Karl Hermann von Kahlden
Karl Hermann Johann Adam Baron von Kahlden, auch Karl Hermann Adam Woldemar Freiherr von Kahlden, Carlos Barão de Kahlden (* 20. Mai 1831 in Ludwigslust, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin;[1.1] † 13. September 1910 in Rio de Janeiro[2]) war ein deutsch-brasilianischer Soldat, Politiker und Verwaltungsbeamter aus dem Adelsgeschlecht Kahlden.
Von Kahlden entstammte einer traditionsreichen Militärfamilie und kam 1851 als Söldner der Brummer nach Brasilien, wo er auf brasilianischer Seite im La-Plata-Krieg eingesetzt werden sollte. Er gehörte der mehrfach umgeformten Pionierabteilung der Truppe an und war zunächst Fähnrich, später Zweiter Leutnant.[1.2] Es ist nicht bekannt, ob er je an militärischen Operationen teilgenommen hat.
Wie viele Brummer verblieb von Kahlden nach Kriegsende in der Region Rio Grande do Sul. Da er sich bei der Reparatur der Brücke Ponte do Salso gut bewährt hatte, wurde ihm die Bauleitung eines Brückenneubaus in Cachoeira do Sul übertragen. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde er 1857, noch vor Fertigstellung, vom Provinzialpräsidenten Ângelo Moniz da Silva Ferraz zum Direktor der Kolonie Colônia de Santo Ângelo ernannt. Er blieb im Amt, bis die Kolonie 1882 in den Distrikt Cachoeira do Sul eingegliedert wurde. In diesem hatte er wiederum wichtige Positionen inne, so war er von 1883 bis 1885 Verwaltungschef eines Bezirks, von 1883 bis 1887 Landvermesser und Ratsherr. In diesen Funktionen hatte er Polizeibefugnisse und Verfügungsgewalt über die Landaufteilung und -zuteilung. Er betätigte sich auch im An- und Verkauf von Parzellen, wobei er sowohl an Verkaufserlösen als auch an Provisionen profitierte. Dabei machte er Gebrauch von seinem Hintergrundwissen als Vermesser und Verwalter. Daneben handelte er mit Sklaven,[1.3] bis die Sklaverei in Brasilien endgültig verboten wurde.
1865 erhielt er vom Kriegsministerium die Erlaubnis, unter den deutschstämmigen Kolonisten Soldaten für den Uruguayischen Krieg und den Tripel-Allianz-Krieg anzuwerben.[1.4]
Von Kahlden, der inzwischen die brasilianische Staatsbürgerschaft erworben hatte, war aktives Mitglied der von 1831 bis 1889 bestehenden Partido Liberal. 1888 zog er als Abgeordneter ins Parlament der Provinz Rio Grande do Sul ein. Nach Ende des Kaiserreichs und Ausrufung der Republik 1889 übernahm die Republikanische Partei Partido Republicano Rio-Grandense die Macht in der Provinz, wodurch von Kahlden seinen Abgeordnetensitz wieder verlor.[1.5]
Er heiratete Carolina Cândida Gomes da Silva, die Tochter von Generalkommissar Antônio Cândido Gomes da Silva.[1.6] Das Paar lebte auf dessen Gut in der Colônia de Santo Ângelo. Von Kahlden galt als bedeutendste Persönlichkeit dieser Kolonie.[3.1]
Literatur
- COARACY, Vivaldo. Die Kolonie São Lourenço und ihr Gründer – Jacob Rheingantz. Saraiva Printing Offices, São Paulo, 1957.
- WERLANG, William. História da Colônia Santo Ângelo. Santa Maria: Palloti. 1995.
- FISCHER, Luís Augusto, GERTZ, René (Hrsg.): Nós, os teuto-gaúchos. Editora da Universidade, Universidade Federal do Rio Grande do Sul. Porto Alegre, 1996. ISBN 85-7025-401-6
Einzelnachweise
- ↑ PIASSINI, Carlos Eduardo: Immigration, naturalization and political participation in the Brazilian empire. (Englisch) In: Maria Medianeira Padoin (Hrsg.): Platinean History – Border, Immigration and Patrimony; Oikos, São Leopoldo, 2021, ISBN 978-65-86578-91-1
- ↑ S. 86, nach WERLANG, William: A família de Johannes Heinrich Kaspar Gerdau: um estudo de caso sobre a industrialização no Rio Grande do Sul, Brasil. Agudo: Werlang, 2002.
- ↑ S. 86, nach FLORES, Hilda Agnes Hübner Flores (Trad.). Memórias de Brummer. Porto Alegre: EST, 1997.
- ↑ S. 92, nach WERLANG, William: A família de Johannes Heinrich Kaspar Gerdau: um estudo de caso sobre a industrialização no Rio Grande do Sul, Brasil. Agudo: Werlang, 2002. und PIASSINI, Carlos Eduardo: Imigração Alemã e Política. Os deputados provinciais Koseritz, Kahlden, Haensel, Brüggen e Bartholomay. Porto Alegre: Assembleia Legislativa do Estado do Rio Grande do Sul, 2017.
- ↑ S. 89, nach PIASSINI, Carlos Eduardo: Imigração Alemã e Política. Os deputados provinciais Koseritz, Kahlden, Haensel, Brüggen e Bartholomay. Porto Alegre: Assembleia Legislativa do Estado do Rio Grande do Sul, 2017.
- ↑ S. 86-87
- ↑ S. 86
- ↑ PIASSINI, Carlos Eduardo: A Participação Política de Imigrantes Germânicos no Rio Grande do Sul: Os Brummer Kahlden, Haensel, Koseritz e Ter Brüggen, 1851–1881; Universidade Federal de Santa Maria, 2016
- ↑ FISCHER, Luís Augusto, GERTZ, René (Hrsg.): Nós, os teuto-gaúchos. Editora da Universidade, Universidade Federal do Rio Grande do Sul. Porto Alegre, 1996. ISBN 85-7025-401-6
- ↑ S. 40, Fußnote 6