (* 1767; † 1855) adoptiert und am 25. April 1856 zu Potsdam mit dem Namen[2] von Böhlendorff-Kölpin in den preußischen Adelsstand erhoben.[3] Karls Mutter heiratete als Witwe 1863 den Gutsbesitzer und späteren General z. D. Hermann von Lüderitz auf Lüderitz (Altmark). Böhlendorf-Kölpin hatte drei Schwestern, Olga lebte in Lüderitz[4] und zuletzt in Stettin,[5] Martha heiratete den Fideikommissherrn Walter von Borstel-Groß Schwarzlosen, Wally den Oberst und nachfolgenden Generalmajor Hugo von Spalding.
Biographie
Karl besuchte das Königliche Wilhelms-Gymnasium in Berlin, danach das Kadettenkorps und die Königliche Kriegsakademie. 1875 war er Leutnant im Husaren-Regiment „von Zieten“ in Rathenow. 1881 reiste er nach Afrika und nahm dort im 13. Marschregiment an der französischen Expedition in Tunesien teil. 1883 unternahm er eine Reise ins Innere der Türkei. Bis 1886 besuchte er die Kriegsakademie, 1887 war er Adjutant der 7. Kavallerie-Brigade in Magdeburg und 1888 wurde er zum Großen Generalstab kommandiert. 1890 war er zur Gesandtschaftsreise nach Fès in Marokko kommandiert, 1891 wurde er Rittmeister und Eskadronchef, immer noch bei seinem Regiment im brandenburgischen Rathenow. 1895 erbat er den Abschied behufs Übernahme des väterlichen Gutes in Regezow, welches dieser um 1857 erworben hatte.[6]
Karl von Böhlendorff-Kölpin war Major a. D., Amtsvorsteher, Mitglied des Kreistags und Kreisausschusses, Landschaftsdeputierter und Mitglied des Bezirks- und Landes-Eisenbahnrats. Gut Regezow, das seit etwa 1857 seiner Familie gehörte, ließ er nach längerer Zeit seinem Familiennamen in „Kölpin“ umbenennen.[3] Der Ort behielt aber diesen Namen bis nach 1914. Sein Rittergut hatte einen Umfang von 192 ha.[7]
Von 1899 bis 1918 war Mitglied des Preußischen Hauses der Abgeordneten[8] und Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis Regierungsbezirk Stettin 2 (Ueckermünde, Usedom-Wollin) und die Deutschkonservative Partei von 1903 bis 1907 und von 1912 bis 1918. Bei der 1910 notwendig gewordenen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreis Ueckermünde-Usedom-Wollin verlor er in der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten Alexander Kuntze.[9]
1905 unternahm er eine Studienreise nach Togo und Kamerun und 1906 nach China und Japan. Er war Träger des Roten Adlerordens IV. Klasse, des Kronenordens IV. Klasse und des Persischen Sonnen- und Löwenordens und Nichan-Jftikarordens.
Familie
Am 27. März 1889 vermählte er sich in Berlin[10] mit Hildegard Maria Bertha Eugenie Gräfin von Moltke, geb. Hannover 1870, einer Tochter[11] des Grafen Waldemar Friedrich Karl Detlev von Moltke (1842–1878) und der Brunhilda geb. Freiin von Hurter (1847–1915). Die Ehe blieb kinderlos.[3] Hildegard von Böhlendorff-Kölpin führte mindestens bis 1939 die Gutsgeschäfte in Kölpin, ehemals Regezow, als Administrator agierte ein eingesetzter Verwalter.[12] Hildegard von Böhlendorff-Kölpin, geb. von Moltke, starb 1957 in Reinbek bei Hamburg.[11]
Vortrag Portugals Kolonialbesitz
In der Berliner Zeitschrift Die Gegenwart erschien 1910 sein Themenskript zu Portugals Kolonialbesitz.[13]
Literatur
- Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien. Erster Band, Verlag F. Mahler, Charlottenburg 1889, S. 162 f. (Genealogie Kölpin/ v. Böhlendorff-Kölpin)
- Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 1, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 69.
- Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1893. Jahrgang 18, Verlag Friedrich Irrgang, Brünn/ München 1893, S. 67.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1913. Siebenter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 89.
- Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. In: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3; Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 73.
Wappen
- für August Carl Heinrich Alexander Böhlendorff-Kölpin. Deutsche Handschrift auf Pergament mit eh. Unterschrift von König Friedrich Wilhelm von Preußen, Potsdam 25. April 1856. 4°. Mit 1 gr. kolor. Wappenmalerei u. kolor. Kopfvign. 12 S. Prgt.-Umschl. mit Kordelbindung. (Eintrag auf Vorderdeckel). (z. Zt. Pforzheim)[14]
- Kölpin, In: Gustav A. Seyler (Hrsg.): J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Band 5/Vierte Abtheilung: Zweitausend bürgerliche Wappen. Band 1, Bauer und Raspe E. Küster, Nürnberg 1890, S. 60.
Einzelnachweise
- ↑ Motiv, In: Bureau des Reichstags (Hrsg.): Reichstags-Handbuch. 13. Legislaturperiode. Berlin 1912.
- ↑ Max Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600-1873. Nach amtlichen u. a. gedruckten und ungedruckten Quellen. Verlag Mitscher & Roestell, Berlin 1874, S. 121.
- ↑ a b c Robert Burkhardt: Zur Biographie des Provinzialsteuerdirektors Karl Ludwig Böhlendorff. In: Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Baltische Studien. Neue Folge, Band 33, Heft 1, Verlag Léon Saunier, Stettin 1931, S. 259.
- ↑ Olga von Boehlendorff-Kölpin: * 5. V. 1854, † 24. IV. 1875. Lüderitz Kirche (Altmark), In: Altmärkischer Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel e. V.-Salzwedel-Frank Moldenhauer, Magdeburg 2018.
- ↑ L. Clericus: Literatur- u. Intelligenzblatt des deutschen Herold/Der Deutsche Herold. 1875-№. 5, Hrsg. Herold (Verein), Mitscher & Röstell, Berlin 1875, S. 58.
- ↑ Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Enthaltend die Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. II. Theils-Band I, W. Dietze-Anklam, Gunkel &. Muthschall, Berlin 1865, S. 672 f.
- ↑ Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern. [1914]. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Verlag der Reichenbach`schen Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 104 f.
- ↑ Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne, Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 73.
- ↑ Kölnische Volkszeitung. Nr. 506, Köln, 18. Juni 1910, S. 1.
- ↑ Hans Ziegler (Hrsg.): Archiv des Deutschen Adels. Nr. 2. I. Jahrgang, Oscar Brandstetter-Renger (Gebhardt & Wilisch), Leipzig 1889, S. 24.
- ↑ a b Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1962. Band III, Band 18 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1962, ISSN 0435-2408, S. 287–288.
- ↑ H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern. [1939]. Verzeichnis. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer`s Güter-Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1939, S. 78.
- ↑ Adolf Heilborn: Die Gegenwart. Nr. 45-39. Jahrgang-Band 78, Hermann Hilliger Verlag, Berlin, 5. November 1910, S. 879.
- ↑ Vgl. Leopold Freiherr von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 3, Verlag Ludwig Rauh, Berlin 1855, S. 207.
Weblinks
- von Böhlendorff-Kölpin, Karl / Carl Franz Alexander in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Karl Franz von Boehlendorff-Koelpin. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)
- Literatur über Karl von Böhlendorff-Kölpin in der Landesbibliographie MV