Karaitenfriedhof in Warschau
Der Karaitenfriedhof in Warschau ist ein Bestattungsplatz der polnischen Minderheit der Karäer im Warschauer Stadtbezirk Wola. Die nur rund 1000 Quadratmeter große Anlage liegt an der Ulica Redutowa und ist der einzige genutzte Friedhof der Karäergemeinde in Polen.
Geschichte
Etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich einige Familien vorwiegend aus der Krim stammender Karäer in Warschau nieder, die zumeist im Tabakhandel tätig waren. Die sich entwickelnde Gemeinde unterstand der geistlichen Karaitenführung in Jewpatorija. Verstorbene der kleinen Warschauer Gemeinde mussten mangels eines eigenen Friedhofs in das knapp 500 Kilometer entfernte Trakai überführt werden, um dort nach karäischer Tradition beerdigt zu werden. 1890 stimmte die religiöse Führung in Jewpatorija der Anlage eines Begräbnisplatzes in Warschau zu. Zunächst war ein Standort neben dem Jüdischen Friedhof in Bródno geplant; aus unbekannten Gründen kam es dann mit Zustimmung des Generalgouverneurs aber zum Ankauf eines 550 Quadratmeter großen Grundstückes von der orthodoxen Gemeinde in Wola – neben dem Orthodoxen Friedhof gelegen, damals am Stadtrand von Warschau.
Der 1890 angelegte Begräbnisplatz erhielt eine zwei Meter hohe Ziegelsteinmauer mit einem etwa einen Meter tiefen Mauerfundament. Im Rahmen des Überfalls auf Polen wurde die Anlage beschädigt; weitere Schäden erfolgten durch die Kampfhandlungen im Gebiet der nahegelegenen Ulica Wolska während des Warschauer Aufstandes. Am 2. Februar 1991 erfolgte der Eintrag in das Denkmalschutzregister (Nr. 1412). 1994 wurde die Friedhofsfläche durch Zukauf eines Seitenstreifens von der orthodoxen Gemeinde auf 1122 Quadratmeter vergrößert. Im selben Jahr wurde die alte Friedhofsmauer durch einen Metallzaun ersetzt.
Auf dem Friedhof befinden sich etwa 100 Gräber. Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 1895. Die Grabsteine sind schlicht und tragen teilweise Inschriften in karäischer Sprache. Unter anderem sind hier mehrere Hochschullehrer polnischer Universitäten bestattet:
- Szymon Firkowicz (1920–1976), Elektronikingenieur, Professor an der Technischen Universität Warschau
- Ananiasz Zajączkowski (1903–1970), Orientalist, Turkologe, Professor an der Universität Warschau
- Włodzimierz Zajączkowski (1914–1982), Orientalist, Turkologe, Professor an der Jagiellonen-Universität
Weblinks
- Cmentarz Karaimski w Warszawie, Związek Karaimów Polskich (polnisch)
- Adam Dubiński, Cmentarz Karaimski w Warszawie, 30. Dezember 2006, Awazymyz. Pismo Historyczno-społeczno-Kulturalne Karaimów, 18/3 (14), https://doi.org/10.33229/az.295, S. 3–6
- Cmentarz karaimski, ul. Redutowa 34, Dzielnica m. st. Warszawy (polnisch)
Koordinaten: 52° 13′ 59″ N, 20° 56′ 30″ O