KZ-Außenlager Zschachwitz
Das KZ-Außenlager Zschachwitz war ein Außenlager des KZ Flossenbürg in Zschachwitz, dem heutigen Dresdner Stadtteil Großzschachwitz, und bestand von Mitte Oktober 1944 bis Ende April 1945. Etwa 1.000 Inhaftierte aus dem von den Nationalsozialisten besetzten Europa mussten Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion der Mühlenbau und Industrie AG (MIAG) verrichten.
Inhaftierte
Anfangs befanden sich 404 jüdische Häftlinge aus dem KZ Płaszow im Lager, darunter zwei Deutsche und drei Ungarn. Später kamen 327 Inhaftierte aus ganz Europa aus dem Außenlager Passau II des KZ Mauthausen, 272 aus dem KZ Flossenbürg und 20 aus dem KZ Auschwitz hinzu. Nach den Juden waren etwa 260 zivilen Zwangsarbeiter und 240 politische Häftlinge die größten Häftlingsgruppen, insgesamt waren etwa 60 Prozent der Inhaftierte Polen, ein Fünftel Russen und ein Zehntel Franzosen. Viele der französischen Häftlinge waren Mitglieder des Widerstands und zuvor in französischen Gefängnisse inhaftiert, bevor sie ins KZ Mauthausen deportiert wurden. Unter ihnen befand sich auch Paul Collette, der ein erfolgloses Attentat auf Pierre Laval, den Ministerpräsidenten des mit Deutschland kollaborierenden Vichy-Regimes, unternommen hatte. Viele polnische Häftlinge wurden nach dem Warschauer Aufstand verhaftet und über das Durchgangslager Pruszków nach Mauthausen überstellt. Im Dezember 1944 arbeiteten zwischen 950 und 1.000 Häftlinge inklusive 20 so genannter „Lehrlinge“ im Außenlager.[1]
Lebens- und Arbeitsbedingungen
Die Gefangenen mussten in Zwangsarbeit Sturmgeschütze, leichte Jagdpanzer und Antriebsteile für Panzer für die Mühlenbau und Industrie AG (MIAG) herstellen. Sie waren im ersten und zweiten Stock eines kalten und schmutzigen Fabrikgebäudes untergebracht. Im Erdgeschoss und im Keller befanden sich die Maschinen, an denen die Häftlinge arbeiteten, ein Teil der Unterkunft diente als Häftlingskrankenbau. Als Verpflegung gab es nur ungezuckerter Malzkaffee, mittags Kohlrübensuppe und abends eine Scheibe Brot mit 20 Gramm Margarine und entweder einem Löffel Marmelade oder einer Scheibe Pferdewurst. Das Küchenpersonal stahl des Öfteren die Lebensmittel der Häftlinge.[1]
Bei den Luftangriffen auf Dresden, vor allem am 14. Februar 1945, wurden auch die Gebäude der MIAG stark getroffen, mindestens 32 Häftlinge nutzten dies zur Flucht, nachweislich sieben wurden wieder ergriffen und erschossen. Nach der Abgangsliste der MIAG wurden 89 Häftlinge am 26. Februar nach Flossenbürg rücküberstellt, Ende März sind nur noch 805 Häftlinge aufgeführt. Wegen der schlechten hygienischen Bedingungen brach im Lager Flecktyphus aus, bis Mitte April starben an die 30 Gefangene. Für die meisten wurden vom Lagerarzt Leichenschauscheine ausgestellt, denen zufolge die Häftlinge angeblich an Herzschwäche, Ödemen oder inneren Krankheiten, aber nicht an Typhus verstorben sein sollen. 45 Tote wurden auf dem Stephanus-Friedhof in Zschachwitz beigesetzt, fünf Tote auf dem Friedhof der Christusgemeinde in Heidenau, wo Häftlinge des Außenlagers für die Elbtalwerke AG arbeiten musste. Zehn Tote wurden auf dem Johannisfriedhof in Dresden beigesetzt. In den Einäscherungslisten des Krematoriums Dresden-Tolkewitz finden sich 33 Namen von Häftlingen.
Wachmannschaften
Am 22. September 1944 bestand die Wachmannschaft aus zehn bewaffneten SS-Männern. Durch die geringe Anzahl kam es zu vielen Fluchtversuchen, bis Jahresende 1944 sind zehn Fälle bekannt. Am 28. Dezember 1944 kamen weitere 41 bewaffnete SS-Männer nach Zschachwitz. Erster Kommandoführer war Alois Gröger, der zwei jüdischen Zeugen zufolge an mindestens einem Mord an einem Gefangenen beteiligt war. Sein Nachfolger zum Jahreswechsel 1944/45 wurde SS-Hauptscharführer Johann Baptist Kübler, der nach einem Wachdienst im KZ Dachau bereits seit 1939 verschiedene Funktionen in der Kommandantur in Flossenbürg bekleidet hatte und schon im Außenlager Krondorf-Sauerbrunn Kommandoführer gewesen war. Im Gegensatz zu Gröger war er wesentlich strenger zu den Gefangenen. Lagerältester war der Kriminelle Hans Ruser, der den bisherigen Lagerältesten Heinrich Distelkamp ablöste. Die wenigen deutschen Funktionshäftlinge misshandelten die Gefangenen durch Schläge, in fast allen Aussagen ehemaliger Häftlinge wird Paul Leise genannt, der aus dem Lager Passau II nach Zschachwitz gekommen war und zuvor schon viele Häftlinge misshandelt oder getötet hatte. Ende Januar 1945 wurden die knapp 1.000 Häftlinge von 41 Wachmannschaften bewacht.[2]
Lagerräumung und Nachkriegszeit
Das Lager wurde Ende April 1945 geräumt und die noch gehfähigen Häftlinge mussten in einem mehrtägigen Marsch nach Leitmeritz marschieren, die übrigen wurden mit der Bahn in Richtung Böhmen transportiert, einige davon berichteten, dass sie nach Kralupy und Roztoky westlich von Prag transportiert wurden, wo einigen die Flucht gelang und andere von der tschechischen Zivilbevölkerung versorgt wurden. Die meisten Überlebenden wurden höchstwahrscheinlich Anfang Mai 1945 aus Theresienstadt befreit.
Nach dem Krieg wurde der zweite Kommandoführer Kübler in zwei Verfahren wegen Verbrechen zu fünf Jahre Haft verurteilt, eine Verurteilung wegen der Verbrechen im Lager Zschachwitz erfolgte nicht. Einige Kapos wurden wegen Vergehen im Außenlager Passau II angeklagt, die Ermittlungen zu ihren Vergehen in Zschachwitz wurden eingestellt.[1]
Am Eingang der ehemaligen Firma MIAG befindet sich heute eine Gedenktafel.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Ulrich Fritz: Konzentrationslager Flossenbürg: Außenlager Dresden-Zschachwitz. In: gedenkplaetze.info | Ein Dokumentations- und Erinnerungsprojekt an die Zeit des Nationalsozialismus. Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Zschachwitz | KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Abgerufen am 13. Januar 2026.
Koordinaten: 50° 59′ 25,4″ N, 13° 50′ 45″ O