Karl Lautenschlager
Karl Albert Lautenschlager (* 15. Mai 1868 in Stuttgart; † 6. Dezember 1952 ebenda) war ein deutscher Verwaltungsjurist, württembergischer Beamter und parteiloser Kommunalpolitiker. Er war von 1911 bis 1933 Oberbürgermeister von Stuttgart.
Leben
Lautenschlager war ein Sohn des Rechtsanwalts, Bankdirektors, Landtagsabgeordneten und Mitglieds des württembergischen Staatsgerichtshofs Karl (oder Carl) Lautenschlager (1828–1895) und dessen Ehefrau Sophie, geb. Faber, aus Magstadt. Nach dem Abitur am Stuttgarter Karls-Gymnasium und dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger studierte von 1888 bis 1892 in Tübingen und Leipzig Staats- und Rechtswissenschaften und wurde zum Dr. iur. promoviert. Er war seit dem Wintersemester 1888/89 Mitglied der Tübinger Studentenverbindung „Akademische Gesellschaft Stuttgardia“, die dem süddeutschen Liberalismus nahestand und das Mensurwesen ablehnte.[1] Nach dem Referendariat wurde er 1897 Amtmann der Stadtdirektion Stuttgart, wo er 1909 zum Regierungsrat aufstieg.
Am 12. Mai 1911 wurde er – unterstützt von Konservativen und der nationalliberalen Deutschen Partei – zum ersten Mal zum Stadtschultheiß von Stuttgart gewählt. Noch im selben Jahr verlieh ihm der württembergische König den Titel „Oberbürgermeister“.[2] Im Januar 1919 stand Lautenschlager an der Spitze der Unterzeichner einer Zeitungsanzeige nicht jüdischer Bürger gegen den grassierenden Antisemitismus. 1921 und 1931 wurde er als Stadtoberhaupt wiedergewählt, zuletzt mit einer Mehrheit von 69,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen die Kandidaten von NSDAP und KPD. Nachdem er bereits durch die Einsetzung des nationalsozialistischen Stadtrats Karl Strölin als Staatskommissar für die Verwaltung der Stadt Stuttgart am 16. März 1933 faktisch entmachtet und „in die Rolle eines privilegierten Sachbearbeiters versetzt“ worden war, gab Lautenschlager am 15. Mai 1933 dem Drängen der Nationalsozialisten nach und trat in den vorzeitigen Ruhestand.
Lautenschlager heiratete 1912 Emma Rustige, mit der er zwei Töchter hatte. Sie war langjährige Vorsitzende des Schwäbischen Frauenvereins und nach dem Zweiten Weltkrieg Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lehnte er es mit Verweis auf sein fortgeschrittenes Alter ab, wieder für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren. Stattdessen wurde der junge Arnulf Klett in das Amt gewählt. 1952 starb Lautenschlager in seiner Heimatstadt. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Stuttgart in Abteilung 1a.
Wirken
Lautenschlager kümmerte sich besonders um die Infrastruktur, z. B. fielen die erste Kläranlage, der Bau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, der Standseilbahn Stuttgart und der städtischen Badeanstalten in seine Wirkungszeit.
Ehrungen und Auszeichnungen
Am 21. September 1945 wurde Karl Lautenschlager zum Ehrenbürger der Stadt Stuttgart ernannt.
In Stuttgart wurde die Lautenschlagerstraße nach ihm benannt. Sie führt von der kleinen Schalterhalle des Hauptbahnhofs in Richtung Stadtmitte und ist häufig bei Demonstrationen Sammelstelle und Ausgangspunkt für Auftaktkundgebungen.
Literatur
- Ludwig Luckemeyer: Lautenschlager, Karl. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 13. Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 733–734 (deutsche-biographie.de).
- Karl Lautenschlager Internationales Biographisches Archiv 01/1953 vom 22. Dezember 1952, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Kurzbiografie auf www.stuttgart.de
- Bericht der Stuttgarter Zeitung
- Jörg Schweigard: Karl Albert Lautenschlager (1868-1952), publiziert am 19. April 2018 in: Stadtarchiv Stuttgart: Stadtlexikon Stuttgart
- Studierendenakte von Karl Lautenschlager im Universitätsarchiv Tübingen in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Jürg Arnold: Stuttgardia Tübingen 1869–1994. Geschichte der Akademischen Gesellschaft Stuttgardia. Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein, Stuttgart 1994, S. 368.
- ↑ Annegret Kotzurek, Rainer Redies: Stuttgart von Tag zu Tag. Die Königszeit 1806 bis 1918. Thorbecke, Stuttgart 2006, S. 219.