Karl-Heinz Böckstiegel

Karl-Heinz Böckstiegel (* 2. August 1936 in Engers; † 19. Dezember 2025[1]) war ein deutscher Rechtswissenschaftler. Seine Kerngebiete waren das internationale Wirtschaftsrecht, die internationale Streiterledigung sowie das Luft- und Weltraumrecht.

Leben

Böckstiegel studierte in Heidelberg, Hamburg, Bonn, Köln, Boston, Genf, Den Haag und Paris. Er promovierte 1962 mit einer Arbeit über Die allgemeinen Grundsätze des Völkerrechts über Eigentumsentziehung : Eine Untersuchung zu Artikel 1 des Zusatzprotokolls zur Europäischen Menschenrechtskonvention. Nach Abschluss des Jurastudiums war Böckstiegel als Sozius in einer wirtschaftsberatenden Anwaltskanzlei in Düsseldorf tätig. 1971 habilitierte er sich an der Universität Köln mit dem Thema Der Staat als Vertragspartner ausländischer Privatunternehmen bei Ignaz Seidl-Hohenveldern. Im Anschluss wurde Böckstiegel als beamteter Wissenschaftlicher Rat und Professor Mitarbeiter am Institut für Internationales und Ausländisches Öffentliches Recht der Universität zu Köln.

Zwischen 1975 und 2001 leitete Böckstiegel als Nachfolger von Institutsgründer Alex Meyer das Kölner Institut für Luft- und Weltraumrecht, das führende Institut im auf diesem Gebiet im deutschen Sprachraum. Er war gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls für Völkerrecht, Europarecht, Europäisches- und Internationales Wirtschaftsrecht. Böckstiegel machte sich auch durch nationale und internationale Schiedsverfahren verdient. So war er von 1984 bis 1988 Präsident des Iran-United States Claims Tribunal in Den Haag. Ab 2001 befand sich Böckstiegel im Ruhestand.

Böckstiegel wird am 23. Januar 2026 in den Gärten der Bestattung in Bergisch Gladbach beigesetzt.

Mitgliedschaften

Böckstiegel war Mitglied im Fachausschuss der International Telecommunications Satellite Organization (ITSO) und Ehrendirektor des International Institute of Space Law.

Ehrungen

2011 startete die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) eine alle zwei Jahre zu veranstaltende Karl-Heinz Böckstiegel Lecture.

Werke (Auswahl)

Einzelveröffentlichungen

  • mit Werner Veith: Der Schutz von ausländischem Vermögen im Völkerrecht. Studien zum europäischen Wirtschaftsrecht. Heft 4. Lutzeyer, Baden-Baden 1962.
  • Die allgemeinen Grundsätze des Völkerrechts über Eigentumsentziehung. Neue Kölner rechtswissenschaftliche Abhandlungen. Heft 27. De Gruyter, Berlin 1963.
  • Der Staat als Vertragspartner ausländischer Privatunternehmen. Völkerrecht und internationales Wirtschaftsrecht Band 1. Athenäum, Frankfurt/Main 1971.
  • Der Durchgriff auf den Staat. Thesen zur funktionellen Identifizierung staatlichen Handelns. Athenäum, Frankfurt/Main 1972.
  • mit Ottoarndt Glossner: Internationale Schiedsgerichtsbarkeit im Ost-West-Handel. Nomos, Baden-Baden 1975.
  • Vertragsgestaltung und Streiterledigung in der Bauindustrie und im Anlagenbau. Heymanns, Köln o. D.

Herausgeberschaften

Von 1975 bis 2001 war Böckstiegel Herausgeber der Schriftenreihe Internationales Wirtschaftsrecht, der Zeitschrift für Luft- und Weltraumrecht, der Reihe Schriften zum Luft- und Weltraumrecht sowie Mitherausgeber der Schriftenreihe der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit.

Literatur

  • Horst Bittlinger, Marietta Benkö: Institute of Air and Space Law. University of Cologne. 1925–2005. Eleven International Publishing, Utrecht 2005. ISBN 90-77596-09-7, S. 22–31, PDF Digitalisat
  • Robert Briner, L. Yves Fortier et al.: Law of International Business and Dispute Settlement in the 21st Century. Recht der Internationalen Wirtschaft und Streiterledigung im 21. Jahrhundert. Liber Amicorum Karl-Heinz Böckstiegel. Heymanns, Köln 2001. S. V–VI.

Einzelnachweise

  1. Wir trauern vom 3. Januar 2026: Todesanzeige seiner Familie, abgerufen am 3. Januar 2026