Karel Fleischmann
Karel Fleischmann, auch Karl, (geboren 22. Februar 1897 in Klattau, Österreich-Ungarn; gestorben 23. Oktober 1944 im KZ Auschwitz) war ein tschechoslowakischer Maler, Schriftsteller und Arzt.
Leben
Karl Fleischmann war ein Sohn des Lithographen und Kalligraphen Adolf Fleischmann (gestorben 1934) und der Franziska Fleischmann. Er besuchte das Gymnasium in České Budějovice und studierte von 1916 bis 1922 Medizin an der Karls-Universität in Prag. Nebenher besuchte er auch eine Zeichenschule. Fleischmann praktizierte die nächsten Jahre als Dermatologe in České Budějovice.
Er gehörte Anfang der 1930er Jahre zu den Gründungsmitgliedern der avantgardistischen Künstlergruppe „Linie“ und schrieb in deren gleichnamiger Zeitschrift. In der südböhmischen Regionalzeitung Jihočeský list publizierte er Gedichte und einen Fortsetzungsroman unter dem Pseudonym Al Terego, i.e. alter ego. Fleischmann hatte eine erste Ausstellungsbeteiligung bei der Vereinigung südböhmischer Künstler, er malte Porträts, Blumenstillleben, fertigte Zeichnungen, Linolschnitte und Lithographien.
Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 und der deutschen Besetzung musste er aus rassistischen Gründen seine Arztpraxis aufgeben. Aus dem Jahr 1940 existiert eine Porträtzeichnung, die der Künstler und Holocaustüberlebende David Friedmann angefertigt hat.[1] Fleischmann wurde am 18. April 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er als Arzt und Organisator der Krankenpflege tätig war. Wie eine Anzahl weiterer hierher deportierter Künstler kam er dort in den Zeichnersaal der technischen Kanzlei. Sie mussten unter scharfer Aufsicht insbesondere Baupläne zeichnen, Zeichnungen für Propagandamaterial anfertigen, das das Bild von den guten Lebensbedingungen in Theresienstadt stützen sollte, für den persönlichen Gebrauch ihrer Bewacher nach deren Geschmack Bilder malen und für die kommerzielle Verwertung Gemälde berühmter Künstler fälschen. Unter großer Gefahr gelang es einigen von ihnen, illegal tausende Zeichnungen und Grafiken über den Ghettoalltag und sein Grauen anzufertigen. Fleischmann fertigte einige Hundert Bleistift-, Kohle- und Federzeichnungen über das Ghettoleben. Umfangreiche Überlieferungen gibt es insbesondere von Leo Haas. In der Geschichtsschreibung wird zumeist die Bezeichnung Künstlerkolonie in Theresienstadt benutzt.
Am 23. Oktober 1944 wurde Fleischmann in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Publikationen (Auswahl)
- Grafika. Budweis: Edice Linie, 1932
- Návrat : Tříšť roků a lidí . Budweis: Edice Linie, 1933
- Peští do oblak. Budweis: Edice Linie, 1937
Postume Ausstellung
- 1987: Prag, Staatliches Jüdisches Museum in Prag, Klausensynagoge („Karel Fleischmann. Persönlichkeit und Werk“)
Literatur
- Blanka Stehlíková: Fleischmann, Karel. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 41, Saur, München u. a. 2004, ISBN 3-598-22781-7, S. 160.
- Markéta Petrášová; Jarmila Škochová: Karel Fleischmann. Persönlichkeit und Werk. Ausstellungskatalog. Prag : Staatliches Jüdisches Museum, 1987
- Daniela Uher: Zwischen Leben und Tod. Eine Künstlerkolonie in Theresienstadt. Überlegungen zu einer Erweiterung des Begriffes »Künstlerkolonie«, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, 1999, S. 93–104
- Gerald Green: The artists of Terezin. Ill. by the inmates of Terezin. New York : Hawthorn Books, 1978
- Künstlerkolonie in Theresienstadt. In: Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen im östlichen und südlichen Europa seit 1900. Dr. Ernst Hauswedell & Co, 1996, S. 238
Weblinks
- Fleischmann, Karl (Karel), bei ghetto-theresienstadt
- Dr. Karel Fleischmann, bei holocaust.cz
Einzelnachweise
- ↑ David Friedmann: Portrait of Karl Fleischmann, bei holocaust.cz (en), ob die Zeichnung in die Gemeinfreiheit übergeben wurde, ist offen.