Kököchin
Kököchin (mongolisch ᠬᠥᠬᠴᠢᠨ, chinesisch 闊闊真 Kuòkuò Zhēn; auch Kökejin, Kokachin u. a.; * um 1270; † Juni 1296) war eine mongolische Prinzessin und Gattin des Ilkhans Arghun. Der venezianische Asienreisende Marco Polo beschrieb in seinem Reisebericht Il Milione als Augenzeuge Kököchins vom mongolischen Großkhan und chinesischen Kaiser Kublai Khan organisierte Seereise von China zu ihrem Gemahl nach Persien.
Leben
Kököchin war eine Angehörige des mongolischen Stamms der Bayad. Ihre Jugend verbrachte sie in China. Als die zum gleichen Stamm gehörige Buluquan Khatun, Hauptfrau des Ilkhans Arghun, 1286 verstarb, äußerte sie kurz vor ihrem Tod den Wunsch, dass Arghun nur eine Frau aus ihrem Clan zur Gemahlin nehmen möge. Nach dem Bericht Marco Polos reisten nun drei Gesandte, Ulatai, Apusca und Goza, im Auftrag Arghuns nach China an den Hof Kublai Khans. Dieser sollte eine Prinzessin aus dem Clan von Arghuns verstorbener Gattin als Braut für den Ilkhan aussuchen. Der Kaiser erkor hierfür die damals 17-jährige Kököchin. Die persischen Gesandten reisten mit ihr zurück, mussten aber nach acht Monaten infolge neuer Kämpfe zwischen Mongolenfürsten umkehren und sich wieder an den Hof Kublai Khans begeben.[1][2]
Nach seinem weiteren Bericht kam Marco Polo um diese Zeit von einer Seereise aus Indien zurück und wurde von den persischen Gesandten wegen seiner auf dieser Reise erworbenen Kenntnisse gebeten, sie auf dem Seeweg nach Persien zurückzugeleiten. Kublai Khan hatte Marco Polo und dessen mit ihm nach China gereisten Vater Niccolò und Onkel Maffeo Polo die Rückkehr nach Italien nicht gestatten wollen; doch als die persischen Gesandten den Kaiser baten, ihnen zwecks einer sichereren Heimreise auf dem Seeweg die Polos aufgrund deren Erfahrung in diesen Gewässern als Führer mitzugeben, willigte er ein. Er ließ für sie 14 Dschunken mit Lebensmittelvorräten für zwei Jahre ausrüsten. Mit dieser kleinen Flotte schifften sich die Venezianer, die drei persischen Gesandten, Kököchin und etwa 600 weitere Passagieren 1291 oder 1292 im Hafen von Quanzhou ein. Die Schiffsmannschaften umfassten zusätzlich etwa 1400 Personen. Sie gelangten nach drei Monaten nach Sumatra, wo sie aufgrund widriger Monsun-Winde fünf Monate rasten mussten. Auf ihrer weiteren Seereise passierten sie u. a. Ceylon und legten schließlich 18 Monate nach ihrer Abfahrt von Sumatra vermutlich Ende 1293 im persischen Hafen Hormus an.[3][4]
Die lange Seereise hatten etwa 600 Personen nicht überlebt, und die Toten waren fast ausschließlich Männer. Auch zwei der persischen Gesandten waren verstorben. Von ihnen blieb nur Goza am Leben, ebenso die drei Venezianer und Kököchin. Bei der Ankunft in Hormus erfuhren sie, dass Arghun inzwischen verschieden war. Der neue Ilkhan, Arghuns Bruder Gaichatu, wies die Polos an, Kököchin zu Arghuns Sohn Ghazan zu geleiten, den sie anstelle des verstorbenen Vaters heiraten sollte. So begaben sich die Polos mit der mongolischen Prinzessin zu Ghazan, der in Khorasan mit einer starken Armee die persische Grenze gegen einen feindlichen Einfall schützte, und kehrten dann nach Venedig zurück. Die Richtigkeit von Marco Polos Bericht wird in groben Zügen von zwei anderen Quellen bestätigt, nämlich durch ungefähr übereinstimmende Darstellungen in der 1306/07 abgefassten Weltgeschichte des persischen Historikers Raschīd ad-Dīn sowie in der 1408 fertiggestellten chinesischen kaiserlichen Enzyklopädie Yongle Dadian. In diesen Quellen werden die Polos jedoch nicht erwähnt.[3][5]
Kököchin vermählte sich mit Ghazan, der nach der Ermordung Gaichatus (März 1295) und einem kurzen Thronkampf gegen Baidu im Oktober 1295 Ilkhan wurde. Allerdings starb Kököchin schon im Juni 1296.[6]
Literatur
- Otto Emersleben: Marco Polo. Rowohlt Verlag, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50473-1.
- Marina Münkler: Marco Polo. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-43297-2.
Anmerkungen
- ↑ Marina Münkler: Marco Polo, 1998, S. 51–52.
- ↑ Otto Emersleben: Marco Polo, 2002, S. 79–80.
- ↑ a b Marina Münkler: Marco Polo, 1998, S. 52.
- ↑ Otto Emersleben: Marco Polo, 2002, S. 80–85.
- ↑ Otto Emersleben: Marco Polo, 2002, S. 95 f.
- ↑ Charles Melville: BOLOḠĀN ḴĀTŪN. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. Band 4, 1990, ISBN 0-7100-9132-X, S. 338–339 (englisch, iranicaonline.org, Stand: 6. Dezember 2016 [abgerufen am 6. Oktober 2025] mit Literaturangaben).