Kalksteinbrüche Rosengarten

Kalksteinbrüche Rosengarten

IUCN-Kategorie none – ohne Angabe

Naturschutzgebiet Kalksteinbrüche Rosengarten

Lage Rheinland-Pfalz, Deutschland
Fläche 11 ha
WDPA-ID 82028
Geographische Lage 49° 41′ N, 8° 11′ O
Einrichtungsdatum 1983

Das Naturschutzgebiet Kalksteinbrüche Rosengarten mit 11,2 ha Flächengröße liegt südwestlich von Gundersheim im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Es liegt zwischen der nördlich verlaufenden A 61 und der B 271 im Süden. Unweit nordwestlich fließt der Wäschbach. Das Naturschutzgebiet Kalksteinbrüche wurde im Jahr 1983 ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet liegt in einer ausgeräumten Agrarlandschaft und ist ein wichtiges Rückzugsgebiet seltene für Tiere und Pflanzen. Der BUND erstellte einen Pflege- und Entwicklungsplan für das Gebiet. Der Plan setzte als Entwicklungsziel ein buntes Mosaik aus verschiedenen Magerrasen, Pioniergesellschaften und Gebüschen fest.[1]

Geschichte

Früher wurden im Kalksteinbruch Steine zum Hausbau abgebaut. Später erfolgte der Abbau durch die Gundersheimer Kalkwerke der Südzucker AG. Den Kalkstein verarbeitete das Werk in Offstein. Den Kalkstein brannte man und verwendete den gewonnenen Kalk zur Zuckerfabrikation. 1956 wurde der Abbau im Steinbruch eingestellt. Zeitweise gab es Pläne im Steinbruch eine zentrale Mülldeponie auszuweisen. 1978 konnte der BUND Rheinland-Pfalz die Fläche des ehemaligen Steinbruchs kaufen. Seitdem kümmert sich die BUND Kreisgruppe Wonnegau, früher BUND-Kreisgruppe Alzey-Worms, um die Pflege und den Erhalt der Fläche.[1]

2018 konnten der Landkreis Alzey-Worms, mit Fördergeldern der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz aus Ersatzzahlungen, eine etwa drei Hektar angrenzende Ackerfläche kaufen. Der BUND kaufte 2022, gefördert von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz aus Mitteln der Glücksspirale, eine weitere 1,7 Hektar große Ackerfläche in der Nähe. Diese Flächen werden vom BUND ökologisch aufgewertet und zu artenreichem Grünland entwickelt.[2]

Pflege vom Naturschutzgebiet Kalksteinbrüche Rosengarten

Nach Kauf durch den BUND musste Müll Containerweise gesammelt und aus dem Rosengarten abgefahren werden. Für die Besucher erstellte der BUND eine Wegeführung, um empfindlichen Bereiche zu schützen. Zur Erhaltung der Magerrasen wurden Gehölze entnommen. Jährlich finden vom BUND Mäharbeiten per Hand statt. Eine Beweidung mit Schafen und Ziegen gestaltete sich schwierig und fand nur zeitweise statt.[2][1]

Auf den 2018 und 2022 erworbenen Flächen fand eine Mahdgutübertragung mit Mähgut aus dem Rosengarten statt. Das Mähgut verteilte man per Hand. Mit dem Mähgut übertrug man Samen, Pilzsporen und Kleinstlebewesen. Vorher schob man den Oberboden der beiden Ackerflächen mit einer Planierraupe ab, um nährstoffarme Bodenschichten freizulegen. Teils kamen Felskuppen zum Vorschein. Auch in den Folgejahren übertrug der BUND weiteren Samen, insbesondere von seltenen Arten. 90 Prozent dieser Samen kamen aus dem Rosengarten. Die restlichen 10 Prozent von anderen Flächen die maximal 30 Kilometer entfernt lagen. 2020 zählte man, nach der Mähgutübertragung, auf der 2018 erworbenen Fläche 129 Pflanzenarten. 2025 kamen 210 Pflanzenarten auf dieser Fläche vor.[2]

Tier- und Pflanzenarten

Im Naturschutzgebiet kommt wegen der seiner Trocken- und Halbtrockenrasenstandorte eine große Artenzahl von Insekten und Pflanzen vor. Seltene Insekten im Gebiet sind Bläulichvioletter Tatzenkäfer und Warzenbeißer. 2024 wies man dann sogar den Deutsche Totengräber, eine Aaskäferart, nach. Man wies im Gebiet 22 seltene Tagfalter- und Dickkopffalter-Arten nach. Seit 2022 findet jährlich eine Nachtfalterkartierungen statt.[2][1]

Die Trocken- und Halbtrockenrasenstandorte wirken alle mehr oder weniger gestört, da sie nicht wie sonst durch eine extensive Beweidung mit Ziegen und Schafen entstanden sind, sondern lediglich das Produkt einer mehrere Jahrzehnte währenden ungelenkten Sukzession sind. Diese Trocken- und Halbtrockenrasenstandorte beschränken sich auf einen sehr kleinen Bereich. Dort fand man seltene Arten wie Acker-Wachtelweizen, Bärtiges Hornkraut, Bocks-Riemenzunge, Büschel-Miere, Dunkles Hornkraut, Echtes Labkraut, Felsen-Fetthenne, Gewöhnliche Kuhschelle, Hopfenklee, Quendel-Sandkraut, Kelch-Steinkraut, Schaf-Schwingel, Schmalblättrige Wicke, Ohrlöffel-Leimkraut, Zottiger Klappertopf und Violette Sommerwurz.[2][1]

Die Zauneidechse kommt vor. In Heckenbereichen brütet der Neuntöter und die Goldammer.[2][1]

Bodendenkmal

Das Gebiet ist auch ein geologisches Bodendenkmal. In Rissen und Spalten im Kalkstein befindet sich Roterde. In der Roterde fand man Knochen, Kiefer und Zähne von kleinen Nagetieren und Vertretern anderer Tierarten. Auch Zähne eines Halbaffen wurden gefunden. Andere Spalten im Kalkstein, die in der Mitte der Eiszeit entstanden, sind mit einer Mischung aus gelbem Löss und Verwitterungslehm zugesetzt. Dort kam es zu Nachweisen großer Säugetiere wie Wollnashorn und Höhlenbär.[1]

Schutzzweck

Als Schutzzweck führt die Rechtsverordnung vom 26. April 1983 über das Naturschutzgebiet „Kalksteinbrüche Rosengarten“, veröffentlicht im Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz vom 6. Juni 1983, Nr. 22, S. 477, auf: „Schutzzweck ist die Erhaltung eines charakteristischen, durch seine geologische, botanische und faunistische Vielfalt ausgezeichneten Teiles des rheinhessischen Tafel- und Hügellandes, insbesondere der Schutz der Kalkmagerrasen und Trockengebüsche und ihrer typischen Fauna, darunter vor allem die Insektenfauna, sowie die Sicherung der fossilienführenden Spaltenfüllungen und der fossilen Böden in den anstehenden Tertiärkalken aus naturwissenschaftlichen und landeskundlichen Gründen.“[3]

Siehe auch

Commons: Kalksteinbrüche Rosengarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Naturschutzgebiet "Kalksteinbrüche Rosengarten". BUND, Kreisgruppe Wonnegau, abgerufen am 8. Mai 2023 (deutsch).
  2. a b c d e f Severin Zillich: Kalksteinbrüche Rosengarten: Heu macht mobil. BUNDmagazin 2/2025, S. 34–35.
  3. Rechtsverordnung über das Naturschutzgebiet „Kalksteinbrüche Rosengarten“. (pdf) Landkreis Alzey-Worms, 26. April 1983, abgerufen am 1. Januar 2021.