Kąty Rybackie

Kąty Rybackie
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Kąty Rybackie
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Nowy Dwór Gdański
Gmina: Sztutowo
Geographische Lage: 54° 20′ N, 19° 14′ O
Einwohner: 707 (31. März 2011[1])

Kąty Rybackie [ˌkɔntɨ rɨˈbat͡skʲɛ] (deutsch Bodenwinkel) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Sztutowo (Landgemeinde Stutthof) im Powiat Nowodworski (Tiegenhofer Kreis) der polnischen Woiwodschaft Pommern. Der Ort hat etwa 700 Einwohner.

Geographische Lage

Das Kirchdorf liegt am südlichen Ende der Frischen Nehrung. Im Südosten grenzt der Ort an das Frische Haff.

Nachbarorte sind im Uhrzeigersinn: Skowronki (Vogelsang) im Osten auf der Nehrung, Kobyla Kępa (Kobbelkampe) im Süden/Südwesten und Sztutowo (Stutthof) im Westen. Im Norden grenzt der Ort an die ausgedehnten Waldflächen der Nehrung.

Geschichte

Von 1466 bis 1773 gehörte Bodenwinkel zu Preußen Königlichen Anteils oder ‚Polnisch Preußen‘ und kam 1772 zu Preußen. Bodenwinkel, das früher zu Stutthof gehört hatte, war um 1818 ein erbemphytisches Fischerdorf, das der Kämmerei der Stadt Danzig gehörte und in dem es damals einen Krug, eine Schmiede, eine Hakenbude (Krämer- oder Verkaufsbude) und eine Ross-Grützmühle (Getreide-Mühle mit Pferdeantrieb) gab.[2]

Um 1919 gehörte das Dorf zum Kreis Danziger Niederung im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Von 1920 bis 1939 war Bodenwinkel der Freien Stadt Danzig zugeordnet, deren Abspaltung vom Reichsgebiet – zusammen mit der Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch westpreußisches Territorium – nach dem Ersten Weltkrieg von den alliierten Siegermächten erzwungen worden war. Nach dem Überfall auf Polen 1939 traten das bisher polnische Korridor-Gebiet und zeitgleich das Gebiet der Freien Stadt Danzig mit dem Dorf Bodenwinkel zum Deutschen Reich und wurden dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet.

Im Jahr 1945 bildete Bodenwinkel eine Landgemeinde im Kreis Danziger Niederung im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald nach der Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Region mit Bodenwinkel von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die Einheimischen des Dorfs wurden nicht wie der Großteil der Bewohner der übrigen Region aus ihrer Heimat vertrieben, sondern durften vorerst bleiben, um polnischen Zuwanderern Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 364 Kämmerei-Erbpachts-Fischerdorf der Stadt Danzig mit 26 Feuerstellen, zum Kirchspiel Steegen gehörig, davon 357 Lutheraner und sieben Katholiken[2][3]
1832 466 Erbpachts-Fischerdorf, mit einer Wassermühle und 42 Häusern, zum Kirchspiel Steegen gehörig[4]
1852 540 Dorf[5]
1864 648 am 3. Dezember, Gemeindebezirk[6]
1867 632 am 3. Dezember, Landgemeinde[7]
1871 648 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 634 Evangelische und 14 Juden[7]
1885 753 am 1. Dezember, davon 735 Evangelische, sieben Katholiken und elf Juden[8]
1895 887 am 2. Dezember, Landgemeinde, davon 865 Evangelische, 18 Katholiken und vier Juden[9]
1910 912 am 1. Dezember, davon 912 mit deutscher Muttersprache (898 Evangelische, 14 Katholiken) und niemand mit polnischer oder kaschubischer Muttersprache[10]

Kirche

Kirchspiel bis 1945

Vor 1945 bestand die Dorfbevölkerung ausschließlich aus Deutschen fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Die Evangelischen gehörten zum Kirchspiel Kobbelgrube.[11][12]

Die Katholiken gehörten zum Kirchspiel Tiegenhagen.

Kirchspiel seit 1945

Die nach 1945 zugewanderte polnische Dorfbevölkerung gehört größtenteils der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.

Der polnische katholische Klerus hat in der Dorfkirche ein sogenanntes Gnadenbild der ‚Maria Knotenlöserin‘ aufgestellt.

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche St. Markus

Haff-Museum

Das Haff-Museum (polnisch Muzeum Zalewu Wiślanego) ist eine Außenstelle des Danziger Nationalen Maritimen Museums.[13] Das Museum dokumentiert das traditionelle Fischerleben im Ort. Das Museum geht auf die Bootswerkstatt von Heinrich Schmid zurück. Sein Sohn durfte 1972 in die Bundesrepublik ausreisen und schenkte dem Danziger Museum die Bootswerkstatt, die auf diese Weise erhalten blieb.

Sammlung

Im Haff-Museum sind mehrere für die Brackwasserregion des Frischen Haffs typische Boote ausgestellt. Dazu gehören hochbordige Barkassen, die bis in die 1970er für den Fischfang eingesetzt wurden. Einen anderen Typ stellen Bünnboote, einer Art Sacknetzboote dar, die vermutlich geschichtlich von Flussschiffen abstammen. Diese wurden mit einem Tank für lebende Fische ausgestattet, der sogenannten Bünn. Ein weiterer für das Frische Haff typische Bootstyp ist die Lomme. Im Museum ist auch ein zum Eisfischen eingesetztes Schiff ausgestellt. Neben Booten sind im Museum eine Vielzahl von Fanggerätschaften aus.[14]

Literatur

  • Bodenwinkel, Dorf, am Frischen Haff, Kreis Danziger Niederung, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org)
  • Vogelsang, Dorf, am Frischen Haff, Kreis Danziger Niederung, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Vogelsang und Bodenwinkel (meyersgaz.org)
Commons: Kąty Rybackie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 28. Juni 2017
  2. a b Danziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 192–193, Ziffer 9 (Google Books).
  3. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 135, Ziffer 3292 (Google Books).
  4. Georg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A–F, Müller, Erfurt 1835, S. 316 (Google Books).
  5. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 55 (books.google.de).
  6. Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, 2. Kreis Danzig (Landkreis), S. 2–9, Ziffer 7 (Google Books).
  7. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt, Berlin 1874. Abschnitt IV. Landkreis Danzig, S. 352–353, Ziffer 2 (Google Books).
  8. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Band II: Provinz Westpreußen. Berlin 1887, 11. Kreis Danziger Niederung, S. 18–19, Ziffer 1 (Google Books).
  9. Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für die Provinz Westpreußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, Berlin 1898, 1. Regierungsbezirk Danzig, 5. Kreis Danziger Niederung, S. 16–17, Ziffer 1 (Google Books).
  10. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig, S. 12–13, 4. Kreis Danziger Niederung, Ziffer 1 (Google Books).
  11. Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 33, § 4 (Google Books).
  12. Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 396 (Google Books).
  13. https://www.nmm.pl/muzeum-zalewu-wislanego
  14. Von Bünnbooten, Eisyachten, Harpunen und einer kräftigenden Aalsuppe. In: Der Westpreuße. Nr. 5, 2020, S. 13–14 (Online).