Käthe Dyckhoff

Käthe Dyckhoff (auch Dickhoff und Dieckhoff, später Katharina Williams; * 14. Februar 1918 als Henny Alma Käthe Schnau in Hamburg; † 4. Februar 1999 in Rom) war eine deutsche, besonders während der Zeit des Nationalsozialismus aktive Schauspielerin.

Leben und Wirken

Die gebürtige Hamburgerin kam als uneheliche Tochter der Näherin und Zimmervermieterin Agnes Dickhoff, geb. Schnau, zur Welt, die seit 1915 nach dem im Ersten Weltkrieg gefallenen Kaufmann Josef Dickhoff verwitwet war.[1] Aufgrund dieser Umstände erhielt sie amtlich den Mädchennamen ihrer Mutter, firmierte aber inoffiziell mit dem Namen Dickhoff bzw. Dyckhoff.

Nach dem Besuch einer Oberrealschule in ihrer Heimatstadt Hamburg übersiedelte Käthe Dyckhoff nach Berlin, wo sie von 1938 bis 1940 Elevin an Lilly Ackermanns Ausbildungsanstalt für Bühnennachwuchs war. An ihrem 22. Geburtstag legte sie die Abschlussprüfung ab und ging anschließend für eine Saison ans Stadttheater Elbing in Westpreußen, wo sie im Fach der naiv-sentimentalen und jugendlichen Salondame besetzt wurde. Wieder zurück in der Reichshauptstadt nahm sie ein halbes Jahr Privatunterricht bei Agnes Straub, ehe sie 1941 in der Rolle der Magd Ilonka ihren Filmeinstand im UFA-Melodram Illusion gab, mit dessen Regisseur Viktor Tourjansky sie um diese Zeit ein Verhältnis hatte. Auch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels fand Gefallen am Debüt der Filmnovizin und nahm regen Anteil am weiteren Verlauf ihrer Karriere.[2]

Auf diese Weise protegiert, erhielt Käthe Dyckhoff 1942 einen gut dotierten UFA-Nachwuchsvertrag[3] und wurde alsbald mit größeren Rollen in ambitionierten Filmprojekten betraut. Typisch für die NS-Zeit handelte es sich dabei oft um artige, wertkonservative Unterhaltung wie Carl Froelichs Zweiteiler Familie Buchholz samt der zeitgleich gedrehten Fortsetzung Neigungsehe oder konventionelle Gesellschaftsdramen mit ausladender Epik und schicksalsschwerem Pathos wie Veit Harlans Literaturverfilmung Immensee. Aufgrund der Kriegsereignisse unvollendet blieb Leb’ wohl, Christina mit Käthe Dyckhoff in der Titelrolle an der Seite Willy Birgels.

Wiederholt intervenierte Goebbels zu ihren Gunsten, während ihn seine Konfidentin Dyckhoff im Gegenzug mit Informationen über regimekritische Künstlerkollegen versorgte. 1944 wurde Käthe Dyckhoff von Goebbels mit einer Reproduktion der Hitlerbüste von Hedwig Maria Ley belohnt, die im September 2012 bei einer Online-Auktion für 5.500 US-Dollar versteigert wurde.[4]

Neben ihrer Tätigkeit beim Film schrieb die 1942 kurzzeitig mit dem Prokuristen Heinz Ostermann verheiratet gewesene[5] Schauspielerin auch Gedichte.[6]

Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft dauerte es nicht allzu lang, bis früher geschasste, nunmehr rehabilitierte Kulturschaffende die Umtriebe der einstigen Regimeprofiteurin Dyckhoff der alliierten Militärverwaltung bekanntgaben. Eine Zeugin sagte aus, „dass die D[yckhoff] eine Freundin des Ministers [= Goebbels] und im übrigen lt. der umlaufenden, allgemein bekannten Gerüchte eine Denunziantin [gewesen] sei.“[7] Käthe Dyckhoff, die das Kriegsende im holsteinischen Trittau auf dem Landsitz des Hamburger Fahrradgroßhändlers Albert Clausen erlebt hatte und inzwischen in Lütjensee mit dem Unternehmer Alfred Tauszky liiert war,[8] erhielt somit anstelle der erhofften Entnazifizierung ein Auftrittsverbot. Sie heiratete 1948 in England den rund 30 Jahre älteren Tom M. Williams, ehe sie 1950, als sich die gesellschaftlichen Wogen wieder etwas geglättet hatten, in die soeben gegründete Bundesrepublik zurückkehrte, um die Fortsetzung ihrer unterbrochenen Filmkarriere zu forcieren.[9] Über Vermittlung des Textilindustriellen Martin Adolff erhielt sie wenig später die weibliche Hauptrolle im Drama K – Das Haus des Schweigens.[10] Die Besetzung ihres männlichen Konterparts mit dem Emigranten Ernst Deutsch verlieh dieser Produktion ein hohes Maß an politischer Brisanz, zumal es in Hamburg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films Ermittlungen gegen Dyckhoff gab, die der Journalist und Drehbuchautor Axel Eggebrecht initiiert hatte.[11] Angesichts dieser weiterhin volatilen Situation sowie vernichtender Kritiken war ihre Karriere danach im Wesentlichen beendet.

Zwischenzeitlich in München ansässig, übersiedelte Käthe Dyckhoff 1963 endgültig nach Rom, wo die „Salonlöwin“[12] zuvor bereits Anschluss an die Schickeria gefunden hatte und dem Filmmilieu weiterhin verbunden blieb.[13] 1965 geriet sie als Zeugin im Mordprozess Bebawi nochmals in den Fokus der Öffentlichkeit. Die italienische Presse nutzte die Gelegenheit, um die Goebbels-Story aufzuwärmen und schlagzeilenträchtig zu verwerten.[14][15] Danach wurde es ruhig um den einstigen UFA-Star, nur 1976 trat sie für Peter Skerls avantgardistisch-exzentrischen Exploitationstreifen Bestialità nochmals vor die Kamera und wirkte auch in einem weiteren, letztlich nicht fertiggestellten Projekt Skerls mit (Mostruosità).[16] Käthe Dyckhoff starb 1999 kurz vor ihrem 81. Geburtstag in ihrer italienischen Wahlheimat.[17]

Filmografie

Literatur

  • Almanach der deutschen Filmschaffenden. Max Hesses Verlag, Berlin 1943, DNB 010133232, S. 357.
  • Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. Band 1: A–Heck. Prominent-Filmverlag, Bad Münder 1960, DNB 451560736, S. 326.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Freie und Hansestadt Hamburg, Geburtsregister Standesamt Hamburg 3 a, Nr. 158/1918.
  2. Bundesarchiv, Akten der Reichstheaterkammer, Personalakte Käthe Dyckhoff, R 9361-V/48301 (vgl. Eintrag im Archivportal-D).
  3. Bundesarchiv, Akten der Reichsfilmkammer, Verträge Käthe Dyckhoff, R 9361-V/128284 (vgl. Eintrag im Archivportal-D).
  4. Hedwig Ley bust of Adolf Hitler purportedly owned by Joseph Goebbels and presented to one of his spies. Alexander Historical Auctions, abgerufen am 13. Oktober 2025 (englisch).
  5. Landesarchiv Berlin, Familienbuch Standesamt Berlin-Schmargendorf, Nr. 147/1942 (vgl. Namensverzeichnis 1931–1942; PDF; 250 MB). Die am 13. April 1942 geschlossene Ehe wurde am 30. Oktober desselben Jahres geschieden.
  6. Schöpferische Pause. In: Illustrierter Beobachter, 6. Juli 1944 (Textarchiv – Internet Archive).
  7. Bundesarchiv, Akten der Reichskulturkammer, Entnazifizierung Käthe Dyckhoff, R 9361-V/141150 (vgl. Eintrag im Archivportal-D).
  8. Das macht Umsatz. In: Der Spiegel, 7. August 1951 (online).
  9. Käthe Dyckhoff. In: Der Spiegel, 12. April 1950 (online).
  10. Nur unter einer Bedingung. In: Der Spiegel, 4. April 1951 (online).
  11. Vgl. u. a. Nachlass Axel Eggebrecht im Kalliope-Verbund.
  12. Intime Revue. In: Revue, 24. Juni 1962, S. 62 (Textarchiv – Internet Archive).
  13. Vgl. u. a. Einträge im Online-Katalog des Archivio LUCE.
  14. Al processo Bebawi testimonia la donna che fu amica di Goebbels. In: Corriere della Sera, 17. November 1965.
  15. Inatteso aiuto a Claire dall’ attrice già amica di Goebbels. In: Corriere della Sera, 18. November 1965.
  16. Il misterioso caso di Mr. Skerl. In: Visioni Proibite. 11. Oktober 2017, abgerufen am 13. Oktober 2025 (italienisch).
  17. Ufficio Anagrafe, Stato Civile e Leva di Roma, Atti di morte 1999.