Königreich der schiefen Spiegel
Königreich der schiefen Spiegel (russischer Originaltitel: Королевство кривых зеркал; Korolewstwo kriwych serkal) ist ein erstmals 1951 erschienenes Kinderbuch von Witali Gubarew.
Inhalt
Die gutherzige, aber oftmals auch eigensinnige Jungpionierin Olja vertrödelt gern ihre Zeit vor dem Spiegel. Besonders ihrer Großmutter macht sie es mit ihren Launen schwer. Als Olja eines Tages wieder in den Spiegel blickt, beginnt dieser zu sprechen und bietet ihr an, auf die andere Seite des Spiegelbildes zu kommen. Sie nimmt an und stößt dabei mit dem Mädchen Jalo zusammen, die ihr Spiegelbild und genaues Gegenstück ist. Die beiden Mädchen können zwar keine weiteren Räume der Wohnung betreten, da diese nicht vom Spiegel erfasst werden, zu Oljas Freude nimmt Jalo sie jedoch mit in das Märchenland, aus dem sie stammt.
Große Teile dieses Reiches bestehen aus Glas oder krummen Spiegeln. Diese werden angefertigt, damit sich der hässliche König Topsed der Siebente als schöner Mann betrachten kann. Der Monarch ist nur formell Herrscher, wird aber tatsächlich von seinen Ministern kontrolliert. Den größten Einfluss üben der Spiegelproduzent Nuschrok und der Gutsherr Abash aus. In der Stadt sehen die Mädchen, wie der vom Umgang mit dem Zinn-Quecksilber-Amalgam geschwächte Junge Gurd, der wie viele andere Kinder als Spiegelmacher arbeiten muss, vom Aufseher misshandelt wird. Olja verteidigt ihn, der eintreffende Nuschrok lässt Gurd aber verhaften. Das Mädchen überredet Jalo, zum Königspalast zu gehen und ihn zu retten.
Durch einen Trick verschaffen sie sich Einlass ins Schloss, wo sich die freundliche Köchin Aksal heimlich ihrer annimmt. Als Pagen verkleidet erringen sie das Vertrauen des Herrschers und werden zu Hofmathematikern ernannt. Außerdem erwirken sie einen Aufschub von Gurds Hinrichtung. Dank ihrer neuen Stellung dürfen beide den Todesturm betreten und können dem Gefangenen heimlich Nahrung bringen. Außerdem messen sie das Schloss seiner Fesseln ab, um von Aksals Bruder einen Schlüssel anfertigen zu lassen. Nuschroks Schlüssel zu stehlen ist nicht möglich, da er bereits Verdacht geschöpft hat. Der Plan gelingt aber nicht, da die Arbeiter in den Streik getreten sind und die Manufaktur nun von Soldaten belagert wird. Olja und Jalo fahren allein in einer Kutsche in Richtung der Glassümpfe, um sich Abashs Schlüssel zu verschaffen. Unterwegs treffen sie mit der Adligen Anidag zusammen, die ihnen ein Nachtlager anbietet. Nuschrok, Anidags Vater, kommt kurz darauf ebenfalls im Schloss an, setzt Jalo fest und foltert sie, um den Grund ihrer Reise zu erfahren. Olja kann unter Lebensgefahr fliehen und gelangt zu den Glassümpfen. Anidags gutherziger Diener Bar, der von ihr grausam behandelt wird, sperrt Jalo nicht in den Kerker, sondern nur in den Weinkeller. Dort stößt sie auf einen geheimen Tunnel, der zu einer Laube in Abashs Garten führt. Dorthin fahren auch Anidag und Nuschrok, um mit ihm ein Komplott gegen den König zu schmieden. Jalo kann Abashs Schlüssel ergreifen und zusammen mit Olja und Bar fliehen.
Sie gelangen wieder in den Todesturm, wo Gurd Oljas Pagenkostüm anzieht. Er und Jalo könnten das Gefängnis somit unbemerkt verlassen. Nuschrok trifft auch ein, erkennt Olja in ihrer Schulkleidung aber zunächst nicht. Dadurch kann auch sie fliehen und gelangt zum Zauberspiegel, an dem ihre Reise begann. Da Jalo aber nicht dabei ist, gewährt er ihr keinen Durchlass. Der wütende Nuschrok kommt ebenfalls an, Olja stellt sich ihm aber tapfer entgegen. Der Minister kann den Widerstand nicht ertragen und stürzt in einen Abgrund. Viele Kinder und auch Aksal bejubeln Olja daraufhin und bieten ihr an, bei ihnen zu bleiben. Sie möchte aber wieder nach Hause, was ihr dank Jalos Anwesenheit auch gelingt. Dort verträgt sich Olja wieder mit der Großmutter und grüßt Jalo zur Verabschiedung durch den Spiegel.
Hintergrund
Die Namen der Personen im Märchenland sind die umgedrehten Formen verschiedener Worte:
- Abash (Абаж) von Shaba (Жаба), russisch für Kröte 1
- Aksal (Аксал) von Laska (Ласка), russisch für Liebevolle
- Anidag (Анидаг) von Gadina (Гадина), russisch für Niederträchtige oder umgangssprachlich für Reptil
- Bar (Баp) für Rab (Раб), russisch für Sklave
- Gurd (Гурд) von Drug (Друг), russisch für Freund
- Jalo (Яло) von Olja (Оля), ein slawischer weiblicher Vorname
- Nuschrok (Нушрок) für Korschun (Коршун), russisch umgangssprachlich für Geier
- Topsed (Топсед) für Despot (Деспот)
Jalo tritt optisch und charakterlich als Gegenstück zu Olja auf. So ist sie z. B. Linkshänderin und verhält sich ängstlich und eigensinnig, wenn Olja mutig und hilfsbereit ist. Diese erkennt daraus ihr eigenes Fehlverhalten in der Vergangenheit.
Abash, Anidag und Nuschrok ähneln optisch den Tieren, denen ihre Namen nachempfunden sind.
Im Buch wird im Hinblick auf den Handlungsort abwechselnd von den „schiefen“ und den „krummen“ Spiegeln gesprochen.
Ausgaben
Das Buch erschien erstmals 1951 beim Verlag Molodaja Gwardija in Moskau. Bis in die Gegenwart folgten zahlreiche Neuauflagen.[1] Der Kinderbuchverlag Berlin veröffentlichte 1953 die von Gertraud Goldberg übersetzte deutschsprachige Version Königreich der schiefen Spiegel mit Zeichnungen von Alfred Will.[2]
Adaptionen
Die Geschichte wurde bereits 1952 am Staatlichen Jugendtheater in Riga auf der Bühne inszeniert,[3] später folgten anderorts weitere Theaterversionen.[4][5]
1953 entstand auf Grundlage des Buches ein Radiohörspiel.[6]
1963 erschien die Verfilmung Im Königreich der Zauberspiegel, 2007 folgte mit Королевство кривых зеркал (Korolewstwo kriwych serkal) eine Fernsehadaption mit modernisiertem Inhalt.[7]
Einzelnachweise
- ↑ Korolewstwo kriwych serkal. Russische Nationalbibliothek, abgerufen am 28. November 2025 (russisch).
- ↑ Königreich der schiefen Spiegel. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Biografie von Edgars Liepiņš. kino-teatr.ru, abgerufen am 29. November 2025 (russisch).
- ↑ Biografie von Marina Jurjewna Iljitschowa-Ryschakowa. kino-teatr.ru, abgerufen am 29. November 2025 (russisch).
- ↑ Sledy newidannych swerei ( vom 27. März 2024 im Internet Archive), (russisch), abgerufen am 29. November 2025.
- ↑ Radioadaption. theatrologia.su, abgerufen am 28. November 2025 (russisch).
- ↑ Korolewstwo kriwych serkal. Internet Movie Database, abgerufen am 29. November 2025.