Kapfing (Vilsheim)

Kapfing ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Vilsheim im niederbayerischen Landkreis Landshut.

Geographie

Kapfing liegt 400 Meter nördlich von Vilsheim am Kapfinger Bach.

Geschichte

Im Mittelpunkt des Dorfes nördlich von Vilsheim steht das stattliche Schloss Kapfing. Im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts wird erstmals ein Werinher de chapfingen erwähnt, die ersten sicheren Nachrichten vom Schloss stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der Ort Kapfing entwickelte sich als typische Siedlung um das Schloss.

Schloss Kapfing

Schloss Kapfing besteht aus einer Rechteckanlage, dem Park und der Schlosskapelle St. Josef. Die Anlage wird als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-2-7538-0335 im BayernAtlas als „Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde im Bereich des Schlosses von Kapfing, darunter die Spuren von Vorgängerbauten bzw. älterer Bauphasen“ geführt. Ebenso ist das Schloss unter der Aktennummer D-2-74-185-10 ein denkmalgeschütztes Baudenkmal der Gemeinde Vilsheim.

Von 1415 bis 1643 befand es sich im Besitz der späteren Freiherrn von Eckher, bis 1780 befand es sich im Besitz der Freiherrn von Goder. 1702 kam Hieronymus Graf von Spreti als Page an den Hof von Kurfürst Max Emanuel, und durch seine dritte Ehe mit Antonia Freiin von Goder 1754 wurde Schloss Kapfing ab 1780 Stammsitz der Grafen von Spreti.

Ende des 19. Jahrhunderts machte Adolf Graf von Spreti Kapfing zum Hauptwohnsitz. 1910 und 1911 erhielt das dreigeschossige, von einem Walmdach gedeckte Gebäude im Rahmen einer Erweiterung nach Westen zwei runde Ecktürmchen. 1918 kehrte hier König Ludwig III. bei seiner Flucht aus München kurz ein. Franz Graf von Spreti, der auf Schloss Kapfing wohnte, war Landrat des Kreises Landshut und Bezirkstagspräsident von Niederbayern.

Mit dem Tod des Wolfram Graf von Spreti 2004, der sich zuvor hoch verschuldete, fiel das Schloss mit Ländereien an den bayerischen Staat.[1] Im Jahr 2007 erwarb Nikolaus Weber-Henschel den Besitz.[2]

Der Ort Kapfing

Kapfing wurde 1818 im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern eine selbstständige politische Gemeinde, unterstand aber der Patrimonialgerichtsbarkeit der Grafen von Spreti, die erst im Zuge der Märzrevolution 1848 ihr Ende fand. 1857 wurden der Ort nach Vilsheim eingemeindet.[3]

Der Ort Kapfing verzeichnete 1840 neben den gräflichen Flächen 28 weitere Grundeigentümer, vorwiegend Bauern. Von den 41 Familien und 243 Einwohnern gingen 32 Familien mit 147 Angehörigen ausschließlich der Landwirtschaft nach, fünf Familien mit 17 Personen betrieben zugleich ein Gewerbe. Kapfing zählte 1860 100 Einwohner, 1970 waren es 64, zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren es etwa 100.

Beim Kreisentscheid 2005 des Wettbewerbs Unser Dorf hat Zukunft gewann Kapfing in der Kategorie bis 600 Einwohner die Goldmedaille.[4]

Persönlichkeiten

  • Karl Graf von Spreti (* 21. Mai 1907 auf Schloss Kapfing bei Vilsheim; † 5. April 1970 in San Pedro/Guatemala), Architekt, Politiker (CSU), Bundestagsabgeordneter und Botschafter
  • Franz Graf von Spreti (* 17. April 1914 auf Schloss Kapfing bei Vilsheim; † 11. Mai 1990 ebenda), Politiker (CSU), Bürgermeister von Vilsheim, Landrat des Kreises Landshut und Bezirkstagspräsident von Niederbayern
Commons: Kapfing (Vilsheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Focus Online: Finanzen: Des Grafen falsche Zahlen - Deutschland. In: Focus Online. (focus.de [abgerufen am 30. Oktober 2025]).
  2. idowa, Straubing Germany: Klassik im Schloss. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  3. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 8, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  4. Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" (Memento vom 5. Oktober 2008 im Internet Archive)

Koordinaten: 48° 27′ N, 12° 6′ O