Kalle Neukölln

Das Kalle Neukölln ist ein revitalisierter Gebäudekomplex im Berliner Ortsteil Neukölln. Er befindet sich an der Karl-Marx-Straße 101, unmittelbar am Alfred-Scholz-Platz, zwischen den U-Bahnhöfen Rathaus Neukölln und Karl-Marx-Straße. Der Komplex setzt sich aus zwei miteinander verbundenen Gebäudeteilen, White Knight und Dark Knight, zusammen. Ein zweiter Zugang an der Donaustraße wird von der CODE University of Applied Sciences, dem Delta Campus sowie weiteren Mietern genutzt.

Geschichte

Das heutige Kalle Neukölln befindet sich im nördlichen Zentrum des Bezirks. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Gegend noch unbebaut. Dies änderte sich mit der Ausdehnung der Gemeinde Rixdorf und dem Beginn der Gründerzeit. Zu dieser Zeit entstand die immer noch vorhandene markante Gabelung der heutigen Ganghofer-, Richard- und Karl-Marx-Straße.[1] 1985 wurde an dieser Stelle der Platz der Stadt Hof eingeweiht, der 2014 in Alfred-Scholz-Platz umbenannt wurde. Die Künstlerin Nadia Kaabi-Linke hat hier ein Mosaik aus verschiedenfarbigen Steinen geschaffen, das die unterschiedlichen Nationalitäten der Bewohner Neuköllns widerspiegelt.[2]

Am Standort des Kalle Neukölln ließ Benjamin Niemetz um 1900 ein neunachsiges Wohnhaus errichten. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich u. a. eine Gärtnerei und eine Kronleuchterfabrik.[3] Bis in die 1960er Jahre wurde das Areal vorwiegend für Wohn- und Gewerbezwecke genutzt.[4]

Der heutige Gebäudekomplex wurde 1970/1971[4] von der Architektengemeinschaft Hendel-Haseloff-Hotzel als brutalistische Megastruktur konzipiert und errichtet. Ursprünglich diente das Gebäude als Kaufhaus der Quelle GmbH, bevor es zum Ende der 1980er Jahre[4] von SinnLeffers übernommen und erstmals umgestaltet wurde. 2006 schloss SinnLeffers und die Karstadt Warenhaus GmbH bezog die Flächen mit einem „Schnäppchen-Center“ im großen Maßstab, nur im Untergeschoss wurden nicht mehr alle Flächen weitergenutzt. Im Jahr 2018 erwarb der Berliner Immobilienentwickler MREI das Areal und initiierte ab 2019 eine umfassende Revitalisierung unter dem Namen Kalle Neukölln mit einer Gesamtinvestition von rund 200 Millionen Euro.[5] Im Zuge der Vorbereitung des Umbaus wurde der Nutzungsvertrag mit der Karstadt Warenhaus GmbH gekündigt und das Schnäppchen-Center im Jahr 2019 geschlossen.[6]

Architektur und Umbau

Die architektonische Umgestaltung wurde von verschiedenen Architekturbüros betreut – Max Dudler war für die Fassade zuständig.[7] Dabei wurde besonderer Wert auf nachhaltige und ressourcenschonende Baumaterialien gelegt. Die neue Fassadengestaltung unterscheidet zwei architektonisch kontrastierende Bauteile: Der südliche Abschnitt an der Karl-Marx-Straße erhielt eine helle, steinerne Loggia aus Kunststein, während der nördliche Teil zur Donaustraße mit einer bronzefarbenen Metallfassade versehen wurde.

Die ehemals separaten Gebäude, ein Kaufhaus und ein Parkhaus, wurden in einem einheitlichen Konzept zusammengeführt und durch einen öffentlichen Eventbereich verbunden. Die Bruttogeschossfläche des Areals beträgt rund 40.000 m², von denen 26.000 m² als Büroflächen genutzt werden.[8] Das Projekt wurde 2023 mit dem Polis Award ausgezeichnet.[9] 2025 gewann das Kalle den B!WRD.[10] In einer Höhe von 22 Meter ist eine rund 5.400 m² große Dachterrasse mit Restaurants, Gewächshäusern und einem Swimmingpool samt Sauna entstanden.

Nutzung

Seit 2024 werden die Flächen im Gebäude schrittweise bezogen. Als erster Mieter zog im April 2024 der britische Plattenhändler Rough Trade in das Gebäude.[11] Es ist die erste Niederlassung des Unternehmens auf dem europäischen Festland. Im Herbst 2024 folgten weitere Mieter: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner eröffnete die private CODE University,[12] außerdem zogen der Startup-Accelerator The Delta Campus[12] und Edeka[13] ein. Im April kamen das Coworking-Unternehmen Kiez Büro[14] und Smartvillage[15] hinzu, ein Anbieter von Eventflächen. Die Bauarbeiten wurden im Herbst 2025 abgeschlossen.[16] Aus diesem Anlass besuchte Kai Wegner erneut das Kalle Neukölln und wurde von der CODE University als Ehrenmitglied aufgenommen.[16]

Neben den Büroflächen umfasst das Kalle Neukölln auch öffentlich zugängliche Bereiche. Seit April 2025 gibt es im Erdgeschoss die Foodhall Kalle Halle – ein Projekt des New Yorker Architekten Martin Barry.[17] Durch spezielle Lärmschutzwände sind auf der Dachterrasse Events bis 2 Uhr nachts möglich.[17] Ab Dezember 2025 betreibt das Kultur- und Eventcafé Prachtwerk an den Wochenenden die Paradox Music Hall im Erdgeschoss.[18] Im Frühjahr 2026 soll das Restaurant The Dawn auf dem Dach des Kalle eröffnet werden.[19]

Stadträumlicher Kontext

Das Kalle Neukölln liegt im Sanierungsgebiet Neukölln – Karl-Marx-Straße / Sonnenallee, mit dem die Stadt den öffentlichen Raum gestalterisch und funktional erneuern möchte.[20] Die Karl-Marx-Straße ist eine zentrale Verkehrsachse mit Anbindung an die Stadtautobahn A 100 über die Buschkrugallee. Im näheren Umfeld liegen u. a. das Rathaus Neukölln, das Stadtbad Neukölln sowie die Neukölln Arcaden. Im weiteren Umfeld u. a. das größte Hotel Deutschlands, das Estrel Berlin.

  • Kalle Neukölln. In: kalle-neukoelln.com. (offizielle Website von K101 GmbH & Co. KG für die Immobilie Kalle Neukölln).
  • Kalle Neukölln. Bei: maxdudler.de

Einzelnachweise

  1. Cornelia Hüge: Die Karl-Marx-Strasse. Facetten eines Lebens- und Arbeitstraums. 2. Auflage. Karin Kramer Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-87956-352-4, S. 154.
  2. Alfred-Scholz-Platz Gestaltung eines Stadtplatzes. In: architekturpreis-berlin.de. Abgerufen am 26. November 2025.
  3. Cornelia Hüge: Die Karl-Marx-Strasse. Facetten eines Lebens- und Arbeitstraums. 2. Auflage. Karin Kramer Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-87956-352-4, S. 154 f.
  4. a b c Cornelia Hüge: Die Karl-Marx-Strasse. Facetten eines Lebens- und Arbeitstraums. 2. Auflage. Karin Kramer Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-87956-352-4, S. 156.
  5. Isabel Röhm: Kalle Neukölln in Berlin: Die spannende Transformation des ehemaligen Karstadt-Kaufhauses. In: neubaukompass.de. 12. August 2024, abgerufen am 26. November 2025.
  6. Schnäppchen-Center geschlossen: Maruhn Real Estate Investment stellte Zukunftspläne im BVV-Ausschuss vor. In: facettenneukoelln.wordpress.com. 12. Oktober 2019, abgerufen am 26. November 2025.
  7. Kalle Neukölln. In: maxdudler.de. Abgerufen am 26. November 2025.
  8. Kalle Neukölln. In: kalle-neukoelln.com. Abgerufen am 26. November 2025 (offizielle Website von K101 GmbH & Co. KG für die Immobilie Kalle Neukölln).
  9. Kalle Neukölln. In: polis-award.com. Abgerufen am 26. November 2025.
  10. Kalle Neukölln gewinnt B!WRD 2025. In: finanzwelt.de. 18. November 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  11. Alix Faßmann: Flucht vor den Brexit-Folgen: Britischer Kult-Plattenladen eröffnet Filiale in Berlin. In: Tagesspiegel. 19. März 2024, abgerufen am 26. November 2025.
  12. a b Jana Treffler: Neuköllner Gründer-Schmiede zieht ins alte Quelle-Kaufhaus. In: Berliner Morgenpost. 24. September 2024, abgerufen am 26. November 2025.
  13. Christoph M. Kluge: Neuer Edeka-Markt in der Karl-Marx-Straße: Frischetheke trifft auf Selbstscanner in Berlin-Neukölln. In: Tagesspiegel. 8. September 2024, abgerufen am 26. November 2025.
  14. Coworking-Anbieter kommt ins „Kalle Neukölln“. In: immobilienmanager.de. 14. Februar 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  15. Toja Gural: Neuer Veranstaltungsort an der Karl-Marx-Straße: smartvillage startet im „Kalle Neukölln“. In: entwicklungsstadt.de. 13. April 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  16. a b Hannah Köllen: Kalle Neukölln ist fertig: „Da schwingt das Berlinerische mit“. In: Berliner Morgenpost. 4. September 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  17. a b Masha Slawinski: Kalle Neukölln will für alle da sein: Im neuen Einkaufszentrum trifft hippe Architektur auf Kiezrealität. In: Tagesspiegel. 30. April 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  18. Alice Beller: Sauna, Pool und Music Hall: Wie das „Kalle Neukölln“ weiter wächst. In: entwicklungsstadt.de. 12. November 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  19. Masha Slawinski: Frühstück über den Dächern Berlins: Essen und baden in Schornsteinhöhe – Kalle Neukölln setzt auf Rooftop-Trend. In: Tagesspiegel. 29. Oktober 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  20. Sanierungsgebiet Neukölln – Karl-Marx-Straße / Sonnenallee. In: berlin.de. Abgerufen am 26. November 2025.

Koordinaten: 52° 28′ 46,5″ N, 13° 26′ 14,5″ O