Kaiserpavillon Spandau

Der Kaiserpavillon Spandau (betrieblich: Kaiserbahnsteig) war ein Fürstenbahnhof und nicht-öffentlicher Haltepunkt an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte, der ausschließlich Zwecken des preußischen Hofes diente.

Geografische Lage

Der Haltepunkt lag unmittelbar an der Eisenbahnbrücke über die Havel, damals eine zweigleisige Drehbrücke am westlichen Ufer des Flusses, und östlich des heutigen Bahnhofs Berlin-Spandau. Der damalige Bahnhof Spandau lag im Bereich des heutigen S-Bahn-Haltepunkts Berlin-Stresow östlich der Havel.[1]

Bauliche Anlage

Das „Empfangsgebäude“ bestand im Wesentlichen aus einer offenen und aufwändig überdachten Treppe, die einen Schiffsanleger an der Havel und den Bahnsteig an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte verband. Diese Überdachung war ein hölzernes Bauwerk im „nordischen Stil“, der sich an norwegischen Holzbautraditionen orientierte, ein Stil, den der Kaiser liebte. Das Gebäude war mit Seeschlangen, Drachen und Adlerköpfen dekoriert. Es gab nur ein Wartezimmer.

Die obere Ebene erschloss einen etwa 75 m langen Bahnsteig mit eigener Bahnsteigbeleuchtung. Der Bahnsteig befand sich am Streckengleis nach Berlin. Durch den nahegelegenen (alten) Bahnhof Spandau bestand aber die Möglichkeit, auch in die Gegenrichtung oder auf die Bahnstrecke Berlin–Hamburg überzugehen. Dazu war allerdings ein Fahrtrichtungswechsel über die Weichenverbindungen im Bahnhof erforderlich.[1]

Nutzung

Wilhelm II. nutzte den Kaiserpavillon Spandau insbesondere, wenn er von Potsdam kommend auf den Bahnstrecken Richtung Hannover oder Hamburg weiterzufahren gedachte. Dann fuhr er von Potsdam bis zum Kaiserpavillon Spandau mit der Alexandria und stieg hier in den Hofzug um.

Geschichte

Die Anlage wurde 1891 errichtet. Der Kaiser wünschte von der 1887 gebauten Binnenyacht Alexandria, die er auf den Gewässern um Berlin gerne nutzte, eine direkte Umsteigemöglichkeit in seinen Hofzug. Aus protokollarischen Gründen war es nicht erwünscht, dass der Kaiser die 200 m vom Havelufer bis zum Bahnhof Spandau zu Fuß zurücklegte. Auch sollte die gewünschte Distanz zu den Untertanen gewahrt werden.

1905 bis 1912 wurden die Spandauer Bahnanlagen in großem Umfang umgebaut. Die Drehbrücke über die Havel ersetzte eine feste und höhere Brücke und die beiden Strecken Richtung Hannover und Hamburg erhielten je eine eigene, zweigleisige Trasse, die parallel verliefen. Der neuen Situation hätte der Kaiserpavillon Spandau angepasst werden müssen. Darauf wurde aber verzichtet. Das allerhöchste Interesse war offenbar erloschen. Die Anlage wurde abgebaut. Ein Spandauer Gastwirt erwarb sie und dekorierte damit sein Gartenlokal. In dieser Zweitaufstellung brannte die Anlage im Zweiten Weltkrieg ab.[1]

Literatur

  • Peter Bock, Alfred Gottwaldt: Regierungszüge, Kaiserbahnhöfe und Staatsfahrten in Deutschland 1889–1989. Geramond, München 2006, ISBN 3-7654-7070-8, S. 33.

Einzelnachweise

  1. a b c Bock / Gottwaldt, S. 33.

Koordinaten: 52° 31′ 59,8″ N, 13° 12′ 6,9″ O