Karl Viktor zu Wied

Karl Viktor Wilhelm Friedrich Ernst Günther zu Wied, Erbprinz von Albanien, (* 19. Mai 1913 in Potsdam; † 8. Dezember 1973 in München)[1] war ein deutscher Jurist, und für kurze Zeit Thronfolger des Fürstentums Albanien. Er trug den Titel „Kronprinz von Albanien“. Zu Ehren des Nationalhelden Skanderbeg wurde er auch „Skënder“ genannt.

Erbprinz von Albanien

Am 7. März 1914 wurde sein Vater Wilhelm Prinz zu Wied von den Großmächten Europas zum Fürsten von Albanien ernannt. Nach dessen Ernennung trug Karl Viktor den Titel „Kronprinz von Albanien“.

Da Albanien seit Juli 1914 im Bürgerkrieg stand, Griechenland den Süden des Landes besetzt hielt und die Großmächte sich im Krieg befanden, brach das Regime zusammen, sodass seine gesamte Familie am 3. September 1914 das Land verließ und zunächst nach Venedig ging.[2] Trotz seines Weggangs aus Albanien bestand sein Vater darauf, dass er Staatsoberhaupt blieb.[3] Im Frühjahr 1924 debattierte das albanische Parlament über die Regierungsform, und Milto Tutulani, ein Senator, ernannte Prinz William, seinen Sohn Karl Viktor zum Monarchen.[4]

Leben

Karl Viktor war das zweite Kind und der Sohn von Wilhelm Friedrich Heinrich Prinz zu Wied und Fürst von Albanien sowie dessen Frau Sophie Helene Cecilie Prinzessin von Schönburg-Waldenburg (1885–1936), Tochter von Victor Erbprinz von Schönburg-Waldenburg und seiner Frau, Lucia Prinzessin von Sayn-Wittgenstein. Über seine Großmutter väterlicherseits war er mit dem niederländischen Königshaus verwandt. Seine Urgroßeltern waren Wilhelm I. König der Niederlande und Friedrich Wilhelm III. König von Preußen. Über seine Mutter hatte er entfernte albanische Vorfahren, da er ein Nachkomme von Ruxandra Ghica (Familie), Tochter von Grigore I. Ghica, Fürst von Walachei, (1628–1675) war.[5] Karl Viktors Schwester war Marie Eleonore Elisabeth Cecilie Mathilde Lucie Prinzessin zu Wied und Albanien, genannt Manina (* 19. Februar 1909 in Potsdam; † 29. September 1965 in Miercurea Ciuc, Rumänien).[6]

Ausbildung

Karl Viktor besuchte zunächst das Wilhelmsgymnasium in München und studierte anschließend Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen, München, Königsberg und Würzburg. Seine Doktorarbeit über Strafverfahren wurde 1936 in Stuttgart veröffentlicht.[7] Er war ein begeisterter Fechter und liebte das Skifahren. 1937 beschrieb J. Swire ihn als einen jungen Mann mit großem Talent, der die Güte und die Fähigkeiten seines Vaters geerbt hatte.[8]

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges diente Karl Viktor als Offizier der deutschen Armee in Rumänien. Im Herbst 1941 gab es Spekulationen, dass die Deutschen, die das Königreich Serbien einschließlich des mehrheitlich von Albanern bewohnten Kosovo besetzt hatten, ihn einsetzen würden, um die Albaner für die deutsche Sache zu gewinnen. Dies beunruhigte Mussolinis Außenminister Gian Galeazzo Ciano Graf von Cortellazzo und Buccari so sehr, dass er im November 1941 die Deutschen beschuldigte, einen neuen albanischen Staat unter der Führung von Prinz Karl Viktor errichten zu wollen, der antiitalienisch sein und dessen Miliz direkt Hitler den Treueeid leisten würde. Cianos Befürchtungen schienen wenig begründet zu sein, und die Deutschen versicherten ihm, dass sie keine solchen Ambitionen für den Prinzen hegten.[9] Zur Zeit der 2. und 3. Schlacht bei Cassino gehörte er zur 44. Infanteriedivision.[10]

Späteres Leben

Nach dem Tod seines Vaters am 18. April 1945 in Predeal bei Sinaia/Rumänien trat er dessen Nachfolge als Oberhaupt des Fürstenhauses von Albanien (Wied) und souveräner Großmeister des Ordens vom Schwarzen Adler an, obwohl er keinen öffentlichen Anspruch auf den Thron Albaniens erhob. Innerhalb eines Jahres nach dem Tod seines Vaters starben sowohl seine beden Onkel Friedrich, 6. Fürst zu Wied (1872–1945) und Viktor zu Wied (1877–1946), ehemaliger deutscher Botschafter in Schweden (1933 bis 1943), verstorben. Ebenfalls 1945 wurde sein Onkel Günther, 5. Fürst von Schönburg-Waldenburg, Sophies Bruder, ohne Entschädigung enteignet und auf der Insel Rügen interniert. Seine Schwester, die Politikwissenschaftlerin Marie Eleonore Prinzessin von Albanien, starb am 29. September 1956 in einem kommunistischen Internierungslager in Miercurea Ciuc, Rumänien, ohne Nachkommen zu hinterlassen.

1952 verfasste Karl Viktor eine bibliografische Übersicht über seinen Vorfahren, den deutschen Forscher, Ethnologen und Naturforscher Maximilian Prinz von Wied-Neuwied.[11] Später schrieb er „Maximilian Prinz zu Wied, sein Leben und seine Reisen“ und „Maximilian Prinz zu Wied, unveröffentlichte Bilder und Handschriften zur Völkerkunde Brasiliens“, Josef Röder und Hermann Trimborn (Hrsg.), Bonn, Ferdinand Dümmler, 1954, S. 13–25.

1960 verließ Karl Viktor den Münchner Verein „Freunde des Balletts“, deren Präsident er seit dessen Gründung im Jahr 1956 gewesen war. Die bürgerliche Mehrheit des Vereins war gegen die als selbstherrlich empfundene Art der prinzlichen Geschäftsführung Sturm gelaufen.[12] Im folgenden Jahr veröffentlichte er das Buch „Königinnen des Balletts: Zweihundert Jahre europäisches Ballett“.[13]

Familie

Karl Viktor heiratete am 8. September 1966 in New York die Witwe Eileen de Coppet (* 2. September 1922 Chester/England; † 1. September 1985 in New York/USA), deren erster Ehemann Kapitän André de Coppet (* 10. November 1891 in New York; † 1. August 1953 in Lausanne/Schweiz) gewesen war.[14] Sie hatten zwei Kinder:[15]

  • Diane de Coppet (* Februar 1944)
  • Laura de Coppet (* März 1946)

Karl Viktor und Eileen lebten später in Cheyne Walk, Chelsea, London. Karl Victor starb sieben Jahre später ohne Nachkommen in München.[16] Er wurde in Neuwied beigesetzt.[16] Seine Witwe lebte bis 1985.[17] Das Fürstenhaus von Albanien starb mit seinem Tod aus, da er keine Kinder hatte und keine Vorkehrungen für einen Nachfolger getroffen worden waren.

Literatur

Biografie

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser, Reference: 1991 2

Bibliografie

  • Maximilian Prinz zu Wied, sein Leben und seine Reisen, mit unveröffentlichten Bilder und Handschriften zur Völkerkunde Brasiliens[18]
  • Carl Bodmer malt die indianische Grenze: eine Wanderausstellung von Aquarellen und Zeichnungen, die von der Smithsonian Institution verteilt wurde, 1954–1955 von Karl Viktor Wied
  • Gemälde-Sammlung aus dem Besitz der fürstlichen Familie zu Wied von Karl Viktor Wied
  • Prinz Karl Viktor zu Wied Sammlung von Zeichnungen und Aquarellen von Karl Bodmer
  • Carl Bodmer malt die indische Grenze: eine Wanderausstellung von Aquarellen und Zeichnungen, herausgegeben von der Smithonian Institution 1954–1955 von Karl Bodmer
  • Königinnen des Balletts – Zweihundert Jahre Europäisches Ballett, 1961[19]
Commons: Karl Viktor zu Wied – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Findagrave.com; Karl Viktor zu Wied[1]
  2. Springer, Elisabeth; Leopold Kammerhofer (1993): Archiv und Forschung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag. S. 346., ISBN 3-486-55989-3, engl.
  3. Paulin Kola: The Search for Greaer Albania. C. Hurst & Co. Publishers, 2003, S. 16, ISBN 1-85065-596-0, engl.
  4. Milto Tutulani: Raporti i grupit monarkist të komisionit të statutit, Tiranë 1924‚ in: Michael Schmidt-Neke: Entstehung und Ausbau der Königsdiktatur in Albanien: 1912–1939, S. 140.
  5. http://www.ghika.net/Histoire/Question_Orient.pdf The Ghica family was a Griechisch-Orthodoxe Kirche Phanarioten dynasty of Albanian origin
  6. The Peerage - Marie Eleonore Prinzessin von Wied. Abgerufen am 22. September 2025.
  7. Die alternative Feststellung im Strafrecht (= Würzburger Abhandlungen zum deutschen und ausländischen Prozessrecht, Heft 30). Kohlhammer Verlag, 1936
  8. Zog's Albania, J. Swire, 1937, S. 202 ([2])
  9. Fischer: Albania at War, 1939–1945, S. 86
  10. Manfred Schick: Monte Cassino: Ein Rückblick nach 60 Jahren
  11. „Proceedings of the 30th International Congress of Americanists“, abgehalten in Cambridge, S. 193–194
  12. Der Spiegel 19/1960
  13. „Königinnen des Balletts“, Karl Viktor Prinz zu Wied, München, 1961 [3]
  14. Genealogics.org, Leo van de Pas: André de Coppet [4]
  15. New York Times, „George Simpson Weds Diane de Coppet Here“ [5]
  16. a b Hugh Montgomery-Massingberd, editor, Burke's Royal Families of the World, Volume 1: Europe & Latin America (London, U.K.: Burke's Peerage Ltd, 1977), S. 6. Hereinafter cited as Burke's Royal Families of the World, Volume 1
  17. Genealogics.org, Leo van de Pas: Eileen Johnston [6]
  18. Unveröffentlichten Bilder und Handschriften zur Völkerkunde Brasiliens, IFK-Katalog 1953–1981 ([7])
  19. Königinnen des Balletts, IFK-Katalog 1953-1981 ([8])