Kalvarienberg Reicholzried
Der Kalvarienberg Reicholzried ist ein im Jahr 1900 auf dem Fellenberg, einem kleinen Hügel nordöstlich von Reicholzried angelegter Kreuzweg, der zwei Jahre später durch eine neugotische, dem leidenden Heiland geweihte[1] Kapelle aus rotem Backstein ergänzt wurde. Die Anlage steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[2]
Kreuzweg
Der Kreuzweg wurde auf Initiative von Pfarrer J. B. Zientner angelegt. Die ursprünglichen 14 Stationen wurden 1917 durch Nischenpfeiler mit auf Blechtafeln gemalten Bildern[2] von Haugg (Ottobeuren)[1] ersetzt. Die 12. Station wird durch eine hölzerne Kreuzigungsgruppe von Hans Hirsch (Günzburg) vertreten, errichtet gleichzeitig mit den Stationen (1917)[2] oder zwei Jahre später (1919).[1]
Kapelle
Der schlichte Backsteinbau besteht einem Langhaus zu zwei Achsen und einem Altarraum mit 3/8-Schluss. Über der Fassade steht ein Dachreiter, der seit 1952 eine neue Glocke (Kreuz-Christi-Glocke) enthält, nachdem die früheren Glocken im Ersten und Zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke abgeliefert werden mussten.
Der heutige Altar wurde 1918 unter Pfarrer L. Krimbacher errichtet. Den Entwurf von Michael Kurz führten die Kirchliche Kunstanstalt Hotter (Augsburg) und der Kunstmaler Theodor Bayerl (München) aus. Das Zentrum des Retabels bildet ein Gemälde der Verspottung Christi (wohl um 1600). In der Mensa des Altars befindet sich ein Heiliges Grab mit einem „ausdrucksstarken“[1] Grabchristus von Karl Baur (1917).
Die Glasfenster der Firma Bockhorni sen. (München) stellen die Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes dar.
Einzigartig[3] für eine Kapelle sind die Brandmalereien der getäfelten Decke mit fünfzehn nach altdeutschem Vorbild gestalteten Lindenholztafeln von Bauamtmann Schildhauer. Der Prophet Jonas ruht im untersten Feld. Aus seinem Körper wächst der Baum der Erlösung. Oben thront Gott Vater. Dazwischen entfaltet sich ein ganzer Kosmos, das Heilsgeschehen nach dem Evangelium, eine Weltkugel, das Dorf Reicholzried, der neu errichtete Kalvarienberg, der Lauf der Iller, die Brücke von Schwarzenbach, die Pfarrkirche, ein Mäuslein, eine Vogelfamilie usw.[4]
-
Der Kalvarienberg, im Hintergrund das Illertal
-
Bildstock (6. Station)
-
Der Kalvarienberg, anno 1902
-
Bildstock (11. Station) und Kapelle
-
Kassettendecke mit Brandmalerei
-
Blick vom Kalvarienberg nach Reicholzried
Literatur
- Michael Petzet: Stadt und Landkreis Kempten (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 5). Deutscher Kunstverlag, München 1959, DNB 453751636, S. 134.
- Rudolf Geiss: Kath. Pfarrkirche St. Georg und Florian Reicholzried (= Schnell, Kunstführer. Nr. 1748). 1. Auflage. Verlag Schnell & Steiner, München/Zürich 1989, DNB 1217347402, S. 22–23.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Rudolf Geiss: Kath. Pfarrkirche St. Georg und Florian Reicholzried (= Schnell, Kunstführer. Nr. 1748). 1. Auflage. Verlag Schnell & Steiner, München/Zürich 1989, DNB 1217347402, S. 22–23.
- ↑ a b c Denkmalliste für Dietmannsried (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Version vom 22. November 2023.
- ↑ Quelle?
- ↑ Verkürzter Bericht der Allgäuer Zeitung zur Einweihung anno 1902.
Koordinaten: 47° 49′ 19,5″ N, 10° 15′ 17,3″ O