Karl Heinrich Tinti

Karl Heinrich Friedrich Roland Bartholomäus Tinti, auch Karlheinz Tinti (* 27. Dezember 1919 in Kroisbach bei Graz; † 27. Oktober 2013 in Leoben), war ein österreichischer Schriftsteller, Journalist, Schauspieler und Montanist.[1][2][3]

Leben

Karl Heinrich Tinti wurde am 27. Dezember 1919 als Sohn von Rudolf Tinti (bis zum Adelsaufhebungsgesetz Reichsfreiherrn von Tinti; * 11. Dezember 1867), vormaliger Bezirkshauptmann von Leibnitz,[4] und dessen Ehefrau Elsa (geborene Trostorff; * 5. Februar 1884) am Unteren Plattenweg 10 in Kroisbach bei Graz geboren und am 17. Jänner 1920 auf den Namen Karl Heinrich Friedrich Roland Bartholomäus getauft.[5] Seine Eltern hatten am 11. Dezember 1906, dem 49. Geburtstag seines Vaters, in Brünn-St. Jakob geheiratet.[5] Er ist der Enkel von Karl Valentin Reichsfreiherr von Tinti und der Vetter von Friedrich Tinti. Am 22. Mai 1934 wurde er in Graz gefirmt.[5]

Nach dem Realgymnasium, wo er mit Auszeichnung maturierte, besuchte er von 1937 bis 1941 die Montanistische Hochschule Leoben, die er als Diplomingenieur verließ. Während seines Studiums wurde Karl Heinrich Tinti Mitglied des Corps Schacht[6], dem schon sein Bruder Rolf Tinti angehörte. Bis 1945 diente er in der deutschen Wehrmacht und war zwischenzeitlich auch bei der Fa. Hellmuth Walter in Kiel (HWK-Raketentechnik) tätig. 1948 kehrte er nach Österreich zurück und wurde Betriebsleiter bei den Mayr-Melnhofschen Steirischen Montanwerken in Leoben. Er ging 1954 zur Österreichischen Alpine Montangesellschaft in Donawitz und schließlich am 31. Dezember 1979 als Betriebsdirektor in Pension.

Parallel zu seiner montanistischen Tätigkeit arbeitete er nach der 1953 abgelegten Baumeisterprüfung als Techniker, dann Prokurist und von 1965 bis 1983 als Geschäftsführer der Bauunternehmung in der Fa. Rossmann.

Von 1970 bis 1985 war er „Erster Landesschützenmeister“ der Steiermark. 1982 erhielt er das Silberne Ehrenzeichen des Österreichischen Schützenbundes, 1984 das Goldene Ehrenzeichen des Steiermärkischen Landes-Schützenbundes und 1985 das Landessportehrenzeichen. Karl Heinrich Tinti war mehrfacher Senioren-Landesmeister im Luft- und KK-Gewehr, 1991 Senioren-Vize-Staatsmeister in beiden Disziplinen, 1991 und 1992 Staatsmeister mit der Steirischen Mannschaft. Als Hauptmann der Reserve im Österreichischen Bundesheer ging er 1984 in den Ruhestand. 1997 wurde er mit dem Dichtersteinschild des 1999 wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbotenen Vereins Dichterstein Offenhausen ausgezeichnet.

Aus seiner Ehe mit Elisabeth Maria-Theresia (geborene Roßmann von Rosenfeld; * 6. Juni 1927; † 29. Dezember 2025),[7] die er am 23. Februar 1952 kirchlich und standesamtlich in Leoben heiratete,[5] hat Karl Heinrich Tinti zwei Töchter und einen Sohn. Sein aus einer früheren Ehe stammender ältester Sohn kam 1945 zur Welt. Eine Enkelin Tintis – Tochter seines Sohnes Ernst – war die Künstlerin Valentina Tinti (1992–2024).[8][9] Seine Frau überlebte ihn um zwölf Jahre und starb im Dezember 2025 im 99. Lebensjahr.[7]

Am 27. Oktober 2013 verstarb Karl Heinrich Tinti im Alter von 93 Jahren in seiner Heimatstadt.[10]

Journalist

Karl Heinrich Tinti interviewte den zypriotischen Metropoliten Photios von Paphos,[11] den südafrikanischen Generaladministrator in Windhuk Marthinus Steyn im heutigen Namibia,[12] den Ex-Präsidenten von Senegal Leopold Senghor,[13] den Schauspieler Josef Meinrad während der Dreharbeiten zu einer Fernseh-Serie,[14] den Präsidenten von Kolumbien Belisario Betancur,[15] den Ex-Präsidenten von Nordzypern Rauf Denktaş[16] u. v. m.

Im Rahmen seiner montanistischen Tätigkeit verfasste er einige Artikel in Fachzeitschriften über Bauwesen, Montanhistorie und Betriebswirtschaft. Vorträge zur Erwachsenenbildung hielt er in der Urania und in der Kammer für Arbeiter und Angestellte.

Schauspieler

1941–1942 an der Berliner Theaterschule, 1982 in einer Fernseh-Serie über Peter Rosegger mit Josef Meinrad, im Stadttheater Leoben den Frosch in der „Fledermaus“ (1995 und 2004), weiters Rollen in „Wiener Blut“ (1996), „Csárdásfürstin“ (1997), „Land des Lächelns“ (1998), „Gräfin Mariza“ (1999), „Zarewitsch“ (2001), „Kiss Me, Kate“ (2007) uvm. Einige Auftritte in Fernsehfilmen und aktuellen Sendungen.

Komponist

Karl Heinrich Tinti verfasste auch mehrere Lieder für Chorgesang.[17][18]

Werke

  • Austria – Afrika – Alaska. Natur- und Jagdbuch, Hubertus-Verlag 1980, ISBN 3-85370-069-1.
  • Heimat-Lieb' und Wein. Lyrik, Bläschke-Verlag, St. Michael 1985, 2. Auflage Edition Strahalm, Graz 1986, ISBN 3-900526-07-9.
  • Pipsi Stummelschwanz. Kinderbuch, Edition Strahalm, Graz 1987, ISBN 3-900526-09-5.
  • Unternehmen Martinique. Roman, Edition Strahalm, Graz 1988, ISBN 3-900526-14-1.
  • Kribbel-Krabbel-Kraxelkäfer. Kinderbuch, Edition Conv. Center 1989.
  • Albanien für Anfänger. Reisebuch, Weilburg-Verlag, Wr. Neustadt 1990, ISBN 3-900100-89-6.
  • Der Schock. Roman, Weilburg-Verlag, Wr. Neustadt 1992, ISBN 3-900100-99-3.
  • Der Perser. Iranische Teppiche von heute. Sachbuch (gemeinsam mit Daryousch Kavoussi), Weishaupt-Verlag, Graz 1993, ISBN 3-7059-0005-6.
  • Schöne Welt – Schöne Frauen. Text-Bild-Band, Weishaupt-Verlag, Graz 1994, ISBN 3-7059-0016-1.
  • Auf schmalem Jägersteig. Natur- und Jagdbuch, Leopold Stocker Verlag, Graz 1998, ISBN 3-7020-0807-1.
  • Casanova 2000. (unter dem Pseudonym Alexej de Martier) Erotik, Weishaupt-Verlag, Graz 2003, ISBN 3-7059-0184-2.

Beiträge in folgenden Büchern und Zeitschriften:

  • Dieter Hölbling: Durch das Jahr. Lyrik, Verlag Röschnar, Klagenfurt 1993, ISBN 3-900735-96-4.
  • Claudia Rosenwirth: Mein Lieblingsgedicht. Lyrik, Verlag Röschnar, Klagenfurt 1995, ISBN 3-85277-017-3.
  • Michael Hlatky: Jägerlatein!?. Natur- und Jagdbuch, Leopold Stocker Verlag, Graz 2001, ISBN 3-7020-0907-8.
  • Dieter Hölbling-Gauster: Wasser. Lyrik, Verlag Ploder, Friesach 2004, ISBN 3-902343-02-8.
  • Rainer Wernisch: Die Jagd. Natur und Jagdbuch, Agrarverlag, Wien 2004, ISBN 3-7040-2053-2.
  • Montanisten dichten. Selbstverlag der Montanistischen Hochschule.
  • Ein „vergessener“ Donawitzer Betrieb: Die Knüppeladjustage. In: Res montanarum, Leoben 2005, Heft 35 (2005), S. 81–83

Auszeichnungen

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Walter v. Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser Band XVI. C.A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1992, ISBN 3-798007004, S. 525–533.
  2. Tiroler Matrikelstiftung (früher Tiroler Adels-Matrikel-Genossenschaft), Innsbruck 1992, S. 12 u. 97.
  3. Rudolf v. Granichstaedten-Czerva, Schlern-Schriften 131, Wagner, Innsbruck 1954.
  4. Gerhard Pferschy: Die steirischen Bezirkshauptleute seit 1868
  5. a b c d Taufbuch Graz-St. Leonhard, tom. XXII, fol. 51 (Faksimile), abgerufen am 30. Dezember 2025
  6. Gerhard Friedrich Hiebsch: Geschichte des Corps Schacht zu Leoben 1861-2011. Herausgeber, Verleger und Eigentümer: Corps Schacht, Leoben 2011.
  7. a b Parte von Elisabeth Tinti, abgerufen am 12. Jänner 2026
  8. Fotoausstellung im Rathaus-Foyer. In: Stadtmagazin Leoben. Dezember 2010/Jänner 2011, S. 39.
  9. Parte von Valentina Johanna von Tinti, abgerufen am 30. Dezember 2025
  10. Zeitschrift der Offiziersgesellschaft Steiermark – Verstorbene (Memento des Originals vom 24. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ogst.at. Ausgabe 1/2014, abgerufen am 24. April 2015.
  11. Obersteirische Volkszeitung vom 28. Juni 1958, Der Volksbote vom 19. Juli 1958
  12. Südost Tagespost vom 13. Juli 1978
  13. Südost Tagespost vom 24. April 1982
  14. Obersteirische Zeitung vom 7. August 1982
  15. Südost Tagespost vom 26. Juli 1983
  16. Obersteirische Volkszeitung vom 7. September 2002; Kleine Zeitung vom 18. November 2002; Kleine Zeitung vom 21. November 2006
  17. Werkschor Donawitz, Tief unter der Erde, Nr. 29 Donawitzer Hüttenlied, 1995
  18. Leobner Hochschulchor, Es lehret uns die Wissenschaft, Nr. 15 Trinklied, 1998
  19. a b Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)