Karl Maria Kerndle

Karl Maria Kerndle (* 13. September 1882 in Wien; † 1. März 1957 in Krumpendorf am Wörthersee) war ein österreichischer Architekt und Maler.

Leben

Karl Maria Kerndle wurde 1882 als Sohn des Staatsbeamten Karl Kerndle und dessen Ehefrau Josefine (geb. Strohal) geboren.[1] Nach der Reifeprüfung an der Staatsgewerbeschule in Wien 1 studierte er von 1902 bis 1905 an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Er arbeitete anschließend im Atelier seines Professors und war an den Plänen für die neue Postsparkasse, für die Kirche am Steinhof und ein Theater beteiligt. Außerdem übernahm er Bauleitungen. Im Jahr 1905 wurde er zum Stadtarchitekten nach Karlsbad in Böhmen berufen.[1]

Ab 1908 arbeitete er im Atelier von Baurat Weber in Wien, bis er sich mit dem Architekten Gustav Menzel zusammentat. Von 1912 bis 1914 war er außerdem externer Hilfslehrer für Baukonstruktion an der Kunstgewerbeschule seiner Heimatstadt. Zu Kriegsbeginn wurde er einberufen und diente als Pionieroffizier.[1]

Im Jahr 1920 zog Kerndle mit seiner Frau Frieda (geb. Michitsch) und dem gemeinsamen Sohn Wolfgang (* 1918, später ebenfalls Architekt) nach Krumpendorf, wo das Ehepaar 1923 noch die Tochter Lore bekam. Der Architekt gründete in dieser Zeit die „Kärntner Werkkunst – Gesellschaft m.b.H.“ mit Sitz in Klagenfurt. Das Unternehmen produzierte kunstgewerbliche Gegenstände nach dem Vorbild der Wiener Werkstätte, wurde allerdings schon zwei Jahre später übernommen.[1]

Zugleich arbeitete er als Zeichenlehrer am Realgymnasium in Klagenfurt. Ab 1926 war er Lehrer an der Fortbildungsschule Klagenfurt (heute Berufsschule) und dort zuständig für den technischen Fachunterricht für Maurer und Zimmerer. Ende der 1930er Jahre wurde er Leiter der Schule, ab 1943 war er Leiter der Meisterschule des Deutschen Handwerks in Klagenfurt.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog sich Kerndle bedingt durch aktive Mitgliedschaft in der NSDAP fast völlig aus dem Architekturgeschehen in Kärnten zurück und war nur noch als Maler tätig.[1]

Auszeichnungen

  • 1903: Fügerpreis[1]
  • 1904: Hagenmüllerpreis[1]
  • 1905: Spezialschulpreis[1]

Bauten (Auswahl)

Wohn- und Geschäftsbauten

  • 1910: Wohnhaus, Wien 8, Piaristengasse 18
  • 1910/11: Wohnhaus, Wien 13, Hietzinger Hauptstraße 38 C/Braunschweiggasse 1/Auhofstraße 11 C
  • ca. 1928: Erweiterung der Villa Erdmann, Radenthein, Hauptstraße 56
  • 1928: Einfamilienhaus Schäffer, Krumpendorf, Lannerweg 112
  • 1928–1930: Wohn- u. Geschäftshaus Gsellmann, Klagenfurt, Beethovenstraße 14
  • 1929: Wohnhaus Soukup, Krumpendorf, Moosburgerstraße 10
  • 1929–1930: Wohnhaus Wanggo, Klagenfurt, Beethovenstraße 23
  • ca. 1930: Wohnhaus Stamzar, Klagenfurt, Klingeweg 9
  • 1930/31: Villa Klotz, Klagenfurt, Ktn., Tarviser Straße 148
  • 1933–1945: Wohnhaus Kerndle, Krumpendorf, Lorbeersteig 13
  • 1933/34: Umbau und Erweiterung Einfamilienhaus Tschebull, Krumpendorf, Ktn., Kirchenweg 5
  • 1945: Seehaus Obid, Krumpendorf, Koschatweg 93

Öffentliche Bauten

  • 1908: Gestaltung des Einganges in das Gartentheater bei der Kunstschau 1908 und 1909, Wien 1, Lothringerstraße, Lisztstraße, Schwarzenbergplatz (1909 Abbruch)
  • 1909: Renovierung der Karlskirche, Wien 4 (vermutlich Bauleiter)
  • vor 1910: Erweiterungen bei der ehemaligen NÖ Landes-Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“, Wien 14 (heute: Psychiatrisches Krankenhaus der Stadt Wien; vermutlich auch Bauleiter)
  • 1922: Kriegerdenkmal in der Gipper-Kapelle an der Glocknerstraße, Heiligenblut, Ktn. (zwei Holztafeln)
  • 1923: Kriegerdenkmal an der Südseite des Turmes der Stadtpfarrkirche St. Jakob, Villach, Kirchplatz 9 und 12 (Wettbewerb 1. Preis; Entw.+Ausf.)
  • 1927: Kaffeehaus Dvorsky (heute Wohnhaus), Krumpendorf, Hauptstraße 136
  • 1927–1929: Umbau, Pension „Haus am Sonnenhügel“, Krumpendorf, Amtmannsweg 2
  • 1928–1929: Seepension „Schwalbennest“, Krumpendorf, Berthastraße 63
  • 1930–1933: Restaurierung Burgkapelle Hl. Domitian, Klagenfurt, Burggasse 8
  • ca. 1932: Umbau eines Beinhauses in eine Kriegergedächtnisstätte, Stadtpfarrkirche, St. Veit/Glan
  • 1937: Abwehrkampfdenkmal, St. Jakob im Rosental, Rosentaler Straße
  • 1938: Straßenraumgestaltung zum „10. April 1938“, Villach, Hauptplatz (ehemals Adolf-Hitler-Platz; mit O. Schober, A. Dobner, G. Mistelbauer, Dr. F. Pichler)
  • 1942: Adaptierung der „Festung“ zur „Meisterschule des deutschen Handwerks“ (heute öffentl. Volksschule 12), Klagenfurt, Richard-Wagner-Straße 20

Literatur

Siegbert Schneidinger: Oskar Schober, Leopold Führer, Karl Maria Kerndle, Karl Wolschner. Bauten und Projekte der Schüler Otto Wagners in Kärnten. Dissertation, 2 Bde., Graz 1990

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Karl Maria Kerndle, Architekturzentrum Wien, abgerufen am 17. Dezember 2025