K.u.k. Gendarmeriekorps für Bosnien und die Herzegowina

Das (K.u.k.) Gendarmeriekorps für Bosnien und die Herzegowina war ein Gendarmeriekorps, das nach der militärischen Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn (ab 1878) zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verwaltungssicherheit in der Provinz geschaffen wurde und bis 1918 bestand.

Mutterorganisationen waren die österreichische (k.k.) Gendarmerie und königlich-ungarische (k.u.) Gendarmerie.

Geschichte

Das Gendarmeriekorps für Bosnien und die Herzegowina wurde 1878 gegründet, nachdem Österreich-Ungarn das osmanische Vilâyet Bosnien und Herzegowina in Folge des Russisch-Osmanischen Krieges militärisch besetzt hatte und als Kondominium zwischen dem österreichischen und ungarischen Reichsteil verwaltete.

Organisator des Gendarmeriekorps war zuerst der – aus Serbien stammende – k.u.k. Offizier Emanuel Cvjetićanin. Seine Truppe rekrutierte sich aus Freiwilligen der k.u.k. Armee, Gendarmerie und Polizei. Anfänglich war der Anteil ehemaliger osmanischer Militärs recht hoch. So wurden beispielsweise im Jahr 1883 von 1750 Dienstposten für das Gendarmeriekorps allein 1229 Stellen mit ehemaligen Angehörigen der osmanischen Armee und Gendarmerie („Zaptiés“) besetzt, da sie mit den örtlichen Gegebenheiten besonders gut vertraut waren.[1]

1882 wurden zusätzlich zum Gendarmerie-Korpskommando und den 8 Flügeleinheiten die Strafuni (Štrajf-korpus, štrajfkori ili strafuni, štrafuni = Streifkorps, Streifpatrouille) als Grenzschutzeinheit aufgestellt. Das aus 600 Mann und 12 Offizieren bestehende Korps war an der montenegrinischen Grenze in 6 Streifkorpsflügeln organisiert.[2] Diese waren wiederum in Streifkorpszüge untergliedert. Als Zugskommandanten fungierten bosnische Subalternoffiziere.

Auch wenn Bosnien und die Herzegowina noch Teil des Osmanischen Reiches, zumindest formal, waren, hatten die österreichisch-ungarischen Behörden die faktische Kontrolle über das Land. Österreich-Ungarn wartete auf eine Gelegenheit, Bosnien und Herzegowina auch formal in die Monarchie zu integrieren. Die definitive Annexion erfolgte 1908 nach der jungtürkischen Revolution im Osmanischen Reich. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde informell die Bezeichnung k.u.k. für das Gendarmeriekorps geführt.

Michael Edler von Appel war ab 1903 Kommandant des Gendarmeriekorps, 1909 erhielt Lukas Šnjarić das Kommando und Theodor von Soretič war ab April 1915 Kommandant des Gendarmeriekorps in Bosnien-Herzegowina.[3]

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929: Königreich Jugoslawien).

Aufgaben

Das Korps war Teil der militärischen Sicherheitsstruktur und übernahm auch klassische Polizeiaufgaben. Das Gendarmerie-Korpskommando hatte seinen Sitz in Sarajevo. Es unterstand direkt dem k.u.k. Militärkommando und war für die Bekämpfung von Freischärlern (Komitadschibanden), die Überwachung der öffentlichen Ordnung und die Bekämpfung von Spionage zuständig.

Im Kriegsfall stellte die Gendarmerie auch die Feldgendarmerie (Militärpolizei) der Armee.

Organisation

Gendarmerie-Korpskommando Flügelstationen Zugsstationen
Sarajevo 1. Sarajevo
  • Sarajevo
  • Visoko
  • Rogatica
2. Travnik
  • Travnik
  • Bugojno
  • Livno
3. Banja Luka
  • Banja Luka
  • Derventa
  • Bosn.-Novi
4. Bihac
  • Bihac
  • Petrovac
  • Krupa
5. Tuzla
  • Tuzla
  • Brcko
  • Bijeljina
  • Srebrenica
  • Zvornik
6. Mostar
  • Mostar
  • Konijc
  • Nevisinje
  • Stolac
7. Trebinje
  • Trebinje
  • Gacko
  • Bileca
8. Gorazde
  • Gorazde
  • Foca
  • Visegrad

Uniformierung

Die Adjustierung der Offiziere bestand wie bei der k.k. Gendarmerie nach 1898[4] aus

  • Waffenrock: dunkelgrüner (tatsächlich oft nahezu schwarzer) Waffenrock; mit krapproter Egalisierung und 2 Reihen à 8 glatten goldenen Knöpfen
  • Mantel
  • Hosen: blaugraue Pantalons
  • Kopfbedeckung: Jägerhut mit der Federbusch und dem Emblem einer flammenden Granate (Paradekopfbedeckung), im Felddienst die Feldhaube

Mannschaften und Unteroffiziere des Gendarmeriekorps trugen die Uniform analog der k.k. Jägertruppe und waren frühzeitig für den Felddienst mit hechtgrauen Uniformen (M1908) ausgestattet worden. Die Farbe dieser Uniformen war Vorbild für die österreichische Bundesgendarmerie.

Literatur

  • Hermann Hinterstoisser, Christoph Neumayer, Erwin A. Schmidl, Helmut Wohnout: Des Kaisers Bosniaken: Die bosnisch-herzegowinischen Truppen in der k. u. k. Armee, Geschichte und Uniformierung von 1878 bis 1918. Verlag Militaria, Wien 2008, ISBN 978-3-902526-16-8
  • Egon Sauer-Nordendorf: Die Strafuni, das vergessene Grenzjäger-Streifkorps Österreich-Ungarns in Bosnien und der Herzegowina. In: Pallasch. Zeitschrift für Militärgeschichte. Organ der Österreichischen Gesellschaft für Herreskunde. Heft 61, 1998, ZDB-ID 1457478-0, S. 49–52

Einzelnachweise

  1. Wegweiser zur Geschichte. Bosnien-Herzegowina Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA), 2007.
  2. Egon Sauer-Nordendorf: Die Strafuni, das vergessene Grenzjäger-Streifkorps Österreich-Ungarns in Bosnien und der Herzegowina. In: Pallasch. Zeitschrift für Militärgeschichte. Organ der Österreichischen Gesellschaft für Herreskunde. Heft 61, 1998, ZDB-ID 1457478-0, S. 49–52.
  3. Soretič, Theodor von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. 2003, abgerufen am 1. Januar 2026.
  4. Egalisierungsvorschrift für die k.u.k. Armee, die k.k. Landwehr, die k.u. Landwehr, die verbundenen Einrichtungen und das Corps der Militär-Beamten von 1868. Ausgabe von 1912