Käte Joël
Käte Joël, auch Käthe Joël (geboren am 12. Mai 1862 in Berlin als Katharina Joël; gestorben am 26. Februar 1947 in Schwendibach, Kanton Bern), war eine aus Deutschland stammende Schweizer Schriftstellerin und Komponistin, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem als Kindertheater- und Singspielautorin bekannt war.
Leben
Katharina «Käte» Joël wurde am 12. Mai 1862[1] als zweite Tochter des jüdischen Kaufmanns Wilhelm Joël und von dessen Ehefrau Rosalie (geb. Lessing) in Berlin geboren. Salomon Wininger schrieb 1928 in seiner Großen Jüdischen National-Biographie über Käte Joël, sie habe in Berlin «in großem Geschwisterkreise eine glückliche Kindheit verlebt» und «die Schulbildung für Töchter besserer Stände» erhalten. Die Familie wechselte mehrfach den Wohnsitz, lebte unter anderem in Danzig, Leipzig und Freiburg.[2]
Ab 1882 lebte Käte Joël längere Zeit in Darmstadt. Dort wohnte ihr Cousin, der «bekannte Bildhauer Prof. König», der laut Wininger «ihr Auge für die Kunst öffnete und sie zu eigenem Modellieren anleitete».[2] 1885 liess sie sich im Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin zur Kindergärtnerin ausbilden und eröffnete später in Konstanz, wo ihre verwitwete Mutter inzwischen lebte, einen kleinen Privatkindergarten. Dort führte sie 1899 erstmals ihr Märchensingspiel Sonntagskinder auf. Die positive Resonanz darauf regte sie dazu an, weitere Werke dieser Art zu verfassen. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Leiterin der Redaktion einer Kinderzeitschrift in Berlin kehrte sie zu ihrer Mutter nach Konstanz zurück und siedelte dann mit ihr in die Schweiz über, wo sie sich in Feldmeilen bei Zürich niederliess.[2]
Ende der 1920er Jahre verlegte Käte Joël ihren Wohnsitz von Zürich in die Gemeinde Steffisburg im Kanton Bern, wo sie das Schweizer Bürgerrecht erwarb.[3] In späteren Jahren lebte sie in Schwendibach, einem damals noch eigenständigen kleinen Ort östlich von Thun.
Zu ihren Freunden in Schriftstellerkreisen zählte der Zürcher Oberländer Mundartdichter Jakob Bersinger (1882–1962).[4]
Käte Joël starb am 26. Februar 1947 im Alter von fast 85 Jahren in Schwendibach[1] und wurde am 1. März 1947 in Steffisburg bestattet. Ein Nachruf auf sie erschien unter anderem am 2. März 1947 in der Neuen Zürcher Zeitung.[5][3]
Werk
Käte Joël schrieb hauptsächlich in hochdeutscher Sprache, gelegentlich auch in Schweizer Mundart. Sie war besonders für ihre Kinderbücher und für kurze Theaterstücke bekannt, die häufig für Aufführungen in Schulen und Familien gedacht waren. Sie verfasste dramatische Märchenspiele für Kinder und Jugendliche, die sich laut Rezensenten «durch sinnigen, kindlich-poetischen Inhalt und Kenntnis der Bühneneffekte» auszeichneten. Joël berücksichtigte in ihren Werken die begrenzten Mittel, die Kindern für Aufführungen zur Verfügung standen. Sie komponierte auch die Musik zu einigen ihrer Stücke und leitete oft die Aufführungen selbst.
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtete in ihrem Feuilleton regelmässig mehrspaltig über Theateraufführungen ihrer neuen Stücke, so am 22. Dezember 1901 über die Sonntagskinder[6] und am 20. Dezember 1902 über das Weihnachtsmärchen Knecht Ruprecht und das Christkindlein.[7] In manchen Stücken trat Käte Joël auch selbst auf. So übernahm sie 1904 etwa die Rolle des Zimmermädchens in ihrem Stück Die Rumpelkammer.[8]
Die meisten von Käte Joëls Werken wurden vom «Art. Institut Orell Füssli» in Zürich verlegt, manche auch in Kommission bei deutschen Verlagen in Leipzig (Verlag Otto Maier) oder Berlin.
Ihre Bilderbücher wurden von verschiedenen Künstlern illustriert, darunter die Schweizer Georg Gysin (1876–1952, Fang mich!)[9] und Margarete Goetz (Hochzeits-Gratulanten. Gedichte und Aufführungen).[10] Der Nürnberger Maler Richard Tworeck bereicherte 1910 ihr Bilderbuch Dem artigen Kinde mit rund 20 farbigen Illustrationen. Zu diesem Buch hiess es in der Beilage zur Schweizerischen Lehrerzeitung empfehlend: «R. Tworeck ist ein junger Künstler, der es versteht, in einfachen, kräftigen Umrissen und leichter Farbenandeutung Mustergültiges zu bieten. Die Kinder werden die entzückenden Bilder gerne nachzeichnen. Käte Joël hat den Text dazu gedichtet, vierzeilige Verse voll Humor und Fröhlichkeit. Kinder von 5–10 Jahren werden ihre helle Freude haben an dem originellen Buche.»[11]
Anfang der 1930er Jahre trug Käte Joël zu einem Kalender bei, der anlässlich des 60. Geburtstags des Reformpädagogen Paul Geheeb zu seinen Ehren herausgegeben wurde. Bekannte zeitgenössische Persönlichkeiten – darunter Käthe Kollwitz, Martin Buber und Selma Lagerlöf – gestalteten die einzelnen Kalenderblätter individuell mit handschriftlichen Widmungen, Zeichnungen, Drucken, Postkarten und Porträtfotos. Das Blatt Nr. 36 für den 5. Februar 1931, dessen Inhalt in der Quelle nicht beschrieben wird, stammte von Käte Joël.[12]
Werke (Auswahl)
- Sonntagskinder. Märchenspiel. Text und Musik von Käte Joël. 1901.
- Knecht Ruprecht und das Christkindlein. Weihnachtsmärchen in 4 Akten. 1902.
- Unter Christkindleins Schutz. Dramatisches Weihnachtsmärchen mit Musik in 5 Akten. Wernthal, Berlin 1904, 62 Seiten.
- Ein Küchenabenteuer. Kleiner Einakter mit Musik für 3 Kinder. Orell Füssli, Zürich 1906, 18 Seiten.
- Frühlings-Einzug. Singspiel für 14–16 Kinder im Alter von 6–10 Jahren. Orell Füssli, Zürich 1906, 27 Seiten.
- Bei den Osterhasen. Frühlingsidyll in zwei Akten. Orell Füssli, Zürich 1906, 40 Seiten.
- Jahreswende. Einakter mit anschliessendem Reigen für 7 oder 15 Kinder. Orell Füssli, Zürich 1906, 23 Seiten.
- In der Rumpelkammer. Kleines Lustspiel für 20 Kinder von 6–12 Jahren. Orell Füssli, Zürich 1906, 19 Seiten.
- Das Goldkrönlein. Mädchensingspiel in 5 Akten. Orell Füssli, Zürich 1907, 85 Seiten.
- Die Schildträger der Jungfrau: Märchenspiel in 1 Aufzug. Orell Füssli, Zürich 1909, 40 Seiten.
- Dem artigen Kinde. Ein lustiges Bilderbuch von Richard Tworeck mit Versen von Käte Joël. Orell Füssli, Zürich 1910.
- Fang mich! Ball-Bilderbuch. Illustriert von Georg Gysin. Orell Füssli, Zürich 1911, 16 Seiten.
- Unser Heldenvolk. 1915.
- Vier kleine Einakter für Familie, Schule und Vereine, eine Sammlung kurzer Theaterstücke mit 12 Abbildungen und Musik, Art. Institut Orell Füssli, Zürich in den 1910er Jahren.
- Das Schulreischen. Freilichttheaterszene für Schulen und Vereine. Orell Füssli, Zürich 1920, 20 Seiten.
- Hochzeitsgratulanten. Gedichte und Aufführungen. Orell Füssli, Zürich 1923, 47 Seiten.
- Vier Wuche verhüratet. Kleine Scherzszene für zwei Personen. Orell Füssli, Zürich 1923, 13 Seiten.
- Redaktionsbureau. Kleine Scherzszene für 2 Personen mit Benutzung bekannter Volksliedermelodien. Orell Füssli, Zürich 1923, 13 Seiten.
- Hänsel und Gretel. Sonderausgabe aus dem Märchenspiel «Sonntagskinder».
- Die Wunderblume. Märchenspiel. 1925.
- Allerhand Gratulanten. Gedichte und Theaterstücke. 1929.
- Aschenputtel. Märchenspiel in 3 Akten mit Benutzung größtenteils alter Musik. H. R. Sauerländer & Co., Aarau 1930, 95 Seiten.
Literatur
- Joël, Käte. In: Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. Band 2: Hurka–Pallenberg. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-095433-3, S. 912.
Weblinks
- Beschreibung von Das Goldkrönlein. In: Am häuslichen Herd. Schweizerische illustrierte Monatsschrift. 1906/1907, S. 224
- Joël, Käte im Katalog der Burgerbibliothek Bern
Einzelnachweise
- ↑ a b Doris Stump, Maya Widmer, Regula Wyss: Deutschsprachige Schriftstellerinnen in der Schweiz. 1700–1945. Eine Bibliographie. Limmat, Zürich 1994, ISBN 3-85791-214-6, S. 105, 106 (Digitalisat).
- ↑ a b c Salomon Wininger: Joel, Käte. In: Große Jüdische National-Biographie. Band 3: Harrison–Lazarus. Czernowitz 1928, S. 323 (Digitalisat).
- ↑ a b Die Woche in Bildern. In: Die Berner Woche. Band 37, Nr. 10, 7. März 1947 (Digitalisat – rechts oben Foto von Käte Joël aus den letzten Lebensjahren).
- ↑ Wortmalereien. Der Mundartdichter und Volketswiler Dorfpoet Jakob Bersinger (1882–1962). In: vov-volketswil.ch. 2014, abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Käte Joël †. Nachruf (mit Foto) in der NZZ vom 2. März 1947 (online im Zeitungsarchiv der NZZ, abgerufen am 11. Dezember 2025).
- ↑ NZZ vom 22. Dezember 1901, S. 10, Feuilleton; abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Beilage zur NZZ vom 20. Dezember 1902, S. 5, Feuilleton; abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Beilage zur NZZ vom 9. November 1905, S. 6; abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Fang mich! Ball-Bilderbuch. In: swisscollections.ch. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Malerpoetin und Kinderfreundin. Der Kinderbuchillustratorin und Zeichnerin Margarete Goetz zum 151. Geburtstag. In: zb.uzh.ch. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Literarische Beilage zur Schweizerischen Lehrerzeitung Nr. 12, Dezember 1910.
- ↑ Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Geheeb-Archiv: Kalenderblätter, gestaltet mit handschriftlichen Widmungen, Zeichnungen, Drucken, Postkarten und Porträtfotos zum 60. Geburtstag von Paul Geheeb (Signatur HStAD, O 37, 3085).