Kango Takamura

Kango Takamura (* 25. März 1895 in Ozumachi, Präfektur Kumamoto, Japan; † 17. Januar 1990 in Los Angeles, Kalifornien) war ein japanisch-amerikanischer Maler, Fotograf und Retuscheur. Er zählt zu den wenigen Issei-Künstlern, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Hollywood tätig waren und während ihrer Internierung umfangreiche künstlerische Dokumentationen schufen. Seine Aquarelle aus Santa Fe und Manzanar gehören heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der Lebenswelt japanischstämmiger Internierter und sind ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der japanisch-amerikanischen Kunst.[1]

Leben

Kango Takamura verlor im Alter von zehn Jahren seine Mutter und wuchs bei seinem Vater und seiner Großmutter auf. Während seiner Schulzeit kam er durch ausländische Gastlehrer mit westlicher Kultur und dem Christentum in Kontakt. Mit 16 Jahren wanderte er mit seinem Vater und seinem Bruder nach Hawaii aus. Dort besuchte er die Trinity School in Honolulu und sammelte erste Erfahrungen als Fotograf sowie als Kunstlehrer im YMCA und in der St. Mary’s Episcopal Church. 1918 reiste er vorübergehend nach Japan, kehrte jedoch 1919 nach Hawaii zurück. Er gab später an, während der weltweiten Influenza-Pandemie schwer erkrankt zu sein. 1921 zog er nach Los Angeles, wo er zwei Jahre lang an der Chouinard School of Art studierte. Gleichzeitig arbeitete er als Assistent des Fotografen Chikashi Tanaka. 1924 zog Kango Takamura nach New York City, wo er bei Famous Players-Lasky Pictures (Paramount) als Fotoretuscheur angestellt wurde. 1927 heiratete er Setsuko Fujino. 1928 wurde er nach Kalifornien versetzt, um bei Paramount die Abteilung für Film Still-Retouching aufzubauen. 1930 wechselte er zu RKO Pictures, wo er unter anderem am Film King Kong(1933) mitwirkte.[1]

Internierung während des Zweiten Weltkriegs

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor verschlechterte sich Kango Takamuras berufliche Lage und er wurde im Februar 1942 vom FBI verhaftet. Als Gründe wurden seine Funktion als ehrenamtlicher Schatzmeister eines japanischen Bogenschützenvereins sowie ein früheres Gespräch über den Verkauf einer Kamera an einen japanischen Offizier genannt. Takamura wurde zunächst im Los Angeles County Jail und anschließend im Tuna Canyon Detention Camp festgehalten. Später wurde er in das Santa Fe Internment Camp überstellt. Dort entstanden zahlreiche Aquarelle, in denen er den Lageralltag teilweise in karikaturhaften Formen dokumentierte. Nach vier Monaten wurde er nach Manzanar verlegt, wo sich seine Familie befand. In Manzanar arbeitete er als Staff Artist in der Abteilung für visuelle Bildung unter Kiyotsugi Tsuchiya. Er wirkte am Aufbau eines Museums mit, erstellte Ausstellungen und unterrichtete Malerei. Zudem dokumentierte er verschiedene Bereiche des Lageralltags, darunter das Guayule-Forschungsprojekt. 1944 wurde Takamura Leiter der visuellen Bildung. Während der Unruhen in Manzanar („Manzanar Riot“) im Dezember 1942 verteidigte er seinen Schwiegersohn Togo Tanaka gegen Anschuldigungen von Lagerbewohnern, dieser sei ein Informant. Anschließend verließ die Familie das Lager. Kango Takamura blieb bis September 1945 in Manzanar und führte dort unter anderem Sommerkunstkurse für Kinder durch.[1]

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende kehrte Kango Takamura zu RKO Pictures zurück und blieb bis zur Schließung des Unternehmens im Jahr 1959 dort. 1954 wurde er amerikanischer Staatsbürger. In den 1950er- und 1960er-Jahren engagierte er sich weiterhin kulturell, trat bei Veranstaltungen auf und pflegte Kontakte zu japanischen Künstlern wie Shoun Igarashi. Im Jahr 1974 schenkte er seinen umfangreichen Bestand an Internierungslagerzeichnungen der Young Research Library der University of California in Los Angeles. Seine Arbeiten wurden in Ausstellungen wie The View from Within (1992) und No Monument (2022) präsentiert. Kango Takamura starb am 17. Januar 1990 in Los Angeles.[1]

Literatur

  • Deborah Gesensway & Mindy Rosenman (Hg.): Beyond Words: Images from America's Concentration Camps. Cornell University Press, 1987.
  • Karin M. Higa: The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1942–1945. Japanese American National Museum, 1992.

Einzelnachweise

  1. a b c d Artist and Documentarian: The Life of Kango Takamura. 28. August 2023, abgerufen am 20. November 2025.