Karl Günter Wolf

Karl Günter Wolf (* 8. Februar 1957 in Bad Kreuznach) ist ein deutscher Konzeptkünstler, der sich vorrangig als Bildhauer betätigt. Seine Arbeiten stehen in der Nachfolge der Konkreten Kunst und des frühen Konstruktivismus.[1] Schlüsselwerke seines Schaffens gehören zum Bestand des Museum Ludwig, Von der Heydt-Museum, Kunstmuseum Stuttgart sowie des Museum Morsbroich.[2] Im September 2024 wurde die von ihm gestaltete interaktive Bodenplatte „22.09.1984“ als offizielles Denkmal anlässlich der Versöhnungsgeste zwischen Helmut Kohl und François Mitterrand in Verdun eingeweiht.[3]

Leben

Karl Günter Wolf wuchs als jüngster Sohn einer Küsterin und eines Herrenschneidermeisters in Winzenheim in Rheinland-Pfalz mit zwei Geschwistern auf. Er beschreibt es als eine „unbeschwerte Kindheit auf dem Land“. Seine künstlerische Begabung wurde über das soziale Umfeld hinaus bereits früh erkannt und gefördert.[4] Von 1971 bis 1974 absolvierte er eine Ausbildung als Dekorateur bei der Warenhauskette Kaufhof AG, wurde Mitglied im „Künstlerkreis Kreuznach“ und beteiligte sich regelmäßig an Gemeinschaftsausstellungen junger Künstler in Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

1974, im Alter von 17 Jahren, erfolgte schließlich die Zulassung zum Studium der freien Malerei und Plastik an der GhK Kassel, der heutigen Kunsthochschule Kassel.[5] Zunächst auf Malerei fokussiert, wechselte er 1975 in die Abteilung Metallbildhauerei und wurde Schüler von Eberhard Fiebig. Unter dessen Leitung fungierte er 1976 als Mitbegründer der Gruppe „Die Metaller“, die sich in ihrem radikalen Manifest der Praxis und Theorie der Metallplastik verschrieben hatte.[6] Parallel zum Studium arbeitet er als Anstreicher und Bühnenhelfer an der Komödie Kassel.

1977 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er bei Norbert Kricke und Eugen Gomringer studierte.[7] Von 1978 bis 1979 folgte ein Studienaufenthalt an der Cité Internationale des Arts in Paris, der ihm die künstlerische Weiterentwicklung ermöglichte und ihn nachhaltig prägen sollte.[5][7] 1980 schloss er sein Studium in Düsseldorf ab und lebte fortan als freischaffender Bildhauer. Es begann die Zusammenarbeit mit namhaften Galerien in Deutschland, Polen, Österreich und der Schweiz; in den nächsten Jahren folgten erste Beteiligungen an Museumsausstellungen, u. a. im Märkischen Museum in Witten, dem Wilhelm-Hack-Museum und dem Kunstmuseum Friedrichshafen.[2] Als bisher einziger Künstler wurde er zweimal, zunächst 1983, dann 1985, auf der internationalen Kunstmesse Art Basel mit einer Sonderschau für Nachwuchskünstler, den „Perspektiven“, geehrt.[7][8] Auf Initiative des Auswärtigen Amts reiste er 1985 zusammen mit Günther Uecker nach Taiwan, wo er vom Taipei Fine Arts Museum mit dem Aufbau einer großen dreiteiligen Stahlskulptur beauftragt war.[4][9]

Neben wechselnden Ateliers in Köln, Düsseldorf und Leverkusen verlagerte er Mitte der 1980er Jahre seine Tätigkeiten temporär in die Schweiz und nach Südfrankreich. Durch seinen damaligen Galeristen Heinz Teufel lernte er in Zürich Richard Paul Lohse und Max Bill kennen und setzte sich intensiv mit dem Werk von Camille Gräser und Georges Vantongerloo auseinander.[4] Parallel folgten viele künstlerisch inspirierte Reisen, u. a. nach Ägypten, Italien, Russland, in die Türkei, die USA und auf die Inseln der Ägäis. Das Rheinland blieb jedoch stets Dreh- und Angelpunkt seines Schaffens; vorrangig in der Kölner- und Düsseldorfer Kunstszene aktiv, avancierte er zu einer festen Größe im rheinischen Galerieprogramm, zunächst in der Galerie Heinz Teufel, später dann in der Galerie Martina Kaiser in Köln.

1994 beauftragte ihn das Museum Morsbroich mit der Realisierung einer Großplastik für den Schlossgarten. Die so entstandene Raumklammer Nr. 8, eine achtteilige Stahlskulptur, gehört seitdem zum Bestand der Museumssammlung.[10] 2003 hielten Arbeiten seiner Werkreihe Space Diagonal Einzug in das Von der Heydt-Museum[7] und die Sammlung Peter C. Ruppert im Kulturspeicher Würzburg, die Schlüsselwerke Konkreter Kunst in Europa umfasst.[11] Für Aufsehen sorgte die von ihm initiierte und selbstfinanzierte Wanderausstellung „12 Skulpturen – 12 Orte“, die von 2006 bis 2012 in Burgen und Schlössern der Rhein-Erft-Region stattfand, u. a. in Schloss Falkenlust, Abtei Brauweiler, Schloss Miel, Schloss Gracht, Schloss Gymnich, Schloss Loersfeld und Schloss Paffendorf.[12] 2024 wurde seine interaktive Bodenplatte „22.09.1984“ zum offiziellen Denkmal anlässlich der Versöhnungsgeste zwischen Helmut Kohl und François Mitterrand in Verdun deklariert und mit einer bewegenden Rede des Künstlers ebendort im September 2024 feierlich eingeweiht.[13]

Seit 2019 lebt und arbeitet Karl Günter Wolf in dem ehemaligen Kloster des Wilhelmiten-Ordens in Orlamünde im Freistaat Thüringen, welches er 2016 erworben hat und seitdem restauriert.[14] 2022 gründete er ebendort das FORUM Wilhelmi, das Besucher mit der Geschichte der Klosteranlage aus dem 14. Jahrhundert vertraut macht.[15] Aktuell plant er die Anlage seines eigenen Skulpturengartens auf dem Gelände.

Werk

Als Ausgangspunkt seiner späteren Werkreihen nennt Wolf die Mantegna-Performance von 1975. In Anlehnung an Andrea Mantegnas Gemälde Beweinung Christi initiierte Wolf in der Kasseler Karlsaue eine Fotoserie, wo mittels eines sich sukzessiv erweiternden Scherengitters die Verkürzung seines auf dem Rasen liegenden Körpers bewirkt wurde. Dieses Ausloten von Perspektive, Raumwahrnehmung und alternierenden Proportionen wurde fortan zum tragenden Element seines künstlerischen Konzepts.[7][8]

Die dem Scherengitter zugrundeliegende Kreuzform prägte sein Frühwerk und führte, ebenfalls 1975, schließlich zum „Triumphbogen“, Wolfs Schlüsselwerk, das von wiederholten Parisaufenthalten in seiner Kindheit und ritualisierten Umfahrungen des Arc de Triomphe im Familienauto inspiriert wurde.[16] Beim Triumphbogen kam erstmals die Idee der Faltung von Metallblechen zur Anwendung. Das Prinzip bestand darin, durch die einfache Faltung eines Schnittblechs eine L-Form zu schaffen, während die doppelte Faltung eine U-Form erzeugte.[8] Der Triumphbogen, eine 10-teilige Skulptur aus Aluminium, veranschaulicht Wolfs Konzept, indem es eine konvexe Bogenform im rechten Winkel über einen konkaven Metallbogen spannt – mithin also zwei U-förmige Elemente miteinander verbindet – und damit eine dreidimensionale Kreuzform erschafft. Dazu Wolf: „Mehrere Teile ergeben ein Ganzes, niemals ein Einzelteil für sich, immer in Kombination miteinander. Ergänzung und Vielfalt ist hier Ziel, nicht Isolation. Progression durch Variation und doch ganz individuell – gleich der Natur, das ist alles.“[4] 2024 erwarb das Museum Schlosspark in Wolfs Heimatort Bad Kreuznach den Triumphbogen, wo er seitdem ausgestellt ist.[17]

Mitte der 1970er Jahre folgte eine kurze experimentelle Phase mit monochromen Papierarbeiten, malerischen Exkursionen, Collagen sowie an die Aktions- und Performance-Kunst angelehnter Projekte, deren Einflüsse sich später in Wolfs Werk wiederfinden, so z. B. bei der Bodenplatte von Verdun mit ihren grafischen Elementen und ihrer implizierten Aufforderung zur Interaktion. In der Zeit seiner Mitgliedschaft in der Gruppe „Die Metaller“ entstanden bis Ende 1977 fast 50 komplexe, teils aus 200 Einzelteilen konstruierte Skulpturen aus Aluminium, die das bildhauerische Frühwerk Wolfs bildeten.[6] Diese wurden 1978 jedoch durch Vandalismus zerstört und konnten nicht rekonstruiert werden.

1983 markierte das Ausgangsjahr der Werkreihe Space Diagonal, mit der Wolf auf dem damaligen Kölner Kunstmarkt, der heutigen Art Cologne, debütierte. Hier fokussierte er eine reduzierte, stark geometrisch ausgerichtete Formensprache, die mit wechselnden Proportionen und Größenmaßstäben im Verhältnis zum Betrachter spielt. Ineinander gefaltet, verkantet und gestaffelt erzeugen die vertikal arrangierten Metallelemente ein Konglomerat von Winkeln, die den Raum zeitgleich öffnen und verschließen und ihn hochkant durchschneiden.[8][12] 1985 fertigte Wolf mit der „Großen Baseler“ seine erste Großplastik zur Space Diagonal-Serie, die ihm nach 1983 bereits die zweite Sonderschau für Nachwuchskünstler auf der Art Basel ermöglichte.[7] Im gleichen Jahr folgte die Beteiligung an der Gruppenausstellung "German Art 1945-1985" im Taipei Fine Arts Museum, für die er ebenfalls eine Großplastik konzipiert hatte und dann vor Ort aufbaute.[9]

In den 1990er Jahren bildete sich mit den Raumklammern eine weitere Werkserie heraus. Nicht mehr vertikal ausgerichtet, sondern als horizontale Bodenplastiken konzipiert, schufen die einzelnen Elemente der jeweiligen Raumklammer einen Parcours, der das Konzept für den Betrachter psychophysisch und exemplarisch nachvollziehbar macht.[8][12] Ein Hauptwerk dieser Serie markierte die aus rostigem Stahl gefertigte Raumklammer Nr. 8, die 1994 als „Hommage an Josef Albers“ für das Museum Morsbroich entstand.[10] Der komplexe, sich aus einer flach auf dem Boden liegenden, quadratischen Stahlplatte entwickelnde begehbare Raumkörper mit seinen im rechten Winkel und U-förmig gebogenen Stahlzuschnitten, liegt auf einer ca. 60 m² großen, abgesteckten Grundfläche und geht auf ein Entwurfsmodell aus dem Jahr 1987 für die Documenta 8 in Kassel zurück. Auf Einladung des damaligen Documenta-Leiters Manfred Schneckenburger sah der ursprüngliche Entwurf eine doppelt so große Ausführung wie später bei derjenigen für das Museum Morsbroich vor, konnte aber aus Kostengründen nicht realisiert werden.[18] Erst dem einflussreichen Kunsthistoriker und Direktor des Museums Morsbroich, Rolf Wedewer, gelang es schließlich 1994 Geldgeber für die Realisierung der Skulptur zu finden. Seitdem ist sie im Schlossgarten der Leverkusener Institution heimisch.[10] Bezugnehmend auf seine komplexen Plastiken aus den Werkreihen Space Diagonal und Raumklammern sagt Wolf: „Allen Skulpturen liegt ein Konzept zugrunde, das nachvollziehbar ist; Konzept und optisches Ergebnis sollen als Einheit verstanden werden. Die Skulptur spricht für sich selbst. Dies ist ein Teil des Inhalts und eine sich selbst rechtfertigende Idee von Konkreter Skulptur. Was zu sehen ist, sind Teile unterschiedlicher Form und Größe. Sie zu verbinden ist nur in der Harmonie zueinander möglich. Es ist ein Sinnbild des tiefen menschlichen Bedürfnisses nach Übereinstimmung mit sich selbst. Dieses Ziel zu erreichen, ist unsere Aufgabe und Voraussetzung für einen friedlichen Dialog der Menschen untereinander. Wenn Kunst dazu einen Beitrag leisten soll, und es ist eine ihrer Aufgaben, muss sie in ihrem Wesen und ihrer Erscheinung klar lesbar sein. Darin liegt dann ein Teil ihres Wertes.“[19]

Eine Weiterführung der Raumklammern bildeten Anfang der 2000er Jahre die Ringskulpturen, Wolfs nächste Werkreihe. Bislang auf Winkel und rechteckige Formen abonniert, brachte der Künstler hier erstmals den Kreis als wesentliches Kompositionselement hervor. Das Prinzip der Biegung trat nun anstelle der Faltung des Materials, blieb aber dennoch eine organische Fortführung des bisherigen Konzepts, wo aus der ultimativen Dehnung des Rechtecks in der Zusammenführung seiner Enden schlussendlich ein kreisrunder Bogen entsteht.[20] Dies verweist wiederum auf Wolfs Ausgangswerk, den „Triumphbogen“. Von geometrisch-kantigen Elementen gehalten, die als unsichtbare Fassung fungieren, scheinen die Ringe in der Luft zu schweben und zeichnen sich zudem durch ihre Farbigkeit aus. Damit hat nun auch die Farbe Einzug in die Plastiken des Künstlers gehalten.[21] Das manifestierte sich ebenso in den Ringreliefs, muralen Plastiken, in denen die Ringe paarweise angeordnet sind und so in symbolgeladene Beziehungen zueinander gesetzt werden.

Als weitere wichtige Werkgruppe entstanden ab 2008 die Wandreliefs aus Aluminium, Stahl oder Kupfer bzw. aus deren Mischformen, die sich aus den vorherigen Zyklen ergaben und nach den Stand- und Bodenplastiken fortan die horizontale Ausdehnung im Innenraum thematisierten. Aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt, mit Motoren versehen und teils farbig gestaltet, bilden sie einen direkten Bezug zur Kinetischen Kunst – bleiben durch den Materialmix und wechselnde, visuelle Dynamik aber individuell und eigenständig.[12] Zur Farbigkeit in seinem späteren Schaffen äußerte sich Wolf wie folgt: „Für mich kann Farbe gleich Form sein – in ihrer Wirkung kann Farbe eine Form stark verändern, dennoch setze ich meine Farben sehr intuitiv ein. Die Farbe ist ein Gestaltungsmittel mit signalhaftem Charakter und wird von mir meist monochrom eingesetzt. Erst ab 1990 gewinnt die Farbgebung auf Metall für mich zunehmend an Bedeutung. Ab da hält die Farbe verstärkt Einzug in meine Skulpturen und Reliefs, und ich registrierte ab da immer sehr genau die Momente, wenn eine neu aufgetragene, ausgewählte Farbe das fertig bearbeitete Metall in seiner Dichte und Schwere auf eigentümliche Weise aufhebt und zu einer Leichtigkeit verhilft, die ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.“[19]

Mit seinem Bodendenkmal „22.09.1984“ für Verdun aus dem Jahr 2024 schloss der Bildhauer symbolisch, topografisch und künstlerisch den Kreis zu seinem Frühwerk „Triumphbogen“ von 1975.[4][16] Beide Arbeiten weisen spezifische und charakteristische Gestaltungselemente auf, die typisch für sein Gesamtwerk sind. Dazu sagt der Künstler: Es geht um das Verstehen – und immer um ein persönliches Erlebnis oder um eine Erfahrung, die die Künstlerwerdung und den kreativen Prozess initiiert und bedingt. Daraus kann sich dann im Idealfall ein Wiedererkennungswert generieren – was natürlich großartig für einen Bildhauer ist.“[16]

Insgesamt sind 12 Werkgruppen entstanden, die neben Skulpturen auch Architekturmodelle, Möbelentwürfe, Mappenwerke, Fotografien und Künstlertexte beinhalten.

Rezeption

Mit seinem geometrisch-mathematischen Gestaltungsansatz, dem Einsatz von Farb- bzw. variierenden Flächen, der starken Betonung der Linie sowie der Einbeziehung des Raums in seine Werke steht Karl Günter Wolf in der Nachfolge des Konstruktivismus und der Konkreten Kunst.[4][8][21][22][23] Hier ist es auch die Materialisierung des Geistigen, also die Konkretisierung des schöpferischen Geistes fernab von Naturformen, die Wolfs Oeuvre prägt.[5][12][19] Ausgehend von der Idee, dass sich geometrische Grundformen wie ein Quadrat, ein Würfel, ein Kreis oder eine Linie immer wieder neu erfinden und endlos interpretieren lassen, weisen seine Werkreihen einen seriellen, variationsreichen Charakter sowie eine systematisch-logische Fortführung hin zum Folgezyklus auf.[4][24][25] Damit spiegeln seine Arbeiten jene Statuten, die Theo van Doesburg 1930 in seinem Manifest zur Art concret verfasste. Durch die starke Betonung der Linie und ihr Verhältnis zu Raum und Fläche nimmt Wolf auch Rückbezüge zu Wassily Kandinskys programmatischem, 1926 entstandenen Text „Punkt und Linie zu Fläche“.[4][24][25] In seinem Verzicht auf explizite Farbigkeit, Masse und Volumen sowie der Fokussierung auf kinetische Elemente und rhythmische Anordnungen orientiert sich Wolf zudem am Realistischen Manifest von Naum Garbo und Antoine Pevsner, welches 1920 verfasst wurde und bis heute als Schlüsseltext des Konstruktivismus gilt.

Einfluss auf Wolfs Schaffen hatten auch die Vertreter der Zürcher Schule der Konkreten, allen voran Max Bill, Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg, zu denen er in seiner Schweizer Zeit Kontakt hatte.[4] Insbesondere Max Bill und seine Thesen zur Konkreten Kunst inspirierten Wolf.[12][19] So schrieb Bill 1949 anlässlich der Ausstellung Züricher Konkrete Kunst: „Das Ziel der Konkreten Kunst ist es, Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der Mensch sich Gegenstände schafft für den materiellen Gebrauch...Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Maß und Gesetz. Sie ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen Mitteln diesen Ordnungen das Leben.“[26]

Manfred Schneckenburger attestierte dem Bildhauer in einem Text von 1986 die Zugehörigkeit „zur kleinen Handvoll jüngerer Künstler, die das Erbe des Konstruktivismus und der Minimal Art in eine neue Strategie überführen....Seine Arbeiten verbinden äußerste Reduktion mit einer fast unbegrenzten Vielfalt der plastischen Erfahrung, die psychophysische Intensität gewinnt“.[1][8] Dies entspricht einer genauen Beschreibung der Arbeitsweise des Künstlers, die bis heute Gültigkeit hat und für sein Gesamtwerk gilt.

Anlässlich der Ausstellung „Standorte – Standpunkte“ im Museum Schlosspark in Bad Kreuznach 2024 formulierte Museumsleiter und Kurator Marco van Bel: „...Die Formensprache des Bad Kreuznacher Bildhauers Karl Günter Wolf ist in erster Instanz der konstruktiven, abstrakt-geometrischen, konkreten und minimalistischen Kunst verpflichtet...Es sind vielfältige Einflüsse, die im Stil von Karl Günter Wolf akkumulieren und sich in einer selbstständigen künstlerischen Handschrift materialisieren, womit er zur Entwicklung der modernen nachkonstruktivistischen Bildhauerei beiträgt.“[4] Zur Bodenskulptur von Verdun, die zur zentralen Arbeit von Karl Günter Wolfs Spätwerk avancierte, führt Marco van Bel an: „Die Gedenkplatte ist kein statisches Denkmal oder Mahnmal, sondern mit ihrem interaktiven Aspekt ein lebendiger Erinnerungsort, der den europäischen Gedanken dieser beiden Staatsmänner durch ihre Versöhnungsgeste an nachfolgende Generationen weiterreicht. Damit hat der Künstler Karl Günter Wolf ein bleibendes Zeichen von internationaler Relevanz gesetzt.“[3][4]

Über seine Arbeitsweise und den Einfluss anderer Künstler äußert sich Wolf wie folgt: „Am meisten hat mich der Bildhauer Norbert Kricke beeinflusst; er hat mich das plastische Sehen gelehrt. Erst durch ihn habe ich verstanden, wie wichtig jedes Stück Material in meiner Arbeit ist, und so konnte ich die Anzahl der Einzelteile in meinen Skulpturen nach und nach reduzieren. Aus immer weniger wurde immer mehr, und meine Einstellung zur Skulptur änderte sich radikal.“[16][24]

Galerie

Ausstellungen

2025

  • „9. Januar 2025 – zum 80. Geburtstag von Konrad Adenauer“, Galerie Martina Kaiser, Köln

2024

  • „22. September 1984“, Gedenkstätte Verdun/Frankreich

2023

  • „KARL GÜNTER WOLF Standorte – Standpunkte“, Museum Schlosspark, Bad Kreuznach
  • Schloss Hugenpoet, Essen
  • Henry van de Velde Museum, Haus Schulenburg, Gera

2016

  • „Reflektionen II“, Galerie Martina Kaiser, Flora Köln

2015

  • „Reflektionen“, Galerie Martina Kaiser; Köln

2014

  • Alte Winzinger Kirche, Neustadt a.d.W

2012

  • „Work in Progress“, Museum St. Wendel, St. Wendel
  • „12 Skulpturen - 12 Orte“, Siegerlandmuseum im Oberen Schloss, Siegen
  • „Kunst – Natur – Architektur“, Thomas Morus Akademie, Bensberg/Bergisch Gladbach
  • Galerie im Barockschloss Königshain, Königshain

2011

  • Kunstkabinett Mönter, Meerbusch
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Abtei Brauweiler, Pulheim
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Myllendonck, Korschenbroich

2010

  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Birlinghoven, St. Augustin
  • Kloster Lamspringe, Lamspringe/Hildesheim
  • RWE Power Zentrale, Köln
  • Kunstverein Wesseling, Wesseling/Köln

2009

  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Falkenlust, Brühl
  • „Formenmeister – Meisterformen“, Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG, Bonn

2008

  • Kunstverein Nümbrecht, Nümbrecht
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Burg Satzvey, Mechernich
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Gracht, Erftstadt
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Gymnich, Erftstadt
  • Henry van de Velde Museum, Kunstsammlungen Chemnitz, Chemnitz

2007

  • „Geo“, Artforum GAP 15, Ernst & Young, Düsseldorf
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Loersfeld
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Miel
  • Kunsthof Vicht, Stolberg
  • AUDI museum mobile, Augsburg

2006

  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Schloss Paffendorf, Bergheim
  • „12 Skulpturen – 12 Orte“, Burg Hemmersbach, Kerpen
  • Galerie Jan Schlütter, Köln

2004

  • ART Galerie 7, Köln
  • Galerie Jan Schlütter, Köln

2003

  • Von der Heydt-Museum, Sammlung Holze, Wuppertal
  • TechnologiePark Bergisch Gladbach

2002: Museum im Kulturspeicher, Sammlung C. Ruppert, Würzburg

2001: Galerie Villa Rolandseck, Remagen

2000: ART Galerie 7, Köln

1999: Galerie Ute Mronz, Köln

1998: Stadtmuseum Siegburg, Siegburg

1997

  • „Kunst im Foyer“, Berlin-Kölnische Versicherungen, Köln
  • Daimler-Benz AG, Berlin
  • Nord/LB, Hannover

1996: Galerie Anja von Gösseln, Dublin/Irland

1995

  • „TransArt“, Galerie Oppenheim, Köln
  • Galerie Heinz Holtmann, Kulturpark Eifel

1994

  • IGNES Europäisches Kulturzentrum, Köln
  • Galerie & Edition Wolfgang Püschel, Paderborn
  • Großplastik für Museum Morsbroich, Leverkusen

1993

  • Galerie Heinz Teufel, Bad Münstereifel
  • Galerie Iris Bruckgraber, Köln
  • „TransArt“, Galerie Oppenheim, Köln
  • Bundesministerium für Verkehr, Bonn

1992: Galerie Simon, Wiesbaden

1991

  • Galerie Agi Schöningh, Zürich/Schweiz
  • Galerie Zeitkunst, Kitzbühel/Österreich
  • Kunstverein Gütersloh

1989: Galerie Heinz Teufel, Köln

1988

  • Kunstmuseum Friedrichshafen
  • Galerie am See, Zug/Schweiz
  • Galerie Scheele & Arpagaus, Zürich/Schweiz
  • Pfalzgalerie Kaiserslautern
  • „Konstruktion und Konzeption“, S-Bahnhof Schöneberg, Berlin

1987: Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen

1986

  • 3. Triennale für Kleinplastik Fellbach
  • „Space Diagonal“, Galerie Heinz Teufel, Köln

1985

  • „German Art 1945–1985“, Taipei Fine Art Museum, Taipeh/Taiwan
  • „Perspektiven“, Förderkoje ART Basel, Basel/Schweiz

1983: „Perspektiven“, Förderkoje ART Basel, Basel/Schweiz

1982: Märkisches Museum, Witten

1981

  • Galerie Anselm Dreher, Berlin
  • Galerie Wielka 99, Lodz/Polen

1977

  • Stadtschloss Fulda
  • Galerie Heinz Teufel
  • Rahmenprogramm der Documenta VI, Kassel
  • Städtische Sammlung Duisburg-Rheinhausen

1976

  • Jahresschau des Kasseler Kunstvereins, Kassel
  • Galerie Dieter Kindel, Kassel

Nachweise

  1. a b Manfred Schneckenburger: Kunst des 20. Jahrhunderts - Die Metamorphose der modernen Plastik. Hrsg.: Ingo F. Walther. TASCHEN, Köln 2000, S. 469 ff.
  2. a b Bernhard F. Löwenberg, Bettina Schmidt, Petra Walterscheidt: Kölner Persönlichkeiten - Menschen mit Engagement, Ideen und Schaffenskraft. Hrsg.: Bernhard F. Löwenberg. EDITION COLOGNE PR-Verlag Löwenberg, Köln 1993, ISBN 3-931246-00-0, S. 203.
  3. a b General Anzeiger Bonn (Hrsg.): 40 Jahre Handschlag von Verdun: Eine Geste der Versöhnung wird begehbar. General Anzeiger Bonn GmbH, Rheinische Post Mediengruppe, Bonn 19. September 2024.
  4. a b c d e f g h i j k Marco van Bel: Standorte - Standpunkte, Interview mit Karl Günter Wolf und Konrad Adenauer. Hrsg.: Museum Schlosspark. Stadt Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 2024, S. 4.
  5. a b c Bettina Strick, Gerhild Rummeny - Interview mit dem Bildhauer Karl Günter Wolf: Kunst und Therapie – Zeitschrift zu Fragen der ästhetischen Erziehung. Hrsg.: Peter W. Rech und Sabine Schütz. Nr. 24. Claus Richter Verlag, 1995, ISBN 3-924533-49-0, S. 118–122.
  6. a b Eberhard Fiebig u. a.: die metaller – Praxis und Theorie der Metallplastik an der Gesamthochschule Kassel. Hrsg.: Eberhard Fiebig. Katalog. GhK Kassel, Kassel April 1977, S. 89–103.
  7. a b c d e f Antje Birthälmer und Kai-Uwe Holze: Die Sammlung Holze – Schenkung an das Von der Heydt-Museum. Hrsg.: Sabine Fehlmann. Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2003, ISBN 3-89202-053-1, S. 93.
  8. a b c d e f g Manfred Schneckenburger: Über den Bildhauer Karl Günter Wolf. In: Karl Günter Wolf Plastiken und Zeichnungen der Serie „space diagonal“ (Hrsg.): Heinz Teufel. gt Galerie Heinz Teufel, Köln Januar 1986, S. 4 ff.
  9. a b Cheng Shen, Marlon Wang, Ying-Ying Lai, Tien-Wang Kang u. a.: GERMAN ART 1945–1985. Hrsg.: Martha Su-Fu. Tapei Fine Arts Museum, Taipei/Taiwan 1985, S. 32 ff.
  10. a b c Maria Linsmann: Museum Morsbroich – Malerei Plastik Objekte, Neuerwerbungen 1985–1995. Hrsg.: Stadt Leverkusen, Museum Morsbroich, Rolf Wedewer. Nr. 2. Museum Morsbroich, Leverkusen 1995, ISBN 3-925520-59-7, S. 130 f.
  11. Kunstschaffende der Sammlung Peter C. Ruppert. In: MiK Museum im Kulturspeicher. Stadt Würzburg, 2018, abgerufen am 28. November 2025.
  12. a b c d e f Axel Hubertus Zienicke: WissenschafftKunst - Kunst in der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Hrsg.: Deutsche Forschungsgemeinschaft. Wiley-VCH Verlag, Weinheim/Bonn 2011, ISBN 978-3-527-33278-6, S. 160 ff.
  13. 40. Jahrestag der Versöhnungsgeste von Verdun. In: Bundesstiftung Helmut Kohl. Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung, 18. September 2024, abgerufen am 28. November 2025.
  14. Beatrice Härig: Bauforschung in Orlamünde – Ein Kloster wird neu entdeckt. In: Monumente (Hrsg.): Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Nr. 2. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn April 2022, S. 18–21.
  15. Kloster Orlamünde – FORUM Wilhelmi. In: Saale Unstrut. Saale Unstrut Tourismus, abgerufen am 28. November 2025.
  16. a b c d Yorca Schmidt-Junker: Poesie in Metall. In: LUXURY Hotels & Resorts (Hrsg.): Scholl Media. Köln 2016, S. 68 ff.
  17. Vernissage in Bad Kreuznach. In: Allgemeine Zeitung. 4. Oktober 2023.
  18. Stephan Schmidt-Wulffen: documenta 8: Kunst auf dem Prüfstand. In: KUNSTFORUM International. 1987, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  19. a b c d Yorca Schmidt-Junker: Reflektionen, Interview mit Karl Günter Wolf. Hrsg.: Galerie Martina Kaiser. Eigenpublikation, Köln April 2015, S. 6 ff.
  20. Iris Bruckgraber: Kölner Skizzen – Magische Ringe oder die Magie des Kreises. Hrsg.: Dietmar Schneider. Nr. 3. Köln 2003, S. 24 f.
  21. a b Hans-Peter Riese: STANDORTE-STANDPUNKTE, Retro-Assoziation – Zu den Arbeiten des deutschen Bildhauers Karl Günter Wolf. Hrsg.: Museum Schlosspark. Stadt Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 2023.
  22. Eugen Gomringer: Über Karl Günter Wolf – Vier junge Künstler bei Kricke. Hrsg.: Kunstakademie Düsseldorf. Düsseldorf 1978.
  23. Eugen Gomringer: KONSTRUKTION UND KONZEPTION – Berlin 88 im S-Bahnhof Schöneberg. Hrsg.: Labyrinth Verlag Berlin. Labyrinth, Berlin 1988, ISBN 3-926924-06-3, S. 11 ff.
  24. a b c Axel Hubertus Zienicke: Formenmeister – Meisterformen, Interview mit Karl Günter Wolf. Hrsg.: Deutsche Forschungsgemeinschaft. Bonn 2009.
  25. a b Astrid und Dietmar Guderian: Mathematik in der Kunst. Hrsg.: Wilhelm-Hack-Museum. Ludwigshafen 1987, S. 9 ff., 179 ff.
  26. Max Bill: Züricher Konkrete Kunst. Hrsg.: Moderne Galerie Otto Stangl. Lutz und Meyer, Stuttgart/München/Braunschweig 1949.