Karl Klammer (Übersetzer)
Karl Klammer (Pseudonym K. L. Ammer) (* 13. Oktober 1879 in Wien, Österreich-Ungarn; † 8. März 1959 in Wien, Österreich) war ein bedeutender Übersetzer aus dem Französischen und gilt als Wegbereiter des Expressionismus im deutschen Sprachraum. Bertolt Brecht entnahm seiner Übersetzung des François Villon zahlreiche Verse für die Songs des Theaterstücks Die Dreigroschenoper, was zu einem aufsehenerregenden Plagiatsstreit führte. Brecht verhalf Klammer Monate später zu einer Neuauflage der vergriffenen Villon-Nachdichtung und verfasste ein verkaufsförderndes Sonett als Einleitung. Von diesem Buch wurden in der DDR von 1955 bis zum Mauerfall 1989 an die hunderttausend Exemplare in einer Taschenbuchausgabe verkauft.
Leben
Klammer stammte aus einer Familie mit militärischer Tradition, wurde im Elternhaus katholisch erzogen und absolvierte nach der Matura die Militärakademie in Wiener Neustadt. Im Jahr 1902 kam er als junger Offizier zu einem k. u. k. Dragonerregiment in Ostgalizien, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs stationiert war.
In Galizien verfasste Klammer unter dem Pseudonym K. L. Ammer Übertragungen eines Großteils der damals bekannten Gedichte Arthur Rimbauds sowie der Gedichte François Villons. Beide erschienen in Buchform 1907. Seine literarische Übersetzertätigkeit stellte er 1909 nach seiner Heirat mit Margarete Hochenegg weitgehend ein.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verließ Klammer die Armee und trat 1919 in die Wiener Verlagsanstalt Freytag & Berndt ein, die er bis 1949 leitete. Er starb 1959 an einem Herzinfarkt.
Klammer bemühte sich nach dem Zweiten Weltkrieg um eine Wiederauflage seiner Nachdichtungen von Villon und Rimbaud, war aber nur bei letzterer erfolgreich: Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung mit einem Geleitwort von Stefan Zweig erschien 1954 in einer Neuausgabe im Insel Verlag. Erst posthum, nämlich 1987, erschien bei Diogenes "François Villon. Das kleine Testament/Das große Testament, ins Deutsche übertragen von K. L. Ammer".
Tätigkeit als Schriftsteller und Übersetzer
Schon als Schüler hatte Klammer begonnen, Gedichte zu verfassen. Hierbei beschäftigte er sich auch mit zeitgenössischer französischer Lyrik und versuchte sich, offenbar nicht recht zufrieden mit den eigenen Produkten, an der Übertragung französischer Autoren. Als er 1899 eigene Gedichte sowie einige Übertragungen an den bekannten deutschen Schriftsteller Richard Dehmel sandte, verhalf dieser ihm zum Abdruck u. a. in der Berliner Zeitschrift Pan. Im selben Jahr erschienen Übertragungen von Gedichten Maurice Maeterlincks in der Wiener Rundschau.
Heute gelten Klammers Rimbaud- und Villon-Übertragungen als wichtiger Impuls für die Entwicklung der deutschen Lyrik vor und nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere die des Expressionismus.
Der Germanist und Brecht-Forscher Reinhold Grimm hat Klammers bedeutsame Rolle in einem 1963 erschienenen Essay zur deutschen Literatur gewürdigt und mit dem Titel "Ein Wegbereiter" versehen:
„Obgleich […] die Übersetzungen nach Verlaine und Maeterlinck vielfach schon vollgültige Zeugnisse der nachschöpferischen Kunst Klammers darstellen, tritt doch erst in den beiden großen Veröffentlichungen von 1907 seine ganze Meisterschaft hervor.“[1]
Die Villon-Übersetzung, die auf der Erlanger Ausgabe des Wiener Universitätsprofessors Wolfgang von Wurzbach basierte, könne unter den damaligen Editionsverhältnissen als vollständig gelten. Anders stand es dagegen mit der Rimbaud-Übersetzung. Sie beschränkte sich bewusst auf eine Auswahl und behandelte zudem das, was sie übernahm, oft ziemlich frei.
„Während die Übertragung Villons bei aller Großzügigkeit und Freiheit doch stets der adäquaten Wiedergabe des Originals diente, gemahnen die Eingriffe, die Klammer bei Rimbaud vornahm, zuweilen an offene Willkür. Bau und Anordnung der Strophen werden verändert, Sätze, Verszeilen, ja ganze Strophen ausgeschieden und selbständige Stücke zu einer neuen Einheit zusammengeschlossen.“[2]
Die beiden Bücher von 1907, "mit denen erstmals zwei der größten französischen Dichter in Deutschland Eingang fanden", würden sich "nicht selten bis zum Rang einer eigenständigen Dichtung erheben". Man dürfe daher ohne Übertreibung sagen, "Klammer habe den Deutschen Villon geschenkt, so wie einst die Romantik ihnen ihren Shakespeare schenkte". Auch für Rimbaud gelte dieses Lob, allerdings mit der Einschränkung, dass Klammer in diesem Fall "mehr als sonst wo" eine freie Nachdichtung bietet. Von der literarischen Wirkung aus betrachtet habe Klammers Rimbaud allerdings seinen Villon ganz entscheidend übertroffen. Alexander Lernet-Holenia, der unter Klammer in Ostgalizien gedient hatte, konstatierte: "Was man bei uns moderne Lyrik nennt, hat mit K. L. Ammers Übersetzung der Gedichte Arthur Rimbauds begonnen."
Klammers Übersetzungen beeinflussten den jungen Brecht in mehrfacher Hinsicht. Schon in seinem frühen Theaterstück Baal diente ihm Villon als Vorlage. Das Stück Im Dickicht, später Im Dickicht der Städte ist durch die Lektüre von Rimbauds Une saison en Enfer in der Übertragung Klammers beeinflusst, mehrere Gedichte in Bertolt Brechts Hauspostille fußen thematisch auf Rimbaud und auf Villon.[3] Außerdem waren die Nachdichtungen Klammers wichtige Impulsgeber für Georg Trakl, Georg Heym und Ludwig Rubiner.
Der Plagiatsstreit rund um die Dreigroschenoper
In Erinnerung geblieben ist Klammer auch wegen des Plagiatsskandals rund um Bertolt Brechts Dreigroschenoper, den Alfred Kerr 1929 in Berlin durch einen Zeitungsartikel losgetreten hatte. Brecht hatte in den Songs der Dreigroschenoper längere Passagen aus der Villon-Übertragung Klammers übernommen, ohne den Übersetzer zu nennen. Kerr entdeckte dies erst Monate nach der Uraufführung, als im Verlag Gustav Kiepenheuer das Heftchen Brecht. Die Songs der Dreigroschenoper erschien; bei einigen Balladen fand sich der Vermerk „nach F. Villon“, der Übersetzer wurde nicht genannt.
Brechts Bühnenverlag Felix Bloch Erben, geführt von Fritz Wreede, kontaktierte Klammer, um die Urheberrechtsverletzung zu bereinigen. Nach kurzen Verhandlungen wurde vertraglich vereinbart, dass Klammer 2,5 % jener Tantiemen erhält, die dem Autorenkollektiv Bertolt Brecht, Kurt Weill, Elisabeth Hauptmann zustanden, und zwar „für alle bisher stattgehabten wie auch von allen zukünftigen Bühnenaufführungen in deutscher Sprache“.[4] Brechts Anteil reduzierte sich damit von 62,5 auf 60 %, die Anteile von Weill (25 %) und Hauptmann (12,5 %) blieben unverändert.
Der Erfolg von Brechts Stück bescherte Klammer beachtliche Einnahmen, mit der ersten Auszahlung kaufte er seiner Frau einen kleinen Weingarten in Grinzing (Wien), unmittelbar vor seiner Villa, und ließ aus den dort geernteten Trauben einen „Dreigroschentropfen“ keltern[5].
Die Filmrechte blieben in dem Vertrag unerwähnt, wenig später begann Georg Wilhelm Pabst mit der Verfilmung der Dreigroschenoper. Was die Filmrechte anbelangt, ging Klammer also leer aus.[6]
Klammer hatte ursprünglich mit dem „als Mordsbolschewiken bekannten Bert Brecht“ (so in einem Brief an den Wiener Rechtsanwalt Alfred Seiller) keine Tantiemenvereinbarung abschließen wollen, entschied sich jedoch nach Konsultationen mit dem als Urheberrechtsexperten ausgewiesenen Anwalt anders und entwickelte sich zu einem ehrgeizigen Verhandler. Ein Viertel der ersten Honorarauszahlung spendete er einer Schriftstellerorganisation, die ihm von Alfred Kerr genannt worden war.
Kurzfristig bestand zwischen Bertolt Brecht und Karl Klammer auch ein brieflicher Kontakt, wie der österreichische Sachbuchautor Robert Sedlaczek im Deutschen Literaturarchiv Marbach und im Berliner Brecht-Archiv recherchierte und anschließend erstmalig publizierte.[7] Außerdem schickte man einander Bücher mit Widmung.
Am 6. Oktober 1930 schrieb Klammer an Brecht per Adresse Felix Bloch Erben: "Anbei überreiche ich Ihnen ein Widmungsstück des Villon und den Entwurf eines 'offenen Schreibens' an Sie, das ich am 26. Juni 1929 einer Wiener Tageszeitung einsandte, die es aber nicht veröffentlichte. Es sei Ihnen ein Beweis, welche Gesinnung ich Ihnen bereits vor anderthalb Jahren entgegenbrachte. Wenn ich heute Ihnen selbst schreibe, so tue ich es, um für uns beide diese Angelegenheit zu versöhnlichem Abschluss zu bringen, auch unserem bewährten hochgesinnten Anwalt Herrn Wreede zuliebe. Er hat den Weg zur gerechten und einwandfreien Austragung des Zwischenfalls gefunden. Gewiss mit Ihrer Zustimmung, und in diesem Sinn sage ich auch Ihnen besten Dank."
Brecht dankt Klammer mit Schreiben vom 16. Februar 1931 für die Übersendung "Ihres so ausgezeichneten Buches". Er bittet um Entschuldigung, dass er dies so spät tue, "ich war nicht wohl und in großer Arbeit". Als Beilage schickt er Klammer "sein zuletzt erschienenes Heft mit neueren Arbeiten, es war wohl die jüngste Ausgabe der Versuche-Hefte, erschienen bei Kiepenheuer.
Klammer korrespondierte auch mit einigen anderen bedeutenden Schriftstellern beziehungsweise Wissenschaftlern wie Franz Blei, Franz Theodor Csokor, Stefan George, Hermann Hakel, Hugo von Hofmannsthal, Maurice Maeterlinck, Henri Queffélec, Richard Schaukal, Erwin Schrödinger, Josef Weinheber und Stefan Zweig.
Die zerbrochene Freundschaft mit Stefan Zweig
Klammer besuchte so wie Stefan Zweig das Gymnasium Wasagasse, damals Maximiliansgymnasium genannt. Ob die beiden schon zu Schulzeiten in Kontakt waren, ist jedoch zweifelhaft, der Altersunterschied war recht groß. In den Archiven belegt ist ein umfangreicher und freundschaftlicher Briefwechsel zwischen den beiden.[8]
In schriftstellerischer Hinsicht geht es um die Fertigstellung von Klammers Rimbaud-Buch, zu dem Zweig eine ausführliche Einleitung beisteuerte. Daneben wird auch Privates ausgetauscht. Zweig teilt Klammer mit, dass er eine Indien-Reise antreten werde, Klammer freut sich, ihm seine Verlobung mit Margarete Hochenegg bekanntgeben zu dürfen. Als Zweig am 1. Februar 1907 eine Wohnung beziehen wird, und zwar in der Kochgasse 8 in Wien, teilt er dies Klammer voll Freude mit: „Es ist meine eigene Wohnung – endlich! – und ich freue mich innig, Sie dort nur bald begrüßen zu dürfen.“
In den Briefen werden sogar intime Details preisgegeben, so schildert Klammer seinem Freund, dass er sich eine venerische Krankheit zugezogen habe. Dieser antwortet ihm mit einem ähnlichen Geständnis: „Von Ihrer maladie hatte ich mit Bedauern gehört, umso mehr, als ich kurz vorher selbst erfuhr, wie lästig solche Sachen sind, wie leicht man sie kriegt und wie schwer man sie loswird. Auch meine war natürlich von einem ‚anständigen Mädchen‘ – Sie wissen ja, nur solche haben Tripper – das aber den Anstand hatte, verzweifelt zu sein oder sich zu stellen, so dass ich sie noch beruhigen musste. Hier im Lande der schönen Cocotten wächst all dies in Stauden und man muss sich sehr hüten, weil auf der Reise sowas direkt lebensgefährlich wird.“
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schreibt Zweig in eine längerem Brief, dass er sich freuen würde, weiterhin mit Klammer als Übersetzer zusammenzuarbeiten. Weitere Briefe muss es wohl geben, sie sind aber bis dato nicht aufgefunden worden.
In einem Schreiben an Rechtsanwalt Seiller vom 13. Mai 1929, am Höhepunkt des Plagiatsstreits mit Brecht, skizziert Klammer seine literarische Vergangenheit so: „Freund Dehmels, Liliencrons, Franz Bleis und Stefan Zweigs (damals noch, heute aus rassischen Gründen nicht mehr!)“
In seinem Aufsatz Erinnerungen, 1954 in der Zeitschrift Hochland erschienen, bezeichnet er hingegen den damaligen Umgang mit seinen jüdischen Mitschülern als „belebend“, mit einem von ihnen pflege er noch immer eine Freundschaft.
Außerdem berichtet Klammer über Zweigs vergebliche Versuche, ihn in die Wiener Literaturszene einzuführen:
„Stefan Zweig konnte sich nicht genugtun in Verehrung und Freundschafsbezeigungen. Er versuchte mich einmal, als ich in Wien auf Urlaub war, im Café Griensteidl mit dem jungen Nachwuchs auf Wiener Boden bekanntzumachen. Aber die Leute schauten den Kavallerieoffizier mit ebenso teilnahmslosen Blicken an wie er diese Kaffeehauspoeten, wenn auch als Senior Franz Karl Ginzkey präsidierte. Nein, nein, ich fühlte mich fremd in ihrer Mitte, mir war wohler in meiner Abgeschiedenheit im lieben, fernen Ostgalizien.“[9]
Eine Textpassage in den Erinnerungen deutet darauf hin, dass er auch mit Stefan Zweigs markanter Schreibweise nichts anfangen konnte. Er wolle sich mit seinem Schreibstil gezielt von Zweig abheben:
„Ich will ja nur darstellen, was und wie ich alles gesehen und erlebt habe, will nur schreiben, wie ich denke und fühle, einfach, gradaus, ohne Schwulst. Mir ist nicht die gelöste Zunge eines Stefan Zweig in seiner Welt von gestern gegeben, der mit der ganzen Beredsamkeit schmückender Worte, wohl etwas überheblich, die Zeit seiner Jugendjahre schildert, noch die warme Innerlichkeit eines Felix Braun, der in seinem Buch Das Licht der Welt ergreifende Töne für die weiche Schönheit Wiens findet.“[10]
Bei der Neuauflage seiner Villon-Übertragungen versuchte Klammer vergeblich, Stefan Zweigs Einleitung zu eliminieren. Er wolle einen von ihm „hochgeschätzten Wiener Literaten“ empfehlen, der dieser Aufgabe „vorzüglich zu entsprechen vermag“. Der Verlag lehnte dies ab und das Buch erschien mit Zweigs Einleitung.
In seinen letzten Lebensjahren war Klammer mit Felix Braun eng befreundet. Dass Stefan Zweig in Wiener Parks den Nervenkitzel gesucht hatte, indem er sich vor jungen Frauen entblößte, wie Ulrich Weinzierl in seinem Buch Stefan Zweigs brennendes Geheimnis darlegte[11], war Felix Braun offensichtlich erst Jahre nach dessen Freitod bewusst geworden. Als er im Radio eine posthum ausgestrahlte Lesung Zweigs hörte, und zwar das Gedicht Ballade von einem Traum, habe er begriffen:
„Das große Gedicht der Selbstanklage mit dem stetig zurückkehrenden Refrain: ‚Du bist erkannt!‘, hier hörte ich es von Dir wieder … und jetzt erst verstand ich es.“[12]
In Klammers Hausbibliothek fand sich ein Exemplar von Felix Brauns Buch. Der relevante Text trägt den schlichten Titel: „Lieber Stefan!“ Klammer hat daneben mit Bleistift geschrieben: „Zweig“.[13]
Tätigkeit als geschäftsführender Gesellschafter eines kartographischen Verlags
Karl Klammer wollte 1914 den Militärdienst quittieren, da brach der Erste Weltkrieg aus. Gleich zu Beginn der russischen Angriffe erlitt er einen Lungenschuss, von dem er sich lange nicht erholte. Aber der Bruder seiner Frau Margarete hatte sich mit der Tochter des Buchdruckereibesitzers Adolf Holzhausen verlobt, der zugleich spiritus rector bei der Kartographischen Anstalt Freytag & Berndt und dort mitbeteiligt war.[14] Dieser sicherte ihm 1916 zu, dass er nach Kriegsende eine führende Position erhalten würde, sofern er auch eine Kapitalbeteiligung auf die Beine stellt.
Klammer trat 1919 den Dienst an und kletterte die Karriereleiter rasch empor, zunächst als Teilhaber und Geschäftsführer des Verlages Artaria, und nach dessen Zusammenschluss mit Freytag & Berndt als einer von drei Gesellschaftern von Freytag-Berndt und Artaria. Ab 1941 führte er das Unternehmen allein.
Als es im März 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland, darum ging, wer die Geschäftsführung übernimmt, erklärte Klammer der Belegschaft, dass er nicht Mitglied der NSDAP sei und sich deshalb nicht in der Lage sehe, ein Unternehmen zu führen, das gerade zu einem „für den Nationalsozialismus systemwichtigen Betrieb“ erklärt worden war. Die Belegschaft habe sich aber dennoch für ihn ausgesprochen, und nicht für ein anderes Mitglied der Geschäftsführung, das der Partei schon vor deren Verbot beigetreten war. Klammer weigerte sich weiterhin der NSDAP beizutreten, obwohl dies für seine Tätigkeit als Geschäftsführer günstig gewesen wäre. Nach dem Krieg führte Klammer das Unternehmen erfolgreich durch die Zeit des Wiederaufbaus, trat 1949 in den Ruhestand, blieb jedoch Senior Chef, weil er de facto weiterhin zweitgrößter Anteilseigner war – seine Anteile hatte er bis auf einen kleinen symbolischen Betrag seiner Frau überschrieben.
Klammer, der schon länger mit Herzproblemen zu kämpfen hatte, erlitt am 7. März 1959 in seiner Dienstwohnung in der Schottenfeldgasse 62 einen Herzinfarkt, wurde mit der Rettung in die Allgemeine Poliklinik Wien in der Mariannengasse 10 gebracht und verstarb dort kurz nach Mitternacht. Seine Frau starb 1971.
Werke
- Karl Klammer: Erinnerungen. Von k. und k. Oberstleutnant Karl Klammer. In: Hochland, 48. Jg., 1955/56, S. 352–360.
- Maurice Maeterlinck: Gedichte. Deutsch von K. L. Ammer u. Friedrich v. Oppeln-Bronikowski. Diedrichs, Jena 1906.
- Jean-Arthur Rimbaud: Leben und Dichtung. Übertragen von K. L. Ammer. Mit einem Geleitwort von Stefan Zweig. Insel-Verlag, Leipzig 1907, 1921; Neuauflage Wiesbaden 1954 und 1964.
- François Villon: Des Meisters Werke. Ins Deutsche übertragen von K. L. Ammer. Zeitler, Leipzig 1907, neu aufgelegt 1918 bei Hyperion.
- François Villon: Balladen. Ins Deutsche übertragen und mit einem Nachwort versehen von K. L. Ammer, mit Bertolt Brechts Sonett zur Neuausgabe des François Villon als Einleitung, Kiepenheuer, Berlin 1930; als Taschenbuch bei Gustav Kiepenheuer, Weimar 1949.
- François Villon: Die sehr respektlosen Lieder des François Villon; mit Bertolt Brechts Sonett zur Neuausgabe des François Villon als Einleitung und mit einem Nachwort von Stephan Hermlin; (Lizenzausgabe von Gustav Kiepenheuer, Weimar), Reclams Universalbibliothek, Reclam Leipzig 1955 ff.
- Tristan Corbière: Die Bettelsängerin und das Gnadenbild der St. Anna; übertragen von Karl Klammer und mit Lithographien von Hans Fronius, Privatdruck des Hauses Freytag & Berndt, Wien 1952.
- François Villon: Lieder und Ballade. Das kleine Testament/Die Ballade/Das Große Testament; ins Deutsche übertragen von K. L. Ammer und mit dessen Nachwort aus der Originalausgabe, Diogenes Taschenbuch (detebe), Zürich 2001.
- Karl Klammer: Aus französischer Lyrik. Übersetzungen von Karl Klammer. Mit Nachworten von Richard Dehmel, Felix Braun und Alexander Lernet-Holenia, Adolf Holzhausens Nachf., Wien o. J. (1957).
Literatur
- Reinhold Grimm: Karl Klammer. Ein Wegbereiter. In: Strukturen. Essays zu deutschen Literatur; Sachse & Pohl Verlag, 1963 Göttingen.
- Reinhold Grimm: Werk und Wirkung des Übersetzers Karl Klammer. In: Neophilologus. 44. Jg., 1960, S. 20–36.
- Barbara Haberlander: K. L. Ammer. Portrait eines österreichischen Übersetzers. Dipl.-Arb., Salzburg 1992.
- Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper. Oder: Wie seine Freundschaft mit Stefan Zweig zerbrach und eine neue mit Felix Braun entstand. Broschiert und mit zahlreichen SW-Abbildungen bei Amazon KDP sowie als Hardcover und teilweise vierfarbig bei BoD, Books on Demand, Hamburg, beide 2025.
Weblinks
- Karl Klammer (Übersetzer) im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Karl Klammer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Reinhold Grimm: Ein Wegbereiter. In: Strukturen. Essays zu deutschen Literatur; Sachse & Pohl Verlag, 1963 Göttingen, Seite 130
- ↑ Reinhold Grimm: Ein Wegbereiter. In: Strukturen. Essays zu deutschen Literatur; Sachse & Pohl Verlag, 1963 Göttingen, Seite 131
- ↑ Reinhold Grimm: Bertolt Brecht, 2. verbesserte und erweiterte Auflage, Stuttgart 1963, Seite 8 und Seite 12
- ↑ Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper, Seite 245–246
- ↑ Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper, Seite 27
- ↑ Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper, Seite 246–248
- ↑ Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper, Seite 248–252
- ↑ Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper, Seite 132–134
- ↑ Erinnerungen, Seite 358–359
- ↑ (Erinnerungen, Seite 353)
- ↑ Ulrich Weinzierl: Stefan Zweigs brennendes Geheimnis, Wien 2015
- ↑ (Felix Braun: Briefe in das Jenseits, 1952)
- ↑ Robert Sedlaczek: Karl Klammer und der Plagiatsstreit mit Bertolt Brecht um die Dreigroschenoper, Seite 215
- ↑ Bernhard Brabenec, Fritz Aurada, Karl Klammer: Freytag & Berndt u. Artaria : die Firmengeschichte seit 1766, Eigenverlag, Freytag & Berndt, Wien 2022, ISBN 979-8-84038804-4