Karl Hübl

Karl Hübl (* 9. Juni 1892 in Dreihöf, Österreich-Ungarn; † 19. November 1968 in Windischeschenbach[1]) war ein deutscher Schriftsteller, Heimatkundler, Lehrer und Landwirt aus der deutschen Sprachinsel des Schönhengstgaus im Königreich Böhmen. Er war für den Bund der Landwirte in der Tschechoslowakei und danach bis 1945 für die NSDAP Bürgermeister der Gemeinde Dreihöf.

Leben und Wirken

Karl Hübl wurde als Sohn einer Bauernfamilie im Schönhengstgau geboren. Sein Vater war gleichzeitig Gemeindevorsteher. Nach dem Schulbesuch in Dreihöf, Landskron und Großdorf bei Braunau studierte er am Staatsinstitut für den Landwirtschaftlichen Unterricht in München.[2] 1913 trat er in das 98. Infanterieregiment in Hohenmauth ein und war auch während des Ersten Weltkriegs als Soldat im Dienst, in dessen Verlauf er an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er nach vier Jahren im Oktober 1918 entlassen wurde. In die Heimat zurückgekehrt, wurde er Mitglied des Bundes der Landwirte.

1926 übernahm er vom Vater den landwirtschaftlichen Betrieb in Dreihöf und war als selbständiger Landwirt und landwirtschaftlicher Berufsschullehrer tätig. Gleichzeitig war Hübl im landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen aktiv und wurde 1927 Mitglied der deutschen Sektion des Agrarrates in der Tschechoslowakei. Von den Anfangsjahren der Tschechoslowakei bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war er der letzte deutsche Bürgermeister der Gemeinde Dreihöf. Am 9. Januar 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.739.775).[3] Nach seiner Vertreibung aus der Tschechoslowakei 1945 setzte er seine berufliche Tätigkeit als Berufsschullehrer in Westdeutschland fort.

Nebenberuflich war er als Verfasser von Publikationen zu Kultur und bäuerlichem Leben im Schönhengstgau und unter anderem als Schriftleiter des „Schönhengster Jahrbuches“ und Mitautor des 1962 erschienenen Buches Der Schönhengstgau: Bild einer deutschen Sprachinsel tätig.

Er starb 1958 in der Oberpfalz. Auf seinem Grabstein wurde die Anfangszeile seines letzten Gedichtes eingraviert: „Wenn die Zeit abgelaufen ist“.

Schriften (Auswahl)

  • Dreihof Gedenkschrift zur 2. Begründung unseres Dörfchens i. J. 1622. Jos. Czerny, Landskron 1922.
  • Das stille Jahr. Gedichte. Jos. Czerny, Landskron [1928].
  • Das Schönhengster Bauernjahr. Mundartgedichte. Kraus, Reichenberg 1935.
  • Der Bauer. Gedichte. Schlusche, Freudenthal [1939].
  • Krieg überm Land. Ein Bauernroman aus dem Weltkriege. Jos. Czerny, Landskron [1940].
  • Bauer aus dem Osten. Gedichte. Quellenverlag Diwisch, Steinheim 1956.
  • Das Jahr entlang. Sudetendeutsches Brauchtum im Jahreslauf. Sudetendeutsches Landvolk in der Ackermann-Gemeinde, München 1964.

Literatur

  • Rudolf Pechhold, Josef Lidl u. a.: Der Schönhengstgau. Bild einer deutschen Sprachinsel. Schönhengster Heimatbund, Stuttgart 1962.
  • Jiří Cihlář (dt. Bearb.: Horst Hübl): Bürgermeister von Dreihöf Karl Hübl. Bauer, Schriftsteller und Politiker. Oftis Ústí nad Orlicí 2007.

Einzelnachweise

  1. Todesdatum laut Deutscher Digitaler Bibliothek und Eintrag beim Kalliope-Verbund
  2. Josef Walter König: Das Schrifttum des Ostsudetenlandes. 1964, S. 46.
  3. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/17171488