Karl Brose (Philosoph)
Karl Georg Albert Brose (* 14. Mai 1939 in Münster; † 3. Juni 2014 in Berlin) war ein deutscher Philosoph, Erziehungswissenschaftler und Aphoristiker. Er wirkte über viele Jahre als außerplanmäßiger Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und beschäftigte sich besonders mit den philosophischen Grundlagen der Erziehung sowie mit Friedenspädagogik. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen trat er auch als Aphoristiker hervor.
Leben
Karl Brose erhielt Ausbildungen in Musik, Germanistik, Theaterwissenschaft, Philosophie und Geschichte, bevor er sich auf Philosophie und Pädagogik konzentrierte. Brose war Schüler und Doktorand von Theodor W. Adorno sowie Schüler von Jürgen Habermas an der Universität Frankfurt und blieb der Kritischen Theorie zeitlebens verpflichtet.[1] 1973 wurde er Assistent bei Walter Rest. Nach seiner Habilitation wirkte er lange Jahre als außerplanmäßiger Professor an der Universität Münster.[1]
Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Friedenspädagogik.[1] Brose leitete über 30 Seminare zur Erziehung zum Frieden, unter anderem gemeinsam mit Heinz-Günter Franke und Peter Heitkämper.[1] Er beschäftigte sich intensiv mit Kant, Nietzsche, Wittgenstein und den Denkern der Frankfurter Schule.
Brose starb am 3. Juni 2014 in Berlin. Er wurde auf dem Berliner Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeinde am Halleschen Tor beigesetzt.
Philosophische Schwerpunkte
Broses Denken verband Erkenntnistheorie, Sozialphilosophie, Sprachphilosophie und Pädagogik. Ein zentrales Anliegen war die Ausbildung zur Friedfertigkeit, friedensorientiertem Denken und mündigen Verantwortlichkeit.
Thematische Schwerpunkte waren die Kritische Theorie und Erziehungsphilosophie, die Friedenspädagogik und politische Bildung, die Nietzsche-Forschung, Sprachphilosophie und Wittgenstein-Interpretation, Ethik, Wahrheit und Bildung sowie Aphoristik und philosophische Prosa.
Künstlerisches Werk
Bereits in jungen Jahren schuf Brose bildnerische Arbeiten, darunter Collage-artige, fragmentarische Kompositionen.
Nachlass
Brose hinterließ einen umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass mit Manuskripten, Vorlesungsunterlagen, Notizen und aphoristischen Fragmenten. Zu seinem Werk gehört neben wissenschaftlichen Studien auch philosophische Prosa. Postum erschien Eigendanken: Nietzsches Spuren, Adornos Schatten (2016).
Schriften (Auswahl)
Monografien
- Geschichtsphilosophische Strukturen im Werk Nietzsches. Zugl. Dissertation. Lang, Frankfurt a. M./Bern 1973, ISBN 3-261-00845-8.
- Philosophie und Erziehung. Pädagogogische Implikate in der Philosophie Kants, Diltheys und in die kritische Theorie der Gesellschaft mit Anmerkungen zu einer künftigen Pädagogik. Lang, Frankfurt a. M./Bern 1976, ISBN 3-261-01923-9.
- Kritische Geschichte. Studien zur Geschichtsphilosophie Nietzsches und Hegels. Lang, Frankfurt a. M./Bern 1978, ISBN 3-261-02471-2.
- Sprachspiel und Kindersprache. Studien zu Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen". Habilitationsschrift, Campus, Frankfurt a. M./New York 1985, ISBN 3-593-33402-X.
- Wittgenstein als Sprachphilosoph und Pädagoge. Grundlagen zu einer Philosophie der Kindersprache. Campus, Frankfurt a. M./New York 1987, ISBN 3-593-33772-X.
- Sklavenmoral. Nietzsches Sozialphilosophie. Bouvier, Bonn 1990, ISBN 3-416-02197-5.
- Nietzsche. Geschichtsphilosoph, Politiker und Soziologe. Die Blaue Eule, Essen 1994, ISBN 3-89206-588-8.
- Friedensphilosophie und Friedenserziehung. Von Kant bis Adorno. Die Blaue Eule, Essen 1996, ISBN 3-89206-711-2.
- Berliner Aphorismen I. Die Blaue Eule, Essen 2003, ISBN 3-89924-041-3.
- Berliner Aphorismen II. Die Blaue Eule, Essen 2008, ISBN 978-3-89924-196-9.
Postume Veröffentlichung
- Eigendenken: Nietzsches Spuren, Adornos Schatten. Die Blaue Eule, Essen 2016, ISBN 978-3-89924-414-4.
Weblinks
- Literatur von und über Karl Brose im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Nachruf zum Tode von Prof. Dr. Karl Brose. Universität Münster, 2014, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 19. Oktober 2014; abgerufen am 4. November 2025.