Käthe Bauer-Mengelberg

Käthe Bauer-Mengelberg, geborene Käthe Mengelberg, (* 23. Mai 1894 in Krefeld; † 22. April 1968 in New York) war eine deutsch-US-amerikanische Nationalökonomin und Soziologin.

Leben

Käthe Mengelberg war die Tochter von Ulrike Mengelberg (geb. Tschorn) und vom Rechtsanwalt und Justizrat Heinrich Mengelberg. Sie war außerdem die Schwester von Rudolf Mengelberg. 1921 heiratete sie den Rechtsanwalt Rudolf Bauer-Mengelberg (* 1898) und bekam mit ihm zwei Söhne. Die Ehe wurde 1931 geschieden.[1] 1934 wurde sie als Sozialdemokratin und ehemalige Frau eines „Halbjuden“ aus dem Staatsdienst entlassen und lebte in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen. 1939 emigrierte sie mit ihren Söhnen in die USA.

Ausbildung und Karriere

Käthe Bauer-Mengelberg besuchte die höhere Mädchenschule in Krefeld und anschließend einen vierjährigen Privatkurs zur Vorbereitung auf das Maturitätsexamen. Nach der Matura 1914 am städtischen Real-Gymnasium Düsseldorf studierte sie 1914–1916 Philosophie und Geschichte in Leipzig, 1916–1917 in München (bei Lujo Brentano)[1] und schließlich von 1917 bis 1919 mit Schwerpunkt Nationalökonomie und Soziologie in Mannheim. 1918 promovierte sie an der Universität Heidelberg. In ihrer Dissertation befasste sie sich mit der Stellung der sozialdemokratischen Partei zu Fragen der Finanzpolitik.[2]

Von 1919 bis 1923 arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin bei Sally Altmann am Volkswirtschaftlichen Seminar der Handelshochschule Mannheim, bot gemeinsam mit ihm Seminare und eigene Kolloquien und Übungen an. Hier habilitierte sie sich 1923 als einzige Frau in der Handelshochschule Mannheim. Ihre Habilitation hatte den Titel: "Positive und kritische Beiträge zur Theorie der Arbeitsbewegung auf der Grundlage eines umfassenden Arbeitsbegriffs".[2] Im selben Jahr wurde auch ihr erster Sohn Rainer geboren. Sie erhielt eine Venia legendi für Handelshochschulen und lehrte nun bis 1930 als Privatdozentin für Politische Ökonomie an der Handelshochschule Mannheim. In dieser Zeit hatte sie, bedingt durch ihre Verheiratung, weder Beamteneigenschaft noch Ruhegehaltsberechtigung, was sich auch auf ihre spätere Rente negativ auswirken sollte.[2]

1930 wurde Käthe Bauer-Mengelberg zur Honorarprofessorin für Volkswirtschaftslehre am Berufspädagogischen Institut Frankfurt a. Main ernannt. Hier lehrte sie bis 1933 und ließ sich an der Handelshochschule Mannheim für diese Zeit beurlauben, um die Venia legendi nicht zu verlieren. Ab 1933, nachdem die Handelshochschule in die Universität Heidelberg eingegliedert worden war, wollte man ihr weder die Beurlaubung verlängern, noch ihr bestätigen, dass ihre Venia legendi ihr nicht entzogen worden war. Im gleichen Jahr fiel auch ihre Stelle in Frankfurt wegen Umorganisation weg und sie wurde als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei zunächst in den einstweiligen und dann in den dauerhaften Ruhestand versetzt. Da sie mittlerweile zwei Kinder zu versorgen hatte und ihr ehemaliger Ehemann keinen Unterhalt zahlen konnte, litt Käthe Bauer-Mengelberg unter massiven Geldsorgen. 1936 wurden ihr sogar die bis dahin gewährte Gnadenpension und Kinderzulage wegen fehlender nationalsozialistischer Gesinnung entzogen.[2]

Von 1936 bis 1939 arbeitete sie als Bibliothekarin in der Hauptgeschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Wuppertal. Erst nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1937 entschied sie sich zur Emigration und emigrierte schließlich 1939 mit ihren Söhnen in die USA, wo sie bis 1943 als Research Assistant an der späteren Iowa State University arbeitete. 1943 bis 1946 lehrte sie Soziologie am New Jersey College for Women an der Rutgers University und erhielt schließlich 1946, im Alter von 51 Jahren, ihre erste Festanstellung als Professorin für Soziologie am privaten Upsala College in East Orange, New Jersey. Dort arbeitete sie bis zu ihrer Emeritierung 1963.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die Finanzpolitik der sozialdemokratischen Partei in ihren Zusammenhängen mit dem sozialistischen Staatsgedanken. Bensheimer, Mannheim 1919.
  • Die Steuerpolitik der sozialdemokratischen Partei als Ausfluß staatlicher Ideologien. Bensheimer, Mannheim 1919.
  • Grundlagen eines umfassenden Arbeitsbegriffs. Habilitationsschrift. Mannheim 1922.
  • Stand und Klasse. In: Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie. Jahrgang 3, 1924, S. 275–287.
  • Der Bürger. In: Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie. Jahrgang 8, 1930, S. 190–200.
  • Agrarpolitik in Theorie, Geschichte und aktueller Problematik. Teubner, Leipzig 1931.
  • Der Bauer. In: Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie. Jahrgang 11, 1933, S. 154–168.

Literatur

  • Sandra Eichfelder: Verdrängt, vertrieben, ermordet: Opfer von NS-Verfolgung an der Handelshochschule Mannheim. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher Heidelberg Stuttgart Speyer Basel 2024, ISBN 978-3-95505-478-6, S. 55–61.
  • Klemens Wittebur: Die deutsche Soziologie im Exil, 1933-1945. Eine biographische Kartographie. Hamburg 1991, S. 42 (Google Books).
  • Sonja Hossainzadeh: Käthe Bauer-Mengelberg. In: Ulrich Fellmeth (Hrsg.): Margarete von Wrangell und andere Pionierinnen. Die ersten Frauen an den Hochschulen in Baden und Wrttemerg. Scripta Mercaturae Verlag, St. Katharinen 1998 (Hohenheimer Themen. Zeitschrift für kulturwissenschaftliche Themen; Sonderband 1998), ISBN 3-89590-056-7, S. 224.
  • Claus-Dieter Krohn: Bauer-Mengelberg, Käthe. In: Harald Hagemann, Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigration nach 1933. Band 1: Adler–Lehmann. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11284-X, S. 32–34.
  • Claus-Dieter Krohn: Käthe Bauer-Mengelberg. In: Robert W. Dimand, Mary Ann Dimand, Evelyn L. Forget (Hrsg.): A Biographical Dictionary of Women Economists. Elgar, Cheltenham 2000, ISBN 978-1-85278-964-0
  • Claudia Honegger: Jüdinnen in der frühen deutschsprachigen Soziologie. In: Mechtild M. Jansen, Ingeborg Nordmann (Hrsg.): Lektüren und Brüche. Jüdische Frauen in Kultur, Politik und Wissenschaft. Hessische Landeszentrale für politische Bildung, Wiesbaden 2003, S. 178–195, hier S. 186 (claudiahonegger.ch PDF).
  • Bauer-Mengelberg, Käthe. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 1: Aachen–Braniß. K. G. Saur, München 2005, ISBN 3-598-25031-2, S. 414 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).
  • Dorothee Dickenberger: Abschlussbericht 2007 der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Mannheim. Mannheim 2007, S. 28–29 (madoc.bib.uni-mannheim.de PDF).

Einzelnachweise

  1. a b Martin Schumacher: Ausgebürgert unter dem Hakenkreuz. Rassisch und politisch verfolgte Rechtsanwälte. Aschendorff, Münster 2021, ISBN 978-3-402-24749-5, S. 11.
  2. a b c d Sandra Eichfelder: Verdrängt, vertrieben, ermordet: Opfer von NS-Verfolgung an der Handelshochschule Mannheim. verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher Heidelberg Stuttgart Speyer Basel 2024, ISBN 978-3-95505-478-6, S. 55–61.