Kanonen auf hoher See

Kanonen auf hoher See ist ein historischer Roman von Patrick O’Brian aus dem Jahre 1979 (Originaltitel: The Fortune of War). Die deutsche Übersetzung von Jutta Wannenmacher erschien erstmals 1998 im Bertelsmann Verlag, später bei Ullstein und seit 2025 neu beim Kampa Verlag. Es ist der sechste Teil der Aubrey-Maturin-Reihe um den britischen Kapitän Jack Aubrey und seinen Freund, den Arzt und Geheimagenten Stephen Maturin und handelt vor dem Hintergrund des Britisch-Amerikanischen Krieges, der 1812 begann.

Vorgeschichte

Die Handlung beginnt einige Wochen nach dem Ende des Vorgängerbandes Sturm in der Antarktis. Die HMS Leopard war darin in antarktischen Gewässern schwer beschädigt worden. Unter den Deportierten, die sie nach Australien bringen sollte, befand sich die amerikanische Spionin Louisa Wogan. Ihr war mit Maturins Gehilfen Herapath, mit dem sie an Bord eine folgenreiche Liaison begonnen hatte, die Flucht gelungen. Wogan ist eine Freundin von Maturins großer Liebe Diana Villiers, die in die USA gegangen war. Diana ist die Kusine von Aubreys Frau.

Handlung

Nachdem die HMS Leopard Pulo Batang, einen britischen Stützpunkt in Niederländisch-Indien, erreicht hat, entscheidet der dortige Hafenadmiral, das schwer beschädigte Schiff nicht mehr als Kriegsschiff einzusetzen; Aubrey verliert Schiff und Kommando. Maturin erfährt derweil vom örtlichen Vertreter des Nachrichtendienstes, dass sein Versuch, über Louisa Wogan falsche Informationen an die amerikanische Regierung weiterzugeben, geglückt ist. Da Aubrey ein neues Schiff in England übernehmen soll, schifft er sich Maturin, seinem Steward und seinem Bootssteurer auf dem britischen Kurierschiff La Flèche ein. La Flèche hatte Post mitgebracht und Aubrey erhält einen Brief seiner Frau. Sie hatte inzwischen über Louisa Wogan und Diana Villiers vom Schicksal der Leopard erfahren.

Bei einem Zwischenstopp im südafrikanischen Simonstown erfährt die Besatzung vom Kriegsausbruch mit den USA. Die bis dahin ruhige Passage verläuft auch danach zunächst ereignislos bis plötzlich irgendwo im Südatlantik vor Brasilien Feuer an Bord ausbricht und La Flèche untergeht. Das Boot mit Aubrey und seinen Gefährten wird nach entbehrungsreichen Wochen auf See schließlich von der HMS Java gefunden.

Eigentlich auf dem Weg nach Indien, trifft die Java kurz darauf auf die USS Constitution und stellt sie zum Kampf. Im Gefecht wird die Java so schwer beschädigt, dass sie die Flagge streichen muss und nicht mehr zu retten ist. Aubrey, der das Kommando über eine Kanone übernommen hatte, ist im Gefecht schwer verwundet worden. Die britischen Seeleute werden gefangen genommen und segeln mit der lädierten Constitution zurück nach Boston.

Der verletzte Aubrey wird dort in ein privates Sanatorium verlegt und Maturin bleibt als sein Arzt bei ihm. Der sonst übliche Gefangenenaustausch lässt jedoch auf sich warten. Während des Aufenthalts in Boston trifft Maturin alte Weggefährten und macht neue Bekanntschaften: Michael Herapath lebt mit Louisa Wogan und dem gemeinsamen Kind in Boston. Er hatte Maturin vor seiner Flucht in die USA assistiert und Aubrey hatte ihm das Leben gerettet. Seitdem ist er beiden sehr gewogen und hat inzwischen begonnen, Medizin zu studieren. Seine Frau Louisa gibt zu, dass man inzwischen wisse, dass die Informationen, die Maturin ihr seinerzeit über Aubrey zugespielt hatte, falsch waren. Herapaths Vater George ist ein wohlhabender Kaufmann, der von dem Krieg seines Präsidenten wenig hält, schadet er doch seinen Handelsgeschäften. Maturin trifft auch endlich Diana Villiers wieder, die immer noch mit Henry Johnson liiert ist. Johnson ist ein vermögender Unternehmer und einer der größten Sklavenbesitzer. Wie Wogan arbeitet er als Agent für die amerikanische Regierung. Er pflegt engen Kontakt zu zwei französischen Spionen, die sich in Boston aufhalten und die auch Maturin bekannt sind. Frankreich und die USA verbindet der gemeinsame Gegner England.

Maturin wird klar, dass man Aubrey für einen englischen Agenten hält, denn die von Maturin seinerzeit gefälschten Dokumente gelangten aus Aubreys Händen in den Besitz der Amerikaner. Daher zögert man den Austausch hinaus und versucht immer wieder Aubrey zu befragen. Maturin lässt Aubrey deshalb weiterhin den Kranken spielen, auch wenn es diesem tatsächlich immer besser geht.

Dabei befürchtet Maturin zurecht, selbst enttarnt zu werden; die Franzosen versuchen zweimal ihn zu entführen. Beim zweiten Mal kann er sich gerade noch in das Hotel retten, in dem Diana und Johnson logieren. Diana will den despotischen Johnson verlassen, allerdings hatte sie auf ihre Staatsbürgerschaft verzichtet, um bei ihm leben zu können. Maturin bietet ihr an, sie zu heiraten, um dieses Problem zu lösen. Sie können das Hotel, in dem auch viele französische Offiziere wohnen, jedoch nicht ungesehen verlassen. Er schickt Aubrey eine Nachricht und durchsucht unterdessen Johnsons Papiere. Dabei wird er von den beiden französischen Spionen überrascht; er tötet beide.

Aubrey wendet sich an Herapath senior, der mit seinem Sohn Aubrey, Maturin und Diana zur Flucht verhilft. Mit einem Kutter segeln sie zunächst unbemerkt aus dem Hafen und treffen auf die HMS Shannon, die den Hafen blockiert und von Aubreys Cousin Philip Broke kommandiert wird. Broke sinnt schon länger darauf, sich mit den Amerikanern zu messen, nachdem die ersten drei Gefechte zwischen amerikanischen und britischen Schiffen zu Ungunsten der Royal Navy ausgegangen waren. Er hatte dem Kommandanten der USS Chesapeake sogar einen Brief geschickt und zum Zweikampf gefordert. Doch erst jetzt verlässt die Chesapeake den Hafen um Aubrey zu verfolgen. Nach kurzem Gefecht kann die Shannon die Amerikaner zwingen, die Flagge zu streichen.

Hintergrund

Im Gegensatz zu seinen ersten Bänden beschreibt O’Brian keinen abgeschlossenen Einsatz in diesem Buch. Er knüpft unmittelbar, wenn auch mit einer kleinen zeitlichen Lücke, an das Geschehen des Vorgängerromans an und endet ebenso abrupt. Erst mit dem folgenden Band wird der Handlungsbogen vollständig abgeschlossen.

Wieder greift O’Brian dabei das reale Geschehen auf und baut es in seine Romanhandlung ein. Er „schmuggelt“ seine Protagonisten an Bord der beiden realen britischen Kriegsschiffe HMS Java und HMS Shannon und lässt sie und den Leser dadurch an den tatsächlich so stattgefundenen Gefechten teilnehmen. Das Aufeinandertreffen der Java und der Constitution ereignete sich am 29. Dezember 1812, das Gefecht zwischen Shannon und Chesapeake am 1. Juni 1813.

Auftretende Personen (Auswahl)

Fiktive Personen

  • Captain Jack Aubrey
  • Dr. Stephen Maturin
  • Diana Villiers; Stephens Herzdame, Lebensgefährten von Henry Johnson
  • Barret Bonden, Aubreys Bootssteuerer
  • Preserved Killick, Aubreys Steward
  • Louisa Wogan; frühere amerikanische Spionin, von britischer Deportation geflohen, mit Diana befreundet
  • Michael Herapath; früher Maturins Assistent, mit Louisa Wogan verheiratet
  • George Herapath; Michaels Vater, Kaufmann und ehemaliger Loyalist
  • Henry Johnson, wohlhabender Amerikaner, einer der größten Sklavenhalter des Landes, spioniert für die amerikanische Regierung

Historisch verbürgte Personen

Literatur

Ausgaben

  • The Fortune of War, HarperCollins, 1996, ISBN 978-0006499190
  • Kanonen auf hoher See: Das sechste Abenteuer für Aubrey und Maturin, Kampa, 2025, ISBN 978-3311101499

Weiterführende Literatur

  • Harbors and High Seas: Map Book and Geographical Guide to the Aubrey/Maturin Novels of Patrick O'Brian, Dean King; Henry Holt & Co, 2000; ISBN 978-0805066142; englischsprachiger Führer durch die komplette Aubrey-Maturin-Reihe