Karl Schösser

Karl Schösser (* 4. Februar 1887 in Prag, Königreich Böhmen; † 2. Februar 1966 in Kitzingen, Unterfranken) war ein tschechoslowakischer Politiker deutscher Abstammung. Er gehörte in der Zwischenkriegszeit der Sudetendeutschen Partei (SdP) an und war Mitglied des Senats der Tschechoslowakei.

Leben

Karl Schösser war ursprünglich Mitglied des Bundes der Landwirte (BdL). 1927 verließ er gemeinsam mit Josef Mayer und Georg Hanreich die Partei und gründete den Sudetendeutschen Landbund (SdL), der sich kritisch gegenüber dem tschechoslowakischen Staat und der Regierungskoalition positionierte.

1935 war Schösser als Landwirt in Verušičky tätig. Bei den Senatswahl in der Tschechoslowakei 1935 errang er für die Sudetendeutsche Partei (SdP) ein Mandat im Senat der Nationalversammlung. Er blieb Senator bis Oktober 1938, als sein Mandat infolge der Grenzänderungen nach dem Münchner Abkommen erlosch.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Schösser in der Tschechoslowakei vor das Außerordentliche Volksgericht gestellt. Er hatte angegeben, Ehrenmitglied der SA gewesen zu sein. Als mildernder Umstand galt sein weitgehend unauffälliges Verhalten vor dem Krieg sowie seine gemäßigte Haltung während des Krieges – insbesondere, dass er die vollständige Umsetzung der Pläne der deutschen Ansiedlungskommission zur Vertreibung der tschechischen Bevölkerung aus dem annektierten Sudetenland verhinderte.

Schösser wurde zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Nach zehn Jahren wurde er 1956 entlassen und übersiedelte in die Bundesrepublik Deutschland, wo er 1966 in Kitzingen verstarb.

Literatur

  • Mads Ole Balling: Von Reval bis Bukarest. Statistisch-biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1945. 1991.
  • Toni Herget: Die sudetendeutschen Politiker im Schicksalsjahr 1938. In: Sudetenpost vom 17. November 1988, S. 6.